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Celine
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Der Fall "Sam" - Angriff oder missglückter Rettungsversuch?

Der aktuelle Fall um den Hund "Sam" wirft bei mir viele Fragen auf. Je mehr ich lese, desto unsicherer werde ich bezüglich des tatsächlichen Tathergangs. In den Medien (die nicht einmal die korrekte Rasse benennen können) ist die Rede davon, dass der Halter an einem Biss ins Gesicht verstarb. Dem steht die Theorie gegenüber, der Hund habe lediglich versucht, sein Herrchen (nach einem medizinischen Notfall) zu "wecken". Wie lässt sich die Schwere der Verletzungen mit einem bloßen Weckversuch vereinbaren? Ab wann schlägt Fürsorge in (unbeabsichtigte) schwere Verletzung um? Auf dem Bild erkennt man schon etwas rosa am weißen Brustzeichen, was für Kontakt mit Blut steht. Die Dobihündin, die bei mir zum Schluss war, lag 2 Tage neben dem toten Besitzer in der Wohnung. Der Besitzer hatte aber keine Spuren von seinem Hund. Das heißt natürlich nicht, dass es bei allen Hunden so sein muss, das ist mir schon klar. Wären aber solche Fälle nicht häufiger/ bekannter? Und vor allem, wenn es zu einem Kampf kam, warum hat niemand was gesehen oder gehört? Der Fall Chico damals, der nachweislich misshandelt wurde und die 2 Menschen getötet hat, hat meiner Meinung nach nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen. Was ist hier anders? Ich bin mir bei dem Thema so unsicher, dass ich mir gar kein Urteil erlauben kann oder will. Dennoch freue ich mich über eure Ansichten und vielleicht auch die ein oder andere fachliche Einschätzung oder auch persönliche Erfahrung😊 https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/osnabrueck_emsland/hund-toetet-halter-rechtsmedizin-bestaetigt-bisse-als-ursache,lohne-122.html
 
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Sonja
19. Jän. 14:56
Im offiziellen Polizeibericht steht, dass es eine Auseinandersetzung zwischen Hund und Halter gab. Das deutet schon darauf hin, dass man Abwehrverletzungen gefunden hat. Aber ja, bei der anfänglichen Berichterstattung hat sich weder Polizei noch Presse mit Ruhm bekleckert, das hat die wilden Spekulationen natürlich noch befeuert. Ich hoffe, dass man zumindest dieser Aussage glauben schenken kann und das nicht unbedacht so formuliert wurde. Denn Abwehrverletzungen schliessen aus, dass es vorher einen medizinischen Notfall gab, und der Hund nur versucht hat zu retten. Dagegen spricht wieder, dass die Familie felsenfest von der Unschuld ausgeht, und glauben, dass Sam nur wachrütteln wollte. Und die müssten ja den kompletten Obduktionsbericht vorliegen haben. Mir kam der Gedanke, ob der Besitzer evtl gestürzt sein könnte, und auf den Hund gefallen ist. Der ist erschrocken, vielleicht kam ein Trigger aus der Welpenzeit, der mit Schmerz verbunden war, und der Hund hat aus Affekt gebissen. Dabei eine Arterie erwischt, und der Besitzer ist verblutet.
Also entweder isit in den öffentlichen Berchiten alles seeeehr schwammig formuliert... oder es wird wild spekuliert und Behauptungen aufgestellt, besonders von den dafür einschlägig bekannten Presse .....Aber Na ja selbst "Abwehrverletzung" und Medizinischer Notfall schliessen sich ja auch nicht aus, wenn der Mann z.b. ein Krampfanfall hatte und der Hund auf die unkoadinierten Bewegungen einfach nur reagierte, ist das in meiner Ansicht nach kein "Angriff durch einen gefährlichen Hund" 🤗. (Mir ist z.B. ein Fall bekannt den mir ein Verwandter ( der Polizist ist) erzählte; liegt schon Jahre zurück ,er und sein Partner wurden gerufen , sie fanden eine leblose Person die anscheinend von ihrem Hund angegriffen und getötet wurde, erst einige Zeit später stellte sich heraus das diese Person einen Krampfanfall hatte und der Hund einfach auf die symptome in wahrscheinlich in Panik reagierte....., . Tragisch, sicherlich aber dennoch kein "Angriff durch einen gefährlichen Hund") .......in diesem Fall hier fehlen einfach öffentliche Details, resp keiner weiss was wirklich passiert ist ausser der Hund...und ohne menschliche Zeugen wird sich da auch nichts ändern...🤗
 
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Sonja
19. Jän. 15:05
Ich glaube die Petitionserstellerin ist aber nicht aus dem Umfeld von Sam, sondern eine unabhängige Person, die XL Bullys unterstützt. Aus dem Umfeld habe ich jetzt schon mehrmals gelesen, dass Sam 11 war. Ich gehe davon aus, dass das eher stimmt. Aber sollte er wirklich erst 4 gewesen sein, wäre der Charakter gerade erst ausgereift und es würde mich weniger wundern.
Optisch würde 4 in meinen Augen auch eher passen als 11. Ist denn verifiziert, dass das mit den 11 Jahren von den Angehörigen kommt?
 
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Jochen
19. Jän. 15:24
Ja, genau. An diese Aussage musste ich auch denken. Meinst du auch seinen Beitrag zu dem unvermittelbaren russischen Terrier, den er aufgenommen hat?😅
Auf der anderen Seite hat Baumann auch gesagt, dass der Russische Terrier im Haus keinen Maulkorb mehr trägt. Das impliziert ja dann doch dass Bindung und Beziehung eine Rolle spielen?
 
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Katja
19. Jän. 15:36
Auf der anderen Seite hat Baumann auch gesagt, dass der Russische Terrier im Haus keinen Maulkorb mehr trägt. Das impliziert ja dann doch dass Bindung und Beziehung eine Rolle spielen?
Ja, das mit dem Maulkorb war ja von mir auch unabhängig von der Bindungsfrage gemeint!

Ich denke mir: was man selbst macht und welches Risiko man für sich eingeht, ist eine Sache… aber was mit Dritten passiert, hat man eben nicht in der Hand und daher ist man in der Pflicht, das maximal abzusichern, wenn es eine solche Vergangenheit beim Hund gibt.

Ich kann mir vorstellen, dass der Terrier zuhause auch nen Maulkorb kriegt, wenn Besuch kommt.
 
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Mary-Lou
19. Jän. 15:38
Es geht doch darum, dass ein Tier gerissen wurde. Wenn ein Hund ein Wildtier reißt, umso schlimmer. Ein Tötungserfolg ist eine enorme Bestätigung für das Tier. Btw, finde ich das richtig schlimm, wenn ein Hund Wildtiere jagt und das verharmlost wird. Da läuft dann schon einiges schief.
Natürlich ist es nicht in Ordnung, dass ein Hund jagt und tötet und natürlich ist es die Aufgabe des Menschen, ihm beizubringen, dass es unerwünscht ist, aber soll jeder Terrier zum Wesenstest, sobald er eine Maus packt? Das wäre in meinen Augen absurd. Es liegt nun mal in der Natur der Sache, dass (viele) Hunde jagen (wollen). Sonst hätten sie keine Fangzähne.
 
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Katja
19. Jän. 15:52
Also entweder isit in den öffentlichen Berchiten alles seeeehr schwammig formuliert... oder es wird wild spekuliert und Behauptungen aufgestellt, besonders von den dafür einschlägig bekannten Presse .....Aber Na ja selbst "Abwehrverletzung" und Medizinischer Notfall schliessen sich ja auch nicht aus, wenn der Mann z.b. ein Krampfanfall hatte und der Hund auf die unkoadinierten Bewegungen einfach nur reagierte, ist das in meiner Ansicht nach kein "Angriff durch einen gefährlichen Hund" 🤗. (Mir ist z.B. ein Fall bekannt den mir ein Verwandter ( der Polizist ist) erzählte; liegt schon Jahre zurück ,er und sein Partner wurden gerufen , sie fanden eine leblose Person die anscheinend von ihrem Hund angegriffen und getötet wurde, erst einige Zeit später stellte sich heraus das diese Person einen Krampfanfall hatte und der Hund einfach auf die symptome in wahrscheinlich in Panik reagierte....., . Tragisch, sicherlich aber dennoch kein "Angriff durch einen gefährlichen Hund") .......in diesem Fall hier fehlen einfach öffentliche Details, resp keiner weiss was wirklich passiert ist ausser der Hund...und ohne menschliche Zeugen wird sich da auch nichts ändern...🤗
Genau deswegen zeigt sich mir hier auch wieder (wie so oft!): Es ist soooo wichtig, zu wissen, aus welcher Quelle die Info kommt, mit der ich argumentiere!

Der Obduktionsbericht steht und enthält Fakten. Daraus leiten offizielle Stellen bestimmte Statements ab… die dann aber z.B. auch schon wieder dadurch beeinflusst werden, wie solche Fälle in der Vergangenheit u.U. eskalierten (siehe Parallelen zum Fall Chico… das versuchen wohl alle zu vermeiden).
Dann gibt’s die verantwortungsvolle Presse, die das unterstützt, aber auch versucht, richtige (tw. mühsam recherchierte) Details zur Verfügung zu stellen, damit der Leser auch ne Chance hat, sich selber eine Meinung zu bilden.
Und dann kommt die andere Presse, die möglichst sensationslüstern unterwegs ist, um Klicks zu maximieren. Und ganz zum Schluss dann die ganzen Social Media-Beiträge, wo jeder wild vor sich hinfabulieren und wildeste Thesen aufstellen kann.
Und zu guter Letzt tut dann die KI, auf Grundlage von (manchmal gefühlt vorwiegend letzterem), ihr übriges…😫

Ich find‘s inzwischen echt traurig, wie unkritisch sich inzwischen alle darauf stürzen, was einem persönlich in den Kram passt, siehe alternative Fakten und Co.
Leider sehe ich auch inzwischen selber in meinem eigenen Umfeld, dass dieses kritische Hinterfragen, was wir mal in der Schule gelernt haben, inzwischen komplett aus der Mode gekommen ist und auch nicht mehr vermittelt wird!
Warum sollte das also in diesem Fall anders sein?
Traurig, traurig.

PS: Ihr hier alle macht da für mich echt nen Unterschied… wollte ich mal sagen: Hier lerne ich jeden Tag was dazu und kriege echt spannende Denkanstöße! An dieser Stelle mal danke dafür!!!😀👍
 
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Sina
19. Jän. 15:54
Optisch würde 4 in meinen Augen auch eher passen als 11. Ist denn verifiziert, dass das mit den 11 Jahren von den Angehörigen kommt?
Ja, stimmt schon, er sieht deutlich jünger aus als 11, wenn ich das mit meinem so vergleiche.

Ich hatte es von einer Freundin des Besitzers gelesen, sie hatte ein Foto eingestellt, auf dem sie mit Besitzer und Sam zu sehen war.
Und Celine meinte auch, dass wohl auch der Freund, der weiter unten verlinktes Video mit Sam und seinem Bully geteilt hatte, das auch so in die Kommentare geschrieben hat.

Aber sicher verifiziert ist das natürlich alles nicht.
 
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SandrA
19. Jän. 16:11
Auf der anderen Seite hat Baumann auch gesagt, dass der Russische Terrier im Haus keinen Maulkorb mehr trägt. Das impliziert ja dann doch dass Bindung und Beziehung eine Rolle spielen?
Soweit ich mich erinnere begründet Baumann das Ablegen des Maulkorbs aber nicht mit „Bindung macht sicher“, sondern mit Erfahrung und Lesbarkeit. Er kennt den Hund, seine Muster und die Vorzeichen über die Zeit besser, so dass er das Risiko in diesem Kontext (Zuhause mit ihm und seiner Frau) anders einschätzt.
 
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Jochen
19. Jän. 17:20
Soweit ich mich erinnere begründet Baumann das Ablegen des Maulkorbs aber nicht mit „Bindung macht sicher“, sondern mit Erfahrung und Lesbarkeit. Er kennt den Hund, seine Muster und die Vorzeichen über die Zeit besser, so dass er das Risiko in diesem Kontext (Zuhause mit ihm und seiner Frau) anders einschätzt.
Ja, kann sein, ist schon länger her, dass ich den gesehen habe.

Ich finde es allerdings absurd eine gute Beziehung/Bindung vollkommen neutralisieren zu wollen im Zusammenhang mit der Bewertung eines potentiellen Gefahrenpotenzial.

Natürlich ist es keine Garantie und es gilt trotzdem safety first und Maulkorb sollte draußen selbstverständlich sein.
 
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Julia 🐾Nero
19. Jän. 20:59
Da gehe ich mit. Es geht ja nicht darum einen „Wesenstest als Dtrafe für Hasenjagen“ zu etablieren, sondern um etwas Grundsätzlicheres: Jagdverhalten ist kein harmloses Detail, sondern ein hoch aktivierender Funktionskreis, der gerade im heutigen Umfeld ernst genommen werden muss. Einfach auch, weil die Rahmenbedingungen sich im Verhältnis zu „früher“ massiv verändert haben - Hundedichte, Lebensräume, Begegnungsfrequenz, Haltervielfalt. Wenn sich die Verhältnisse ändern, müssen sich auch Haltung, Management und Bewertung ändern. Das ist find ich keine Dramatisierung, sondern Anpassung an Realität.
Eine gewisse Dramatisierung findet hier gerade schon statt.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Hund einen Menschen in Deutschland tötet ist extrem gering. Wir haben über 10 Millionen Hunde und es werden durschnittlich ca. 3 bis 4 Menschen im Jahr durch einen Hundeangriff getötet. Das heißt, dass ca. 0,00003 % der Hunde einen Menschen töten. Das ist so selten, dass es als eine Anomalie betrachtet werden kann.
Mehr Menschen streben jährlich, weil sie vom Blitz getroffen werden und weitaus mehr jährlich an Wespenstichen.

Die Zahl der tödlichen Angriffe bleibt über viele Jahre im Durchschnitt gleich (es gibt Statistiken von 1989 bis 2023, die keinen ungewöhnlichen Anstieg in den letzten Jahren zeigen). Die Anzahl an Hunden steigt aber stetig.
Man kann also davon ausgehen, dass wir sehr nah am "Restrisiko" sind, dass sich durch nichts vermeiden lässt. Auch nicht durch Hundeführerschein, Wesenstest usw.

Das sind jetzt einfach harte, sachliche Fakten. Emotional ist natürlich jeder Fall eine Tragödie.

Aber der Aufruf zum Aktionismus und Überregulation wird mit allergrößter Wahrscheinlichkeit überhaupt nichts ändern.

Dass ein Hund einen Menschen, und vor allem den eigenen Menschen tötet, ist eine Anomalie. Die Hunde, die im Keller leben und misshandelt werden, werden druch all die Maßnahmen eh nicht erfasst und die Hunde, die unauffällig sind und aus Gründen, die man nie herausfinden wird, plötzlich töten bestehen davor jeden Führerschein und Wesenstest.