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Kirsten
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Anzahl der Antworten 17
heute 09:20

Eure Meinung zum Artikel: Soziale Balance im Tierreich

Eine Freundin bereichert mich regelmäßig mit interessanten Artikeln von Tiermedizin Thieme. Zu diesem hier würden mich eure Meinungen, Beobachtungen und Erfahrungen aus dem Tierreich interessieren: https://tiermedizin.thieme.de/aktuelles/vet-news/detail/soziale-balance-im-tierreich-warum-dominanz-nicht-grenzenlos-ist-2413 Wart ihr schon einmal Zeuge von einem solchen Ausgleichsverhalten? Welche sozialen Kosten könnten entstehen? Welche Risiken könnten mit ausgleichendem Verhalten verbunden sein? Kennt ihr interessante Literatur zu dem Thema? Ich bin gespannt auf eure Gedanken ☺️ (Bild dient der Aufmerksamkeit)
 
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Maria
1. Aug. 10:06
Okay, dann habe ich das falsch verstanden.
 
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Kirsten
1. Aug. 13:02
So wie ich es verstehe, geht es darum wie Ungleichheit (innerhalb eines bestehenden sozialen Verbandes) durch weniger mächtige Mitglieder mehr angeglichen wird, in denen sie mächtigeren Mitgliedern indirekte Konsequenzen auferlegen.
Oft in einem anderen Kontext.

„Diese Verhaltensweisen begrenzen den Einfluss mächtiger Gruppenmitglieder und mindern so die Ungleichheit. Ausgleichende Verhaltensweisen funktionieren, indem sie mächtigen Individuen Kosten auferlegen“

Oder wie fasst ihr es auf?

Ich finde Ausflüge in andere Themen auch durchaus spannend.
 
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Kirsten
1. Aug. 13:07
@Maria ich verstehe deinen Einwand bezüglich des allein herrschendem Alphas. In der Studie las es sich für mich ein wenig differenzierter:

„Jüngste Arbeiten haben den Nutzen eines erweiterten Ungleichheitsbegriffs in Tiergesellschaften hervorgehoben, in denen Macht in verschiedenen Bereichen auftritt, die nicht notwendigerweise mit Dominanzhierarchien übereinstimmen, und Ungleichheit in diesen Bereichen biologisch relevante Ursachen und Folgen hat. Wechselwirkungen zwischen Machtbereichen können eine wichtige Rolle für den Grad der Struktur und die Ungleichheit innerhalb einer Gruppe spielen. Individuen können in einigen Bereichen Macht besitzen, in anderen jedoch nicht, beispielsweise wenn dominante Individuen keinen überproportionalen Einfluss auf kollektive Entscheidungen haben.“

Ich nutze die Thieme-Artikel meist eher um einzuordnen, ob das Thema mir interessant erscheint ☺️ Sie sind häufig recht kurz gefasst.
 
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Maria
1. Aug. 17:02
So wie ich es verstehe, geht es darum wie Ungleichheit (innerhalb eines bestehenden sozialen Verbandes) durch weniger mächtige Mitglieder mehr angeglichen wird, in denen sie mächtigeren Mitgliedern indirekte Konsequenzen auferlegen. Oft in einem anderen Kontext. „Diese Verhaltensweisen begrenzen den Einfluss mächtiger Gruppenmitglieder und mindern so die Ungleichheit. Ausgleichende Verhaltensweisen funktionieren, indem sie mächtigen Individuen Kosten auferlegen“ Oder wie fasst ihr es auf? Ich finde Ausflüge in andere Themen auch durchaus spannend.
So hatte ich es auch verstanden. Und das scheint ja eine Reaktion auf “Ungerechtigkeiten” durch die Ranghoeheren zu sein.

Da liegt der Schluss auch nah, dass die Ranghoeren eine Art Ausgleichsverhalten initiieren (wie es Katharina beschrieben hat), um eigeninitiativ Gerechtigkeit herzustellen und so das soziale Gefüge aufrecht erhalten und damit auch ihren Status.
 
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Maria
1. Aug. 17:02
@Maria ich verstehe deinen Einwand bezüglich des allein herrschendem Alphas. In der Studie las es sich für mich ein wenig differenzierter: „Jüngste Arbeiten haben den Nutzen eines erweiterten Ungleichheitsbegriffs in Tiergesellschaften hervorgehoben, in denen Macht in verschiedenen Bereichen auftritt, die nicht notwendigerweise mit Dominanzhierarchien übereinstimmen, und Ungleichheit in diesen Bereichen biologisch relevante Ursachen und Folgen hat. Wechselwirkungen zwischen Machtbereichen können eine wichtige Rolle für den Grad der Struktur und die Ungleichheit innerhalb einer Gruppe spielen. Individuen können in einigen Bereichen Macht besitzen, in anderen jedoch nicht, beispielsweise wenn dominante Individuen keinen überproportionalen Einfluss auf kollektive Entscheidungen haben.“ Ich nutze die Thieme-Artikel meist eher um einzuordnen, ob das Thema mir interessant erscheint ☺️ Sie sind häufig recht kurz gefasst.
Das lese ich nochmal nach. Danke für den Hinweis.
 
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Maria
heute 09:15
Ich hab das mal mit Gemini besprochen. Weil ich mich gerade mit ihr beschäftige, hab ich noch eine Brücke zu Katrin Scholz geschlagen. Mich würde interessieren, was ihr dazu sagt:

“Das Prinzip, über das du sprichst, wird in der Verhaltensbiologie und Evolutionspsychologie oft im Kontext von sozialer Gerechtigkeit, Reziprozität und Konfliktmanagement bei in Gruppen lebenden Säugetieren (wie Wölfen, Primaten oder Hunden) erforscht.

Dass rangniedere Individuen bei gefühlter Ungerechtigkeit oder Ressourcendruck anfangen, das Verhalten der Führenden „von unten“ zu kontrollieren (z. B. durch Dauerpräsenz, Belagern, Stören, Kläffen oder kleine Nadelstiche), ist ein Schutzmechanismus: Wenn die Führung den Raum nicht fair oder klar strukturiert, versucht die Ebene darunter, sich Sicherheit und Ausgleich selbst zu organisieren.

Und ja, das steht absolut im Einklang mit dem Ansatz von Katrin Scholz – und lässt sich wunderbar auf dein Gespann mit Biscotti und Kontroletti-Elisa übertragen!

Die Parallele zu Katrin Scholz' Philosophie

Katrin Scholz betont in ihrer Arbeit sehr stark die aktive, emotionale und räumliche Entlastung des Hundes durch den Menschen.

Eigeninitiative der Ranghöheren: Wenn du als führendes Gruppenmitglied wartest, bis der Hund sich den Ausgleich holt (z. B. Elisa, die kontrolliert, wer wie viel Aufmerksamkeit kriegt oder wer wo liegen darf), agierst du nur reaktiv. Der Hund übernimmt die Regie.

Agieren nach deinen Bedingungen: Scholz verlangt, dass der Mensch die Ressourcen (Raum, Aufmerksamkeit, Futter, Schutz) proaktiv und agierend verteilt. Nicht als Willkür oder Bestrafung, sondern als aktives Gestalten von Werten und Ruhe.”
 
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SandrA
heute 09:20
Sehr spannend ☺️ich musste beim Lesen des Artikels an unsere Hundegruppe denken.

Dort beobachte ich durchaus, dass Hunde, die zunächst überwiegend forsch oder übermäßig kontrollierend auftreten, von anderen Hunden eher „abgelehnt“ oder gemieden werden. Das könnte man durchaus als eine Art “soziale Kosten” verstehen - allerdings ja nur dann, wenn diese Hunde eigentlich Kontakt oder Spiel suchen und sich erstmal zu ungeschickt oder unsicher in der Kontaktherstellung verhalten. Manche passen ihr Verhalten mit der Zeit tatsächlich an und werden in ihren Annäherungen deutlich adäquater.

Bei meinem Rüden ist es allerdings anders. Sein Verhalten dient in vielen Situationen ja gar nicht dazu, in Kontakt zu treten und sei es um andere Hunde zu kontrollieren, sondern ganz im Gegenteil möchte er überwiegend Distanz herstellen. Wenn andere Hunde ihn dann meiden, erreicht er ja zunächst genau das, was er wollte. Das wären für ihn also eher keine soziale Kosten sondern eher ein individueller Nutzen.

Spannend wird es, wenn er selbst Kontakt möchte. Bei Hunden, die er kennt und mag, zeigt er ein völlig anderes Verhalten: verspielt, albern wenn auch hier und da etwas grobschlächtig. Manche Hunde können damit nichts anfangen und gehen auf Abstand, andere kommen damit sehr gut zurecht - insbesondere unsere Hündin, mit der er zusammenlebt.

Deshalb frage ich mich, ob man bei “sozialen Kosten” nicht immer auch berücksichtigen muss, welchen Wert der jeweilige Sozialkontakt für das Individuum überhaupt hat. Mein Eindruck ist, dass Neo gar nicht das Ziel hat, von möglichst vielen Hunden gemocht zu werden. Wird er von einem Hund abgelehnt, reagiert er Schulterzuckend nach dem Motto: “Pfff, gut, dann eben nicht.” Er orientiert sich dann wieder an mir oder beschäftigt sich mit etwas anderem. Sein eigentlich intensives Sozialverhalten zeigt er ohnehin nur gegenüber wenigen, vertrauten Hunden.

Vielleicht hängt die Wirkung solcher Ausgleichsmechanismen also nicht nur vom Verhalten der Gruppe ab, sondern auch davon, welche Bedeutung einzelne Sozialpartner oder die Gruppe insgesamt für das jeweilige Individuum haben. Insofern sagt das Ausgleichsverhalten vielleicht nicht nur etwas über den „Sanktionierenden“ aus, sondern auch darüber, welchen sozialen Wert die Beziehung für denjenigen hat, der sie erfährt.