Ich verstehe schon was du meinst. Und respektiere das auch dennoch muss man sich generell mal immer die Frage stellen ob Tierhaltung nicht grundsätzlich egoistisch ist. Das fängt bei Fischen an, geht weiter über Vögel, Katzen, Hund, Pferd usw. ich glaub es gibt da keine pauschal sondern kommt auf den Karakter des Tieres an. Klar ist es nicht Ratsam einen Kangal im 5 Stock in einer Einzimmerwohnung zu halten. Aber wenn der Karakter des Hundes es her gibt spricht eigentlich auch nichts dagegen. Es kommt halt immer auf das Tier an. Das wäre jetzt auch nicht richtig wenn man sagen würde ein Border Collie wird nur froh wenn er eine Herde zum Hüten hat. Das ist einfach eine pauschale die nicht generell anwendbar ist.
Natürlich ist jeder Hund ein Individuum aber wir dürfen den Charakter nicht mit der Genetik verwechseln. Der Charakter entscheidet, ob ein Hund eher mutig oder vorsichtig ist, die Genetik aber bestimmt seinen Werkzeugkasten und seine Bedürfnisse.
Ein Border Collie muss heute keine Schafe mehr hüten, um glücklich zu sein, da gebe ich dir recht. Aber er braucht eine Aufgabe, die seine Genetik (das schnelle Reagieren, das Fixieren, die Zusammenarbeit) anspricht. Wenn er diese Energie nicht kanalisiert bekommt, sucht er sich selbst ein Ventil und das ist dann meistens das Problem.
Zu sagen ‚Wenn der Charakter es hergibt, passt der Kangal auch in den 5. Stock‘, halte ich für einen riskanten Trugschluss. Ein Herdenschutzhund ist genetisch darauf programmiert, Territorien zu sichern und Fremdes kritisch zu beäugen. Ihn in ein Umfeld zu zwingen, in dem er alle 2 Minuten im Treppenhaus oder auf dem Gehweg auf Fremde trifft, bedeutet für das Tier Dauerstress.
Das hat dann nichts mehr mit seinem individuellen Charakter zu tun, sondern damit, dass wir ihn in eine Situation bringen, die gegen sein biologisches Programm arbeitet. Wahre Intuition bedeutet für mich, das Tier vor solchen Situationen zu schützen, statt zu hoffen, dass sein Charakter die genetischen Defizite des Umfelds schon irgendwie ausbügeln wird