Hi Nadin,
vertrau da bitte zu 100 % auf dein Bauchgefühl. Dein ungutes Gefühl ist absolut berechtigt, denn was du da beschreibst, lässt einem wirklich die Haare zu Berge stehen.
Einen verunsicherten Tierschutzhund aus Rumänien in einer stressigen Situation ins Bein zu zwicken, ist absolut inakzeptabel. Das ist reine Symptombekämpfung über Schmerz und Schreck. Sammie war in diesem Moment völlig überfordert, von dir getrennt und hat aus Not reagiert. Die Trainerin hat riesiges Glück gehabt, dass er nicht zugebissen hat. Wenn man einen unsicheren Hund so bedrängt, schaltet er ganz schnell von Flucht auf Angriff. Für ein Lebewesen, das ohnehin lange braucht, um Vertrauen aufzubauen, ist so eine Aktion ein absoluter Vertrauensbruch.
Auch die Aussage, Hunde könnten sich an nichts aus ihrer Vergangenheit erinnern, ist wissenschaftlicher Unfug. Natürlich schwelgen sie nicht in Erinnerungen wie wir Menschen, aber sie besitzen ein emotionales Gedächtnis. Prägungen und Traumata aus der Zeit in Rumänien stecken tief im Nervensystem. Zu behaupten, da sei nichts hängengeblieben und du solltest „weniger verständnisvoll“ sein, ist schlichtweg falsch. Empathie und Sicherheit sind keine Schwäche, sondern das Fundament für einen Hund, der bereits viel durchgemacht hat.
Das Skurrile ist ja, dass die Trainerin selbst erkennt, wie sensibel, feinfühlig und höflich Sammie eigentlich ist – und ihm im selben Atemzug körperlich so grob begegnet. Das zeigt leider nur, dass sie stur ihr Schema F durchzieht, anstatt wirklich auf deinen Hund einzugehen.
Mein dringender Rat an dich: Geh da bitte keinen einzigen Tag mehr hin. Ein gutes Anti-Jagd-Training arbeitet mit Impulskontrolle, Orientierung an dir und positiver Verstärkung, aber niemals mit Schmerz, Druck oder körperlicher Maßregelung. Du hast in dem Jahr mit Sammie schon so viel erreicht – lass dir dieses mühsam aufgebaute Vertrauen von dieser Frau nicht kaputtmachen.
Falls du den Kurs im Voraus bezahlt hast und das Geld jetzt nicht einfach weg sein soll: Oft gibt es in Hundeschulen ja mehrere Trainer oder ganz andere Angebote. Du könntest ganz sachlich nachfragen, ob du das restliche Guthaben für einen Kurs bei jemand anderem im Team oder für ein ganz anderes Thema nutzen kannst – zum Beispiel für etwas wie Mantrailing, Nasenarbeit oder Beschäftigung, was euch beiden Spaß macht und Vertrauen aufbaut. Aber bei dieser Trainerin solltest du wirklich keinen Fuß mehr auf den Platz setzen.