Ich finde auch, es kommt vor allem auf den einzelnen Hund an und eben auch darauf, was passieren könnte, wenn es doch einmal schiefgeht.
Bei meinem Rüden z B ist der Trainingsstand inzwischen wirklich gut. Er orientiert sich an mir, bleibt oft von sich aus stehen, hält sich in meiner Nähe auf und lässt sich in vielen Situationen abbrechen. Trotzdem gibt es dieses kleine Restrisiko, dass er doch einmal durchstartet. Und weil dieser Hund genug Potenzial hat, Wild oder auch anderen Hunden gefährlich zu werden, entscheide ich mich da wo ich das Gelände nicht gut überblicken kann für die Absicherung. Nicht weil er schlecht hört, sondern weil mir das verbleibende Restrisiko zu groß ist. Gerade an unübersichtlichen Stellen bin ich dann einfach entspannter und das wirkt sich eher positiv aus als wäre ich unentspannt aber er im Freilauf.
Bei meiner Hündin bin ich vom Freilauf momentan ungefähr so weit entfernt, wie man zu Fuß von hier nach Australien käme. Allerdings kann ich trainieren, Dummyarbeit machen oder sie mit anderen Hunden laufen lassen. Solange sie eine Aufgabe hat, funktioniert vieles erstaunlich gut. Frei durch den Wald laufen? Nope.
Selbst wenn ich irgendwann das Gefühl hätte, dass der Rückruf ganz gut sitzt, würde ich sie im Wald nicht einfach ableinen. Sie ist unfassbar schnell, impulsiv, sehr reizoffen, sofort im Handeln und hartnäckig - schon deshalb hätte sie durchaus das Potenzial, Wild zu gefährden.
Ich hatte immer schon Hunde mit Special Effects, von daher frage ich mich inzwischen nicht mehr: hört der zu 100% ? sondern: was passiert in dem einen Prozent, in dem er nicht funktioniert?
Es gibt sicher Hunde, bei denen man dieses Risiko als sehr gering einschätzen kann. Ich habe solche Hunde jedenfalls nicht.