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Celine
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Der Fall "Sam" - Angriff oder missglückter Rettungsversuch?

Der aktuelle Fall um den Hund "Sam" wirft bei mir viele Fragen auf. Je mehr ich lese, desto unsicherer werde ich bezüglich des tatsächlichen Tathergangs. In den Medien (die nicht einmal die korrekte Rasse benennen können) ist die Rede davon, dass der Halter an einem Biss ins Gesicht verstarb. Dem steht die Theorie gegenüber, der Hund habe lediglich versucht, sein Herrchen (nach einem medizinischen Notfall) zu "wecken". Wie lässt sich die Schwere der Verletzungen mit einem bloßen Weckversuch vereinbaren? Ab wann schlägt Fürsorge in (unbeabsichtigte) schwere Verletzung um? Auf dem Bild erkennt man schon etwas rosa am weißen Brustzeichen, was für Kontakt mit Blut steht. Die Dobihündin, die bei mir zum Schluss war, lag 2 Tage neben dem toten Besitzer in der Wohnung. Der Besitzer hatte aber keine Spuren von seinem Hund. Das heißt natürlich nicht, dass es bei allen Hunden so sein muss, das ist mir schon klar. Wären aber solche Fälle nicht häufiger/ bekannter? Und vor allem, wenn es zu einem Kampf kam, warum hat niemand was gesehen oder gehört? Der Fall Chico damals, der nachweislich misshandelt wurde und die 2 Menschen getötet hat, hat meiner Meinung nach nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen. Was ist hier anders? Ich bin mir bei dem Thema so unsicher, dass ich mir gar kein Urteil erlauben kann oder will. Dennoch freue ich mich über eure Ansichten und vielleicht auch die ein oder andere fachliche Einschätzung oder auch persönliche Erfahrung😊 https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/osnabrueck_emsland/hund-toetet-halter-rechtsmedizin-bestaetigt-bisse-als-ursache,lohne-122.html
 
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Celine
19. Jän. 22:34
Das Ausmaß wird größer, weil es eben immer mehr Hunde gibt und auch immer mehr Menschen, die sich leichtfertig einen anschaffen. Hunde bekommt man an jeder Ecke, auch solche, die potentiell gefährlich werden können.
Ja und weil auch viele HH nicht ehrlich bei der Vermittlung sind. Schwierige Hunde wird man in der Regel so schnell nicht los, also wird gerne geschwiegen und die Verantwortung abgegeben.
 
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Michi
19. Jän. 22:35
Ja und weil auch viele HH nicht ehrlich bei der Vermittlung sind. Schwierige Hunde wird man in der Regel so schnell nicht los, also wird gerne geschwiegen und die Verantwortung abgegeben.
Menschen sind halt in vielen Bereichen nicht ehrlich, bzw oft eigentlich nur an sich selber interessiert. Da sind HH nicht unbedingt die Ausnahme...
 
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Mary-Lou
19. Jän. 23:39
Da gehe ich nur zum Teil mit. Hundebegegnungen sind im seltensten Fall tödlich oder wirklich ernst. Allerdings finde ich die Rate an Beißvorfällen gegenüber Menschen und deren eigenen Halter enorm. Die Dunkelziffer ist ja viel höher. Der Dobermann zum Beispiel ist nicht in die Statistik eingegangen und das wird in vielen weiteren Fällen auch so sein. Erst recht, wenn der eigene Hund die Besitzer beißt. Man muss nur verschiedene Vermittlungsposts lesen, wo Hunde auf Grund von Beißvorfällen gegenüber dem Halter abgegeben werden. Oder eben bei der Hellhound F. Selbst in meinem Hundekreis gab es Beißvorfälle auf den eigenen Halter. Aber kaum ein HH meldet den eigenen Beißvorfall dem OA.
Früher wurden bissige Hunde einfach erschossen. (Wird heute tatsächlich teilweise auch noch so gemacht) Die Hunde wurden nicht ins Tierheim gegeben oder zur Hellhound Foundation o. ä. Vermutlich gab es auch deshalb früher weniger unvermittelbare Hunde und Langzeitinsassen. Diese Hunde wurden somit auch in keiner Statistik erfasst. Beißvorfälle wurden auch allgemein nicht so publik. Dank des Internets verbreiten sich solche Nachrichten heute natürlich schneller und weiter. Deshalb ist es womöglich nur eine eher subjektive Wahrnehmung, dass es heute (prozentual) zu mehr und schwereren Beißvorfällen kommt.
 
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Jochen
20. Jän. 04:37
Bei den fatalen Ausgängen hast Du natürlich recht! Aber ich finds schon bedenklich, dass alle Tierheime voll sind und auch alle sonstigen Ausnahmestellen aktuellen Anfragen absagen müssen. Wie gesagt: im Berliner Tierheim gibt’s echt viele Langzeitinsassen! Ein normaler Hund für uns als Hundeanfänger war jedenfalls damals für uns nicht dabei. Und auch die in Cottbus meinten zu uns, dass sie halt nur noch das kriegen, was absolut niemand anders mehr haben will. Das Weitervermitteln wird da echt schwierig… Viele Leute kommen einfach mit ihren Hunden überhaupt nicht mehr klar und sind komplett überfordert. Aus was für Zahlen das man jetzt so rauslesen könnte…? Schwierig. Ich weiß es nicht.
Auf der anderen Seite werden auch sehr viele Hunde im Tierheim abgegeben, weil sie angeblich ein Kind gebissen haben (gleich nach der berühmten Allergie), denn dann hat jeder Verständnis für die Abgabe und man muss sich nichts vorwerfen lassen. Für die Hunde ist das natürlich doppelt fies.
 
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SandrA
20. Jän. 04:51
Die Statistik bildet die Realität und nicht das Gefühl ab. Viele reden hier davon, dass es "immer schlimmer" wird und wir mehr Regulierung, mehr Auflagen, mehr eskalierende Maßnhamen und Reglementierung brauchen. Das entspricht aber nicht der Realität. Daher sollte man sich, auch wenn der Vorfall sehr schrecklich ist, auch mal besinnen und es als das betrachten, was es ist. Ein extremer Ausnahmefall und keine Repräsentantion der tatsächlichen Gefahr, die von Hunden ausgeht. Das erinnert mich jetzt gerade ein bisschen an all die Begegnungsthreads, in denen man sich die letzten Wochen bemüht hat Leute davon zu überzeugen, dass 99% der Hunde und Begegnungen harmlos sind. Hier findet jetzt gerade das Gegenteil statt und alle Hunde werden einem Generalverdacht unterzogen. Die häufigsten Opfer von Bissen sind Kinder und diese werden von ihnen bekannten Hunden gebissen. Und das sind keine gestörten, verhaltensauffälligen Hunde die zum Wesenstest müssen. Und diese Hunde sind keine zukünftigen Menschenkiller. Auch ein Hund, der ein Eichhörnchen tötet oder eine Katze, ist kein zukünftiger Menschenkiller.
Damit wir nicht aneinander vorbeireden. möchte mal kurz etwas richtigstellen, weil mein Kommentar, auf den du antwortest, hier aus dem Zusammenhang gerissen und inhaltlich verschoben wird.

Die zitierte Aussage bezog sich nicht auf tödliche Beißvorfälle bei Menschen, sondern auf eine Antwort an Katrin zum Thema Jagdverhalten. Mein Punkt war, dass Jagdverhalten ernst zu nehmen nicht bedeutet, Hundeverhalten zu dramatisieren oder zu pathologisieren, sondern frühzeitig daran zu arbeiten, um Eskalationen, auch gegenüber Wild, zu reduzieren.

In diesem Kontext greift der statistische Bezug auf tödliche Hundeangriffe beim Menschen nicht. Wenn man hier statistisch argumentieren möchte, müsste man konsequenterweise die Zahlen zu getöteten Wildtieren heranziehen - und die sind mE weder marginal noch irrelevant.

Mir geht es nicht um Generalverdacht oder Alarmismus, sondern um Prävention vor dem schlimmsten Endpunkt und deshalb halte ich es für wichtig, Verhalten wie zB Jagd bereits ernst zu nehmen, lange bevor es um Extremfälle geht.
 
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Carola
20. Jän. 05:03
Unabhängig von dem Fall"Sam" der für mich nach wie vor nicht stimmig ist gibt es doch ein riesiges Problem: es werden immer mehr sogenannte Designer Hunde also Mischlinge hergestellt wobei da weder auf Veranlagung noch auf Wesensfestigkeit geachtet wird von der Gesundheit ganz zu schweigen. Da werden Rassen gemischt deren Veranlagungen komplett gegensätzlich sind und dann wundert man sich dass man einen ambivalenten und schwierigen Hund hat. Das wird ja sogar noch befürwortet da ja die Rassenzucht für viele ein ganz großes Bäbä ist.
Dazu kommt aus meiner Sicht noch ein ganz fataler Trend dass es eine Fraktion von Hundehaltern gibt die ausschließlich mit positiver Verstärkung arbeiten wollen und weder Willens noch in der Lage sind ihrem Hund auch Grenzen aufzuzeigen und Führung zu geben. Das kann zu sehr großen Problemen führen wenn erstmal die Pubertät vorbei ist und der Charakter des Hundes ausreift.
Zudem könnte man sich auch fragen ob es sinnvoll ist einen 40,50,60,70 kg Hund in einem normalen Haushalt zu halten denn alleine aufgrund der Größe erfordert es hier besonders viel Sachverstand, Weitsicht und gute Erziehung. Denn einem solchen Hund ist niemand körperlich gewachsen sondern das funktioniert tatsächlich nur über Erziehung. Womit ich nicht meine das kleinere Hunde nicht auch erzogen sein müssen denn auch sie können eine Gefahr darstellen.
Ja mir tut dieser Hund auch irgendwie leid und dann noch bin ich da ambivalent denn man weiß nicht was geschehen ist aber die rosarote Brille sollte man doch absetzen.
 
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Celine
20. Jän. 05:27
Unabhängig von dem Fall"Sam" der für mich nach wie vor nicht stimmig ist gibt es doch ein riesiges Problem: es werden immer mehr sogenannte Designer Hunde also Mischlinge hergestellt wobei da weder auf Veranlagung noch auf Wesensfestigkeit geachtet wird von der Gesundheit ganz zu schweigen. Da werden Rassen gemischt deren Veranlagungen komplett gegensätzlich sind und dann wundert man sich dass man einen ambivalenten und schwierigen Hund hat. Das wird ja sogar noch befürwortet da ja die Rassenzucht für viele ein ganz großes Bäbä ist. Dazu kommt aus meiner Sicht noch ein ganz fataler Trend dass es eine Fraktion von Hundehaltern gibt die ausschließlich mit positiver Verstärkung arbeiten wollen und weder Willens noch in der Lage sind ihrem Hund auch Grenzen aufzuzeigen und Führung zu geben. Das kann zu sehr großen Problemen führen wenn erstmal die Pubertät vorbei ist und der Charakter des Hundes ausreift. Zudem könnte man sich auch fragen ob es sinnvoll ist einen 40,50,60,70 kg Hund in einem normalen Haushalt zu halten denn alleine aufgrund der Größe erfordert es hier besonders viel Sachverstand, Weitsicht und gute Erziehung. Denn einem solchen Hund ist niemand körperlich gewachsen sondern das funktioniert tatsächlich nur über Erziehung. Womit ich nicht meine das kleinere Hunde nicht auch erzogen sein müssen denn auch sie können eine Gefahr darstellen. Ja mir tut dieser Hund auch irgendwie leid und dann noch bin ich da ambivalent denn man weiß nicht was geschehen ist aber die rosarote Brille sollte man doch absetzen.
Absolut. Gerade beim American Bully wird wild drauf los gezüchtet.
Wir hatten hier selber eine Frau, die zuerst einen American Bully Rüden (mehr mit CC gemischt) hatte, der Hund hat schon einen anderen getötet und war gegenüber Rüden tödlich. Dann kam noch eine Hündin zu, beide Hunde silber und hat natürlich diese verpaart. Alles in einer 2-Zimmer Wohnung. Am Ende hat sie 4 solcher Hunde gehabt und die Hunde haben sich öfter mal wirklich gebissen, gerade die Rüden. So und genau solche Welpen geraten in ahnungslose Hände.

Dann hatten wir eine mit einer silbernen Staffhündin. Sie kam zu uns und wollte einen Deckrüden in Silber. Was wir natürlich abgelehnt haben und gefragt haben, warum sie überhaupt decken will, weil ihre Hündin Allergien hat und keine Gesundheitschecks vorweisen kann. Naja sie hätte finanzielle Probleme. 🤦🏻‍♀️
Natürlich hat sie einen silbernen Deckrüden gefunden und nachdem die Welpen verkauft wurden, wurde die Hündin eingeschläfert. Angeblich hätte sie die notwendigen Knie-OP nicht bezahlen können.

In Berlin hat man ja vor kurzem auch aus einem Keller Listenhund-Welpen beschlagnahmt.
Und so wird es oft ablaufen aber solange die Nachfrage solch ein Angebot bestimmt.

Viele Tierheime und Vermittlungshilfen sind voll mit 1-2 jährigen American Bullys.
 
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Carola
20. Jän. 05:34
Absolut. Gerade beim American Bully wird wild drauf los gezüchtet. Wir hatten hier selber eine Frau, die zuerst einen American Bully Rüden (mehr mit CC gemischt) hatte, der Hund hat schon einen anderen getötet und war gegenüber Rüden tödlich. Dann kam noch eine Hündin zu, beide Hunde silber und hat natürlich diese verpaart. Alles in einer 2-Zimmer Wohnung. Am Ende hat sie 4 solcher Hunde gehabt und die Hunde haben sich öfter mal wirklich gebissen, gerade die Rüden. So und genau solche Welpen geraten in ahnungslose Hände. Dann hatten wir eine mit einer silbernen Staffhündin. Sie kam zu uns und wollte einen Deckrüden in Silber. Was wir natürlich abgelehnt haben und gefragt haben, warum sie überhaupt decken will, weil ihre Hündin Allergien hat und keine Gesundheitschecks vorweisen kann. Naja sie hätte finanzielle Probleme. 🤦🏻‍♀️ Natürlich hat sie einen silbernen Deckrüden gefunden und nachdem die Welpen verkauft wurden, wurde die Hündin eingeschläfert. Angeblich hätte sie die notwendigen Knie-OP nicht bezahlen können. In Berlin hat man ja vor kurzem auch aus einem Keller Listenhund-Welpen beschlagnahmt. Und so wird es oft ablaufen aber solange die Nachfrage solch ein Angebot bestimmt. Viele Tierheime und Vermittlungshilfen sind voll mit 1-2 jährigen American Bullys.
Meine Tochter hat einen OEB und auch sie wurde mehrfach gefragt ob er nicht decken dürfe sie hätten doch so gerne Welpen von ihm- wildfremde Leute! Meine Tochter hat ihn kastrieren lassen da er diverse Allergien hat und sie auf keinen Fall möchte dass er das weitergibt und natürlich solche mysteriösen Angebote strikt abgelehnt. Charakterlich ist dieser Hund übrigens erste Sahne!
 
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SandrA
20. Jän. 05:35
Ja, kann sein, ist schon länger her, dass ich den gesehen habe. Ich finde es allerdings absurd eine gute Beziehung/Bindung vollkommen neutralisieren zu wollen im Zusammenhang mit der Bewertung eines potentiellen Gefahrenpotenzial. Natürlich ist es keine Garantie und es gilt trotzdem safety first und Maulkorb sollte draußen selbstverständlich sein.
Ich glaube, wir meinen im Kern dasselbe.

Bindung spielt natürlich eine Rolle für Beziehung, Kooperation und Lesbarkeit. Mein Punkt ist, dass sie ein Faktor ist, aber kein entscheidender Sicherheitsgarant.

Phänomene wie rückgerichtete Aggression zeigen ja, dass Eskalationen auch bei guter Bindung passieren können. Auch in unserem Fall wurde ich schon sagen, dass Bindung da war, verändert hat sich die Situation aber erst, als sich auf anderen Ebenen, wie Regulation und Management, etwas verbessert hat.

Deshalb würde ich Bindung na klar nicht neutralisieren, aber auch nicht in den Vordergrund stellen, wenn es darum geht Gefahrenpotenzial zu bewerten.
Genau, Safety first, da bin ich bei dir.
 
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Celine
20. Jän. 05:44
Meine Tochter hat einen OEB und auch sie wurde mehrfach gefragt ob er nicht decken dürfe sie hätten doch so gerne Welpen von ihm- wildfremde Leute! Meine Tochter hat ihn kastrieren lassen da er diverse Allergien hat und sie auf keinen Fall möchte dass er das weitergibt und natürlich solche mysteriösen Angebote strikt abgelehnt. Charakterlich ist dieser Hund übrigens erste Sahne!
Das ist schon erschreckend, wie viele völlig fremde Menschen einen allein aufgrund des Aussehens des Hundes nach einer Deckung fragen.

Ich wurde das auch schon wegen Gigi gefragt. Die Dame hat mich mit dem Auto angehupt, ist rechts rangefahren und wollte Gigi als Deckrüden😅