Guten Morgen,
zunächst einmal tut es mir sehr leid, dass ihr diese Diagnosen erhalten habt. Es ist eine harte Zeit, aber es gibt auch Hoffnung. Ich drücke dich, wenn du magst. 🫂
Unser Hund hat keine Milbenallergie, aber er reagiert von Februar bis Oktober auf Pollen und hat zusätzlich einige Themen mit Futter. Er hat sich bis aufs blutige Fleisch gekratzt, war stark untergewichtig und hatte durch Bakterien und/oder Hefepilze ständige Infektionen der Haut. Ich versuche, deine Fragen strukturiert zu beantworten, aber vielleicht wird dieser Beitrag etwas länger. Ich hoffe, es hilft dir.
Wie lange bekommt er die Hyposens schon, wann haben wir erste Erfolge verzeichnen können?
Anton ist als Welpe im Alter von ca. 4 Monaten erkrankt (Dezember ‘21). Etwa ein Jahr später (Dezember ‘22) wurde die Pollenallergie mithilfe eines Intrakutantests diagnostiziert. Im Januar ‘23 haben wir seine Hyposensibilisierung begonnen, zunächst als intralymphatische Immuntherapie. Dabei werden die Spritzen nicht in die Haut, sondern in den Lymphknoten gesetzt, weil eine schnellere Reaktion des Immunsystems erwartet wird. Das hat bei ihm leider nur geringfügig funktioniert. Den ersten “Erfolg” haben wir zwar schon nach ein paar Monaten gesehen, aber “Erfolg” bedeutet in diesem Zusammenhang nur, dass seine Symptome gleichmäßig schlimm blieben und es kein ständiges auf und ab mehr gab. Auch das war irgendwie eine Erleichterung. Die nächsten anderthalb Jahre haben wir neben der ILIT viele Sachen ausprobiert, die nicht geholfen haben. Im Juli ‘24 sind wir schließlich umgezogen. Im August ‘24 hat unsere neue Tierärztin ein weiteres Cortisonpräparat ausprobieren wollen (er hat in seinem Leben wahrscheinlich schon alle Präparate, die es gibt, erfolglos bekommen). Er hatte schwere Nebenwirkungen davon, aber der Juckreiz hörte auf. Kurz vor seinem 3. Geburtstag, zum ersten Mal in seinem Leben, anderthalb Jahre nach dem Start der Behandlung. Die Hyposens bekommt er bis heute, inzwischen aber alle 6 Wochen.
Zusätzliche Hautinfektionen/Hefepilze?
Das hat er leider immer gehabt und hat es auch heute noch, zuerst als Nebenschauplatz zu den Allergien. Inzwischen bekommt er Zenrelia (Konkurrenzprodukt zu Apoquel) gegen den Rest-Juckreiz in der Pollensaison und Hautinfektionen können da leider auch eine Nebenwirkung sein, das macht es schlimmer. Im Moment hat er’s mit den Ohren und der Schnauze, manchmal sind's die Pfoten, manchmal die Haut am Bauch, am Rücken… irgendwas ist immer. Das soll dich keineswegs entmutigen. Diese “Kleinigkeiten” auszuhalten ist blöd, aber mehr auch nicht. In Verlauf seiner Erkrankung waren die Infektionen oft problematisch, weil sie Behandlungen und Diagnosen erschwert haben, aber inzwischen hilft Routine bei der Körperpflege, um eine erneute Eskalation zu verhindern.
Was hat zusätzlich geholfen?
Für alle Mitlesenden: bitte besprecht es euren Tierärzt:innen, bevor ihr Sachen ausprobiert, die uns geholfen haben.
Anton frisst selbst gekochtes Futter (Känguru und Kürbis, Zusätze entsprechend seines Bedarfs, Ernährungsplan aufgestellt durch eine TÄ für Ernährung.) Wir waschen ihn ein- bis zweimal pro Woche mit Douxo S3 Pyo Shampoo. Zwischendurch verwenden wir die anderen S3 Pyo Produkte.
Wenn er Probleme mit den Pfoten hat, baden wir zusätzlich ein- bis zweimal wöchentlich die Pfoten. Ich hab dazu eine Wanne von einer Katzentoilette gekauft und fülle die mit Wasser. Die Maxani PawBombs liebe ich zum Pfotenbaden sehr, aber die gehen bei Dauergebrauch auch ganz schön ins Geld und Epsom-Salz ist günstiger und hat genauso gut funktioniert.
Kleinere Stellen auf der Haut behandeln wir mit Cortavance, Isaderm oder Lotricomb, je nachdem was Anton grade braucht.
Wir haben auch eine Verhaltenstherapie mithilfe einer spezialisierten Tierärztin durchgeführt, weil Anton erst lernen musste, dass er sich auch nicht-kratzen kann. Klingt schräg, aber kratzen war für ihn eine Reaktion auf ALLES und dieser Kreislauf musste auch erst durchbrochen werden.
Außerdem natürlich der Klassiker: lückenloser Parasitenschutz das ganze Jahr über, denn Anton braucht wirklich nicht auch noch Zecken, Flöhe oder Würmer. 😅
Abschluss:
Anton ist jetzt ca zwei Jahre symptomfrei. Er kann ein (fast) normales Hundleben führen. Er macht jetzt Sachen, die vor ein paar Jahren undenkbar waren und der Weg dorthin war hart, aber hat sich gelohnt. Deshalb ist das allerwichtigste, nicht aufzugeben, auch wenn es oft so hoffnungslos erscheint. Die Spuren der Erkrankung werden immer bleiben, Antons Fell an der Brust wird leider nie wieder nachwachsen, weil er sich (wahrscheinlich) die Haaranlagen zerstört hat. Aber ganz ehrlich: er weiß auch nicht, dass er da Fell haben könnte. Und es stört ihn auch überhaupt nicht, dass da nichts ist.
Ich drücke euch ganz fest die Daumen, dass ihr bald einen Fuß vor die Erkrankung bekommt und dass es dann nur noch bergauf geht. Wenn du noch weitere Fragen hast, melde dich gerne. Alles Liebe für euch. 🍀