Sehr gute Frage, da denke ich schon den ganzen Tag darüber nach 😬.
Ich würde mal sagen, dass Führung bedeutet die Entscheidungsgewalt zu haben, aber auch Verantwortung zu tragen.
Führung basiert auf der sozialen Beziehungsebene und ist wenn man so sagen möchte das Gegenteil von Training über Konditionierung.
Hat sicherlich etwas mit Präsenz, Ausstrahlung, innerer Haltung zu tun. Aber das sind alles Begriffe, über die ich mich immer sehr ärgere. Weil sie so viel und gleichzeitig so wenig aussagen.
Ich glaube aber auch, dass Führung schon eine klare Hierarchie erfodert, also eine akzeptierte soziale Überlegenheit einer Partei.
Es gibt Leute, die von gleichberechtigter Führung reden, aber das ist für mich ein Widerspruch in sich.
Der der führt hat das sagen, anders wird der Begriff bedeutungslos.
Ich erinnere mich, dass du mal geschrieben hast, dass dir genau das, Führung übernehmen, gar nicht liegt und du lieber einen anderen Umgang mit deinem Hund hättest. Da sind Menschen nun mal extrem unterschiedlich, der eine muss alles kontrollieren, der andere möchte überall Freiheit und Selbstbestimmung.
Möglicherweise ist hier der Ansatz, dass du dir bewusst wirst, wieviel "Führung" Nero wirklich braucht und ob du bereit bist, dich in diese Rolle einzufinden. Du schreibst: "Ich lasse Nero in der Freizeit schon viel Zeit und Raum zu schnüffeln und zu erkunden. Leider wird er oft zunehmend hektischer und nicht ruhiger. Er will überall, alles gleichzeitig machen." Das zeigt doch schon, dass er von einer Begrenzung profitieren kann. Ich habe einen intakten Rüden in der Betreuung, der super schnell Stress bekommt und dann auch schon mal um sich beißt. Da fiel mir das auch sofort auf, das der beim schnüffeln immer hektischer wurde. Als ich ihn dann konsequent in alle Richtungen begrenzt hatte und er nur noch einen kleinen Radius an der Leine nutzen durfte, wurde er ruhiger. Nicht mehr so viele Reize und Möglichkeiten = weniger Stress.
Eine ordentliche Auslastung z.B. über Gegenstandsuche vor dem Spaziergang kann auch Druck und Stress minimieren.
Oder ihr geht nicht wahllos spazieren, sondern draußen einen Job erledigen: gut aufgebaute Fährtensuche oder anspruchsvolle Apportieraufgaben, Longieren (falls das die Umgebung hier gibt). Irgend etwas, was ihn fokussiert und dich interessant macht. Verschiedene Beschäftigungen im Wechsel, immer neue Variationen, damit es für ihn anspruchsvoll bleibt und er nicht wieder aussteigt. Völlig ohne Leistungsdruck. Das kann sooo viel Spaß machen, man lernt sich gegenseitig ganz neu kennen :)
Ich lese aber irgendwie immer wieder raus, dass dir das widerstrebt, weil du auch nicht weißt, wie sich diese Rolle anfühlt oder anfühlen kann. Und man sagt ja immer so, man bekommt immer den Hund, den man gerade für seine Weiterentwicklung braucht. Vielleicht ist bei dir jetzt Zeit für Selbstfindung - kann und will ich authentisch lernen, einen starken Hund zu "führen" oder bin ich das einfach nicht?
Ich kann mir aber vorstellen, was gerade in dir los ist und du hast hier so viel zu beantworten, weshalb ich mich jetzt hier raus nehme. Ich wünsche dir auf jeden Fall, dass du dir klar wirst, ob du der Mensch bist bzw. werden kannst, den Nero braucht.