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zuletzt 9. Mai

"Wege zur Freundschaft" (Ulli Reichmann)

Hallo ihr Lieben :) Ich habe kürzlich o.g. Buch verschlungen und gleich begeistert mit dem dort aufgeführten Training begonnen. Für alle, die es nicht kennen: Es geht darum gemeinsam mit seinem Hund die Welt zu entdecken und Spuren zu suchen etc.. Quasi ein Leitfaden, wie man dem Hund zeigt nicht mehr alleine jagen zu gehen, sondern voller Freude zu kooperieren. Ich bin nun unendlich begeistert, weil erste (auch unerwartete) Erfolge schon in wenigen Tagen sichtbar wurden und wollte nun mal fragen, ob noch jemand inspiriert von diesen Methoden mit seinem Hund die Welt erkundet? Würde mich über einen Erfahrungsaustausch unheimlich freuen! Liebe Grüße
 
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Jochen
6. Mai 14:26
Jetzt musste ich doch glatt nochmal nachlesen, was ich selbst geschrieben habe. Du darfst klugscheißen 😂 Ich bitte sogar darum. In diesem Thread geht es schließlich um den Ulli-Weg und wenn Dinge gepostet werden, die nicht dazu passen ist das total in Ordnung, wenn jemand darauf hinweist. Wird gewolltes Verhalten bei Ulli nicht gelobt? Kann sein, dass ich da gerade was durcheinander werfe. Wenn ich mich neben Mila hocke und versuche sie wieder runter zu bringen ist das Strafe oder ignorieren? Ich habe das bisher nicht als Strafe oder ignorieren angesehen. Vielleicht kannst du mir das genauer erklären und in fern ich sie damit deckel. In dem Erregungszustand bekommt sie doch garnichts mehr mit, oder 🧐 Ich gehe nicht 100 prozentig den Ulli-Weg, dass habe ich auch schon öfter geschrieben. Ich habe mir ein paar Dinge von ihr geklaut und versuche mich an ihrer Methode anzulehnen. Versuche also mit Mila ein paar Jagdfrequenzen durch zu gehen. Dazu gehört aber nicht das Hetzen und ich denke wenn Mila bellend in die Leine geht, ist sie schon im Stadium des hetzens, oder nicht? Ich muss zugeben, dass ich mich sehr schwer damit tue Dinge vor Mila zu entdecken, die sie vielleicht auch noch interessant findet. Sie geht auch sehr selten Fährten hinterher und wenn wir schon mal gucken waren wo das Kaninchen gesessen hat, endete es meist damit, dass sie entweder ins Gebüsch hinterher wollte oder wir einfach mal nur blöd da standen. Deshalb machen wir das auch nicht mehr. Wenn ich ihr mal einen Wildwechsel zeige ist der eher langweilig und auch wenn sie uns einen zeigt ist die Spur in die andere Richtung für sie nicht interessant. Sie geht meist auch nur ein paar Meter mit der Nase rein und schaut dann. Manchmal möchte sie auch tiefer rein in den Wald, aber eben dann nicht mehr der Nase nach, sondern wieder auf Sicht. Auch beim Mantrailing hatte sie selten die Nase auf dem Boden, sondern ist der Witterung hinterher. Du meinst also ich soll einfach mal in den Wald schauen 👀 und mit dem Finger hinzeigen und sagen „schau mal was da ist“, auch wenn da nichts ist? Mach ich mich da nicht auch ihr gegenüber zum Horst und erreiche damit nur, dass ich unglaubwürdig bin? Ich glaube mein größtes Problem mit der Ulli Methode ist, dass ich eigentlich verdammt oft in den Wald starre und nicht weiß warum, also nicht wirklich irgendeinen Sinn darin sehe. Ich glaube deshalb sind auch die Kaninchen so unser Ding geworden. Da kann auch ich was mit anfangen und könnte manchmal lange zuschauen. Nur leider klappt dass mit dem hinhocken nicht mehr so gut, weshalb ich dann halt einfach neben Mila stehen bleibe.
"Wird gewolltes Verhalten bei Ulli nicht gelobt?"

Ja, sicher, das Loben, die Lobblase ist ja einer der Grundpfeiler der "Methode". Aber- und das ist der Unterschied- nicht im Sinne einer Konditionierung ala Rüttertruppe nur zielgerichtet mit Timing zu belohnen ("Wofür hat er das jetzt gekriegt").
Es geht eher darum, den Hund möglichst verstehen zu geben, dass es gut ist, was er von seinen Anlagen her mitbringt und dass das keinesfalls negativ belegt wird.

Und, als wäre das noch nicht genug -deswegen hacke ich immer so auf dem Abbruch rum- dem Hund das Gefühl zu geben "es ist nicht falsch was du machst und es bleibt toll (oder wird sogar noch toller), wenn wir gemeinsam weiter machen (in einer anderen Richtung/ ein neues Objekt entdecken etc.pp. (je nach Leidenschaft des Hundes)

Und in dem Moment der -ich nenne es mal "der Passion", es ist ja nicht immer Jagd- braucht er keine materielle Belohnung und viele wollen in dem Moment auch keine Belohnung.

Wenn ich Pepe im Jagdengagement mit Leckerli kommen will, schaut er mich nur beleidigt an (Achtung Goldwaagenleger, Vermenschlichung).

Das ist das eine, das andere ist, dass du nicht abbrechen willst aber trotzdem den Hund auf dem Level abholen musst auf dem er gerade ist um dann aber langsam die Dynamik/Erregung zu drosseln. Ines Scheuer Dinger beschreibt das gut in ihrem Buch.

Reichmann streut die Leckerli ja auch hauptsächlich zum Runterkommen und nicht zur Belohnung.

Also auf euch bezogen, wenn es wirklich das Hetzen ist (was ich nicht so recht glaube, aber das kann ich mit den wenigen Informationen natürlich nicht beurteilen), dann müsste sie einem Dummy ja gerne folgen? Also Dummy in die entgegengesetzte Richtung werfen zB.

"Vielleicht kannst du mir das genauer erklären und in fern ich sie damit deckel. In dem Erregungszustand bekommt sie doch garnichts mehr mit, oder 🧐"

Gerade gelesen was Kirsten schrieb. Ja.
Du deckelst nicht, das war allgemein gemeint.

"Ich muss zugeben, dass ich mich sehr schwer damit tue Dinge vor Mila zu entdecken, die sie vielleicht auch noch interessant findet."

Wäre cool, wenn du da was finden könntest. Vllt. ist dir ja schon aufgefallen, dass sie das öfter an der gleichen Stelle macht? Oder vielleicht zuckt sie vorher mit einem Ohr? Oder sie wird langsamer/schneller?

"Du meinst also ich soll einfach mal in den Wald schauen 👀 und mit dem Finger hinzeigen und sagen „schau mal was da ist“, auch wenn da nichts ist? Mach ich mich da nicht auch ihr gegenüber zum Horst und erreiche damit nur, dass ich unglaubwürdig bin?"

Ja, genau. Du siehst ja sofort, ob sie darauf anspringt oder nicht.

"Nur leider klappt dass mit dem hinhocken nicht mehr so gut, weshalb ich dann halt einfach neben Mila stehen bleibe."

Was nicht geht, geht eben nicht, das ist auch kein Drama. Pepe ist das auch nicht so wichtig, aber Willy reagiert da total drauf, so kann ich zB. auch seine Leinenaggression auflösen.
 
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Doro
6. Mai 18:35
Die Lobblase ist zugegebenermaßen in unserem Alltag ein bisschen eingeschlafen. Danke für die Erinnerung.

Ich habe das Buch „Leben mit Jagdhund“ von Ines Scheuer-Dinger gelesen. Stand das mit der Erregung da drin? 🧐Ich glaube ich muss es nochmal lesen. Das Buch „abgeleint“ ist aktuell leider nicht als Druckversion zu erhalten.

In der Vergangenheit habe ich mich schon interessiert irgendwo hingerichtet, oder den Boden untersucht. Mit den Fingern gescharrt oder so. Das hat sie damals aber nicht interessiert. Sie hat weiterhin ihr Ding gemacht. Aber das werde ich nochmal versuchen. Wir haben uns ja weiterentwickelt 😅

Danke für die Erklärungen und Hinweise. Ich bin immer dankbar dafür und versuche umzusetzen und mitzunehmen, was ich kann.
 
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Jochen
7. Mai 04:32
Die Lobblase ist zugegebenermaßen in unserem Alltag ein bisschen eingeschlafen. Danke für die Erinnerung. Ich habe das Buch „Leben mit Jagdhund“ von Ines Scheuer-Dinger gelesen. Stand das mit der Erregung da drin? 🧐Ich glaube ich muss es nochmal lesen. Das Buch „abgeleint“ ist aktuell leider nicht als Druckversion zu erhalten. In der Vergangenheit habe ich mich schon interessiert irgendwo hingerichtet, oder den Boden untersucht. Mit den Fingern gescharrt oder so. Das hat sie damals aber nicht interessiert. Sie hat weiterhin ihr Ding gemacht. Aber das werde ich nochmal versuchen. Wir haben uns ja weiterentwickelt 😅 Danke für die Erklärungen und Hinweise. Ich bin immer dankbar dafür und versuche umzusetzen und mitzunehmen, was ich kann.
"Ich habe das Buch „Leben mit Jagdhund“ von Ines Scheuer-Dinger gelesen. Stand das mit der Erregung da drin? 🧐Ich glaube ich muss es nochmal lesen."

Ja, sogar mit Beispielen im Jagdkontext... Aber sie sagt das sogar beim Rückruftraining. Unten mal ein paar Zitate.


"Das Buch „abgeleint“ ist aktuell leider nicht als Druckversion zu erhalten."

Oh, das habe ich noch gar nicht gelesen, danke. (bei mir ist es umgekehrt, Paperwork nur im äußersten Notfall)


"In der Vergangenheit habe ich mich schon interessiert irgendwo hingerichtet, oder den Boden untersucht. Mit den Fingern gescharrt oder so. Das hat sie damals aber nicht interessiert. Sie hat weiterhin ihr Ding gemacht. Aber das werde ich nochmal versuchen. Wir haben uns ja weiterentwickelt 😅"

Du schriebst doch, dass sie an Spuren nicht so ein Interesse hat? Dann erst recht nicht, wenn du die Spuren zeigst.
Also, hole sie da ab, wo ihre Interessen sind, sei es beim Hüten, beim Wachen, beim Hetzen... und leite daraus Handlungen ab, vllt. das Beobachten, das Ansagen, das Bewachen, das Dummy verfolgen etc.

Das wichtigste, schaue genau auf deinen Hund und die Bedürfnisse und sei kreativ wie du diesen nahekommen kannst.

Pepe ist ausschließlich an Spuren interessiert, Hase hoppelt weg "mir doch egal" und Mäuselöcher? Kein Interesse. Er ist ein totaler Fachidiot. Trotzdem -oder auch vielleicht deswegen- will er von mir keine Spuren gezeigt bekommen- da habe ich viel probiert. Irgendwann hatte ich festgestellt, wenn er in die eine Seite rein ist am Wege, er danach immer in die andere Seite will, weil das Wild bei uns wohl meistens den Weg quert. Dh. nach dem Umkehrpfiff lasse ich ihn nicht mehr mir folgen, sondern schicke ihn auf der anderen Seite rein.

Zitate Ines Scheuer Dinger: "Leben mit Jagdhund"

Sie sollten also Ihre Definition von Belohnung überdenken. Belohnung ist das, was der Hund ohnehin gerade tun möchte oder was dem zumindest ähnlich ist – kann das immer ein Keks oder ein Kopftätscheln sein? Wohl eher nicht.

doch ist es günstig, wenn wir beim Belohnen das Erregungsniveau des Hundes aufgreifen können. Sonst kann es leicht passieren, dass die Belohnung nicht als solche empfunden wird, sondern eher Frust auslöst.

Angepasste Erregungsniveaus sind also wichtig, damit kein Frust aufkommt. Empfangen Sie Ihren Hund nach dem Rückruf daher freudig und mit Action. Während des Belohnens können und sollten Sie dann die Erregung langsam reduzieren und selbst ruhiger werden.
 
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Kirsten
7. Mai 08:49
Und das finde ich halt echt das Schwierigste: es gibt keine wirklichen „Handlungsempfehlungen“… Jeder Hund tickt anders und im Grunde geht’s ja drum, lesen zu können, was der Hund gerade denkt, was ihn umtreibt… und wie man sich irgendwo sinnvoll beteiligen kann! Das ist sooooo schwer! Ich hätte echt am WE bei Pollis Tempo ganz klar gedacht „voll im Tunnel“, also Leine dran und runterkochen. War aber nicht so: sie hat sich sehr gefreut, dass wir quasi „mit dabei waren“ und war durchaus für Kommunikation erreichbar. 2 Tage später leider wieder ganz anders: Auch da fürchterlich angestachelt auf der Morgenrunde. Als sie dann ein Loch im Zaun fand (hatte ich blöderweise nicht mehr auf dem Schirm), fand sie dort auch einen jungen/hslbwüchsigen Fuchs. Da war sie dann definitiv im Tunnel. Zum Glück blieb der Fuchs irgendwann stehen und hat sich gewehrt. Das hat auch Hundine wieder schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: sie will hinterherrennen, mit Konfrontation kann sie nicht umgehen. Daher sind Katzen doof, Eichhörnchen aber prima! Jedenfalls wurde sie dann ansprechbar und ließ sich ganz klein mit Hut aus dem Zaun wieder rauslotsen…🥴 Das war definitiv eine falsche Einschätzung meinerseits: Spuren, auch ganz frische sind ok. Anblick in der Ferne auch und, wenn sie gut drauf ist, auch Dynamik. Aber Dynamik direkt vor der Nase, da geht’s mit ihr durch! Zum Glück kriegt sie nicht alles mit, was vor ihrer Nase passiert…😬
Ja, natürlich klappt nicht 1:1 alles in jeder Situation für jeden Hund 😁

Aber all die Geschichten und Bespiele laden zum Gedankentransfer ins eigene Leben ein ☺️ die Transferleistung muss man natürlich selber erbringen (auch wenn man sich Hilfe und Ideen holen kann).

Gerade für den jagdlichen Kontext gibt es jede Menge Beispiele, was die bestimmten Hundetypen besonders interessieren könnte (nicht nur im ersten Teil), damit man erstmal überhaupt Anhaltspunkte zum einsteigen findet. Die Geschichten und Beispiel sind für das Verständnis unheimlich viel wert, auch wenn sie selbstverständlich keine 1:1 Anleitung sind.
 
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Doro
9. Mai 06:03
Mila bei der Nasenarbeit. 👃Vor zwei Tagen haben wir so einen alten Pizzakarton 🍕gefunden 😂

Ich bin ziemlich wortkarg, weil ich mit Heuschnupfen zu kämpfen habe. Leider mussten wir dann abbrechen, weil andere Menschen und Hunde kamen.🤷‍♀️