Home / Forum / Erziehung & Training / Fragwürdige Haltung in Hundeschule?

Verfasser-Bild
Nadine
Einleitungs-Beitrag
Anzahl der Antworten 59
zuletzt 12. Aug.

Fragwürdige Haltung in Hundeschule?

Hi Zusammen, ich wäre euch dankbar, wenn ihr eure Einschätzung zu einer heutigen Trainingsstunde mit mir teilen würdet, da es mich noch beschäftigt und ein ungutes Gefühl hinterlassen hat. 🙏 Sammie ist 3,5 Jahre und seit fast 1 Jahr bei mir aus dem Tierschutz. Heute war die dritte Stunde im Anti-Jagd-Training bei einer Hundeschule. Direkt heute habe ich erwähnt, dass Sammie sehr lange braucht um Vertrauen zu Fremden (Hund und Mensch) aufzubauen. Dass er sich von mir in den ersten zwei Wochen nach seiner Ankunft aus Rumänien von mir kaum hat anfassen lassen. Bei der Übung sollte ich eine Reizangel aus Entfernung bewegen und die Trainerin hat die Schleppleine festgehalten. Er wollte natürlich hin und hat gebellt. Daraufhin hat sie ihn ins Bein gezwickt, was ihn überfordert hat und er überlegt hat, ob er sie zurück zwicken soll. Hat er zum Glück nicht, sondern nur gebellt und hatte sichtlich Angst vor ihr. Ich war bestimmt 4m entfernt. Später hat sie zudem als ich das Thema traumatische Erfahrung angesprochen habe, eine Aussage getätigt, die mir ebenso zu Denken gab: „Hunde leben im hier und jetzt und können sich an rein gar nichts aus ihrer Vergangenheit erinnern. (…) Du solltest weniger Verständnisvoll mit ihm sein.“ Bei späterer Impulskontrollübung sagte sie: „er ist extrem sensibel und reagiert deutlich auf Blicke und Körpersprache. (…) ein ganz liebevoller und höflicher…“ Ich halte mich bewusst mit meiner Einordnung und weiterer Hintergrundinfos zu Sammie zurück um eine möglichst auf die Trainingshaltung bezogene Einschätzung von euch bekommen zu können. 😊 Ich danke euch schon mal vorab! Liebe Grüße
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Kirsten
8. Aug. 21:16
Danke dir! Ja genau darauf wollte ich hinaus als das Thema aufkam. Ein Hund aus dem Tierschutz, der ausgesetzt wurde und dessen Mutter dabei gestorben ist. Wie weiß zwar keiner, aber er reagiert extrem auf laute, schnelle oder große Fahrzeuge. War für sie grundsätzlich irrelevant
Wo meiner Meinung nach etwas dran ist, ist das Thema Mitleid. Ich denke nicht, dass Hunde davon profitieren, wenn man sie für ihre Vergangenheit bedauert oder gar anfängt mit ihnen zu leiden. Was passiert ist, lässt sich nicht mehr ändern.

Das ist aber etwas anderes als Sorgen, Ängste, die Vergangenheit gänzlich zu ignorieren, statt einen angemessenen Umgang damit zu finden.

Für eine Atmosphäre, bei der man sich für das Äußern der eigenen Bedenken schlecht fühlt, statt Erklärungen an die Hand zu bekommen würde ich nicht bezahlen wollen.

Ich finde es toll, dass du das für dich aufarbeitest und nicht einfach hinnimmst. Es ist oft schwer seinem Bauchgefühl zu vertrauen, wenn man einem vermeintlichen Experten gegenüber steht. Ihr werdet für euch einen passenden Weg finden! ☺️
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Nadine
8. Aug. 22:09
Ja, Hunde leben im hier und jetzt: Emotional! Aber das bedeutet doch nicht, dass sie keine Erinnerungen haben. Gerade Ängste werden sie nie vergessen. Man kann sie mit neuen Erfahrungen abdämpfen und Situation als ungefährlich generalisieren wenn man das in kleinen Schritten mit ganz viel Geduld aufbaut, aber die Ängste bleiben trotzdem für immer in Erinnerung. Gerade Ängste bekämpfen dauert richtig lange. Das ist das schwierigste und aufwendigste, wenn eine Angst erstmal generalisiert wurde.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Sebbi
8. Aug. 22:46
Hi Nadin,
vertrau da bitte zu 100 % auf dein Bauchgefühl. Dein ungutes Gefühl ist absolut berechtigt, denn was du da beschreibst, lässt einem wirklich die Haare zu Berge stehen.

Einen verunsicherten Tierschutzhund aus Rumänien in einer stressigen Situation ins Bein zu zwicken, ist absolut inakzeptabel. Das ist reine Symptombekämpfung über Schmerz und Schreck. Sammie war in diesem Moment völlig überfordert, von dir getrennt und hat aus Not reagiert. Die Trainerin hat riesiges Glück gehabt, dass er nicht zugebissen hat. Wenn man einen unsicheren Hund so bedrängt, schaltet er ganz schnell von Flucht auf Angriff. Für ein Lebewesen, das ohnehin lange braucht, um Vertrauen aufzubauen, ist so eine Aktion ein absoluter Vertrauensbruch.

Auch die Aussage, Hunde könnten sich an nichts aus ihrer Vergangenheit erinnern, ist wissenschaftlicher Unfug. Natürlich schwelgen sie nicht in Erinnerungen wie wir Menschen, aber sie besitzen ein emotionales Gedächtnis. Prägungen und Traumata aus der Zeit in Rumänien stecken tief im Nervensystem. Zu behaupten, da sei nichts hängengeblieben und du solltest „weniger verständnisvoll“ sein, ist schlichtweg falsch. Empathie und Sicherheit sind keine Schwäche, sondern das Fundament für einen Hund, der bereits viel durchgemacht hat.

Das Skurrile ist ja, dass die Trainerin selbst erkennt, wie sensibel, feinfühlig und höflich Sammie eigentlich ist – und ihm im selben Atemzug körperlich so grob begegnet. Das zeigt leider nur, dass sie stur ihr Schema F durchzieht, anstatt wirklich auf deinen Hund einzugehen.

Mein dringender Rat an dich: Geh da bitte keinen einzigen Tag mehr hin. Ein gutes Anti-Jagd-Training arbeitet mit Impulskontrolle, Orientierung an dir und positiver Verstärkung, aber niemals mit Schmerz, Druck oder körperlicher Maßregelung. Du hast in dem Jahr mit Sammie schon so viel erreicht – lass dir dieses mühsam aufgebaute Vertrauen von dieser Frau nicht kaputtmachen.

Falls du den Kurs im Voraus bezahlt hast und das Geld jetzt nicht einfach weg sein soll: Oft gibt es in Hundeschulen ja mehrere Trainer oder ganz andere Angebote. Du könntest ganz sachlich nachfragen, ob du das restliche Guthaben für einen Kurs bei jemand anderem im Team oder für ein ganz anderes Thema nutzen kannst – zum Beispiel für etwas wie Mantrailing, Nasenarbeit oder Beschäftigung, was euch beiden Spaß macht und Vertrauen aufbaut. Aber bei dieser Trainerin solltest du wirklich keinen Fuß mehr auf den Platz setzen.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Desiree
9. Aug. 05:43
Guten Morgen ☕. Per se halte ich es nicht für 'körperliche Gewalt' (wie es in vorangegangenen Kommentaren genannt wurde), wenn ein Hund situationsbedingt mal gezwickt wird, ABER es kommt natürlich auch auf den Hund an!
In eurem Fall / bei deinem Hund war das jedoch sicher NICHT vorteilhaft 😐.
Wobei ich mich allerdings unbedingt meinen Vorrednern anschließen möchte, ist die Sache mit dem Bauchgefühl!
Wenn das nicht gut ist, dann ist es das auch nicht ohne Grund 😉.
 
Beitrag-Verfasser
Liane
9. Aug. 06:56
Es ging darum, dass er mit seiner Mutter ausgesetzt wurde und sie dabei verstorben ist. Und er besonders reaktiv auf schnelle und laute Fahrzeuge reagiert - Trauma durch Unfall? (Weiß ich nicht, kann aber nicht ausgeschlossen werden) und um Sozialisierung durch die mutterhündin. Sie hat mich für die Perspektive ausgelacht. 😅 Meinte er weiß nicht mal mehr, dass sie existiert hat und hat leider gar nicht verstanden, worauf ich hinaus wollte. Sie meint es gäbe auch keinen Unterschied in der Sozialisierung im Welpenalter, ob vom Rudel oder vom Menschen. Merkwürdige Situation das Gefühl zu haben, sich vor einer Trainerin dafür rechtfertigen zu müssen. 🙈
Es ist sowohl ein Unterschied ob von der hundemama oder vom Menschen aufgezogen wird. Die Trainerin sollte unbedingt den Trainerschein bei kompetenten Trainern nochmal machen. Mit allem was dazugehört.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Andrea
9. Aug. 07:14
Ihr fehlt deutlich das Einfühlungsvermögen in puncto Auslandshund. Sie tragen ihre Traumata jahrelang mit sich rum. Unsere über 6 Jahre misshandelte Podenca hat noch heute (sie ist 8 Jahre bei uns) ihre Panikattacken. Wenn sie nur im Hier und Jetzt leben würde, wäre das kaum so. Wenn ich ein ungutes Gefühl habe bezüglich dessen, wie sich eine andere Person meinen Hunden gegenüberverhält, höre ich darauf.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Claudia
9. Aug. 07:17
Sie hat ihn versucht hinter sich zu drängen, weil er immer wieder nach vorne zur Reizangel wollte. Was in noch nachvollziehen kann, aber ehrlicherweise bei mir bisher wenig Erfolg gezeigt hat draußen im Alltag. Hinzu kommt natürlich, dass er sehr stark auf mich fokussiert ist und selbst zu Hause sich grade erst und nur kurz alleine in den Garten traut. Also ziemlich viel Druck für ihn gewesen in der Situation. Er wurde nach und nach ruhiger mit viel Übersprungshandlungen wie Kratzen und lautes gähnen. Sie hat zwischendrin und danach kein einziges Mal gelobt und ich sollte danach einfach mich mit ihm wieder hinsetzen. Wir haben es also zusammen nicht nochmal geübt oder positiv abschließen können. (Auf sowas achte ich immer im Training) Grundsätzlich haben wir von ihr bisher noch keine Hinweise auf Lob bekommen. Die andere Hündin ist enorm aufgedreht und unausgelastet und auch hier höre ich nur: Zuhause in der Box anleinen, laut und aggressiver Ton bei Fehlverhalten… 🙈
Ich frage mich, warum du die reizangel hattest und sie den Hund bedrängt und maßregelt. Du sollst doch lernen ihn vom Reiz abzulenken/abzuhalten??
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Claudia
9. Aug. 07:18
Das sehe ich auch so und die Vorgeschichte ist dabei ganz egal. Wobei es mich bei unserer Ausgangssituation und den Fortschritten besonders fassungslos macht 🙈
Absolut!
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Maria
9. Aug. 07:35
Ich weiß ja nicht, wie sie den Satz”Hunde erinnern sich an nichts aus ihrer Vergangenheit“ gemeint hat, aber frag sie doch mal, wie Hunde dann lernen können? Schließlich muss sich ein Hund ja an die Bedeutung eines Kommandos erinnern, um es ausführen zu können.

Der Transfer des Gelernten in die Praxis bleibt die Koenigsklasse. 🫣
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Katharina
9. Aug. 07:54
Es geht doch bei einem Jagdinstinkt nicht darum ihn ab zu trainieren! Das ist schlicht weg auch nicht möglich!
Es geht darum im eine andere positive Möglichkeit zu geben zu Jagen. Und zwar in dem er mit dir interagiert!
Wenn das Bedürfnisse gestillt wird hast du automatisch einen entspannteren Hund.


Es geht darum ihm bei zu bringen, das was du da gerade jagen möchtest das möchte ich nicht aber du darfst das Jagen was ich dir zum Jagen gebe.

Zum Beispiel, Futterbeutel, Reizangel, Ball, Spielchen mit Futter oder sonst ihrgend was was dein Hund so richtig toll findet und was es nur gibt wenn du es frei gibst.

Gib ihm eine Aufgabe, wenn er gerne Sachen Aportiert dann lass ihn Apportieren dann ist er Automatisch mehr bei dir weil er immer wieder schaut ob du das Bälchen oder was auch immer jetzt endlich mal schmeißt oder fallen lässt und ihn dann los schickst.

Ich finde es echt schlimm daß es für uns Hundetrainer*innen immer noch keine richtigen Ausbildungsrichtlinien gibt und ich deshalb solche Kollegen habe und die uns alle durch den Dreck ziehen!

Ich wünsche euch beiden alles gute und hoffe ihr bekommt das noch gut hin und er ist davon noch nicht zu sehr durch den Wind!

Du darfst dich gerne bei Fragen melden!