Hey,
Das von dir beschriebene Verhalten – dieses wiederkehrende „Trockenkotzen“, als würde etwas im Hals stecken, zusammen mit Räuspern beim Knurren oder Winseln – passt sehr gut zu einer Reizung oder Funktionsstörung im Bereich der oberen Atemwege, also Kehlkopf, Rachen oder Luftröhre. Dass die Symptome seit mehreren Wochen bestehen und tageweise stärker oder auch ganz weg sind, ist dabei ein wichtiger Hinweis und sollte ernst genommen werden, gerade bei einer 11-jährigen Weimaraner-Hündin.
Auf den angefertigten Röntgenbildern lassen sich keine groben Veränderungen der Lunge erkennen, was gut dazu passt, dass die Problematik eher im oberen Atemwegsbereich liegt. Auch ein offensichtlicher Fremdkörper oder eine massive Verlegung der Luftröhre ist nicht zu sehen. Allerdings muss man dazu sagen, dass der Kehlkopf selbst im Röntgen nur sehr eingeschränkt beurteilbar ist. Veränderungen der Schleimhäute, funktionelle Störungen oder eine Kehlkopflähmung lassen sich auf diesen Bildern in der Regel nicht sicher erkennen. Altersbedingte Veränderungen an der Halswirbelsäule sind sichtbar und bei einem Hund dieses Alters nicht ungewöhnlich. Solche knöchernen Veränderungen können indirekt Nerven reizen oder ein dauerhaftes Fremdkörpergefühl im Hals auslösen, erklären die Symptome aber meist nicht vollständig.
Sehr wichtig zu erwähnen ist die sogenannte Kehlkopflähmung (Larynxparalyse). Diese tritt besonders häufig bei älteren, großen Hunderassen auf und zeigt sich genau durch die von dir beschriebenen Anzeichen: Würgen, trockenes Husten, Räuspern, Veränderungen beim Bellen oder Knurren und ein wechselnder Verlauf. Diese Erkrankung ist im Röntgen oft nicht sichtbar und kann nur durch eine Kehlkopfspiegelung unter leichter Sedierung sicher beurteilt werden. Daneben kommen auch eine chronische Entzündung im Kehlkopf- oder Rachenbereich oder ein stiller Reflux in Frage, der ebenfalls zu häufigem Räuspern und Würgen führen kann.
Wichtig ist deshalb, sich nicht allein auf den unauffälligen Röntgenbefund zu verlassen. Der sinnvollste nächste Schritt wäre eine gezielte Untersuchung des Kehlkopfes, idealerweise in einer Tierklinik oder bei einer Tierärztin bzw. einem Tierarzt mit Schwerpunkt Innere Medizin oder Chirurgie. Erst damit lässt sich klären, ob eine Kehlkopflähmung oder eine andere funktionelle Störung vorliegt und wie man deiner Hündin gezielt helfen kann.
Sollten Atemnot, starkes Hecheln in Ruhe, bläuliche Schleimhäute oder eine deutliche Verschlechterung auftreten, wäre das ein Notfall und sollte sofort abgeklärt werden. Insgesamt passen die Symptome sehr gut zu einer Erkrankung der oberen Atemwege, die im Röntgen nicht sicher sichtbar ist.