Danke für den Tipp! Da es da echt viele Ansätze gibt bin ich mir natürlich unsicher was es sein könnte. Könnte auch ein Trauma sein tatsächlich. Als wir sie adoptiert haben, war sie eine Woche in Österreich und davor in Bulgarien. Man weiß nicht, was dort mit ihr passiert ist.
Sie war schon von Anfang an so bei äußeren Reizen. Mit der Zeit hat es sich im vergleich zu vor 4 Jahren schon bereits drastisch verbessert. Früher hat komplett den Schwanz eingezogen, extrem gezittert und komplett Panik gehabt. Jetzt ist das in den meisten Situationen Gottseidank schon weg. Aber wir haben immer noch einige Baustellen, wie z.B. das sie teils nicht ansprechbar ist weil sie dann wirklich nur diesen Reiz wahrnimmt. Und viele Sachen überfordern sie, auch wenn wir das schon zig mal gemacht haben. Ich wünsch mir wirklich, dass es irgendwann so besser wird, dass sie auf mich reagieren kann und nicht bei jedem Geräusch irgendwas ist.
Danke auf jeden Fall für den buchvorschlag! Beide klingen wirklich extrem interessant, und ich bin mir sicher, dass da etwas dabei sein wird 😄
Wo siehst du den Unterschied zwischen freeze und dissoziativem Zustand?
Bei nem Freeze/ Shutdown bekommst du noch alles mit, bist aber nicht handlungsfähig eben wie eingefroren.
Bei Disso muss man unterscheiden.
Dauerhafte Disso ist man nie so ganz "da", bei nem Disso Anfall (da gibts verschiedene Arten) tritt man weg und bekommt nichts mehr mit.
Ich hab zb zum einen dauerhafte Disso und den sogenannten Stupor.
Dabei frier ich ein, krieg nix mehr mit und auf Berührung reagiert mein Körper abwährend.
Andere Menschen können meinen Anfall nicht erkennen weshalb mein Assistenzhund für mich umso wichtiger ist mich davor zu schützen.
Man ist nicht ansprechbar und reagiert eben nicht, starrt ins Leere.
Dann gibts noch die Krampfanfall Disso, das hat meine eine Schwester.
Dabei kippt man um und krampft, zuckt und rudert mit Armen und Beinen.
Sieht aus wie ein epileptischer Anfall, ist im Gegensatz zu meinem nach außen sichtbar.
Man ist auch da nicht ansprechbar und nicht handlungsfähig und bekommt in dem Moment nix mit.
Es ist verschieden was einem in so Situationen hilft.
Meist aber etwas comfortendes.
Etwas was Sicherheit und Wohlgefühl gibt oder ein starker Reiz.
Bei Menschen nutzt man oft Ammoniak Stäbchen und hält die unter die Nase, das ist so ein starker Reiz und stinkt so widerlich das es einen zurückholt.
Das aber bitte NICHT beim Hund machen, das ist viel zu stark für die empfindliche Nase und kann die Riechzellen schädigen.
Bei mir helfen zb comfortende Sachen, eben Rocket mit seinen Kontaktaufgaben -> Taktile starke Reize oder Düfte die mich wohlfühlen lassen.
Ich hab da auch zb ein Duftölträger Armband oder Kette.
Mit der Kette kannst du einen Duft dauerhaft bei dir tragen der dich beruhigt/ angenehm ist und mit dem Armband eben punktuell wenn ich merke das ich was brauche.
Bei meiner Schwester zb hilfts ihr Chuck Norris Witze zu erzählen, die liebt sie und die comforten sie wohl gut.🤷🏼♀️
Jap, ich hab damals auch blöd geguckt als meine Schwester umkippte und krampfend am Boden lag und meine Mum sagte ich solle Chuck Norris Witze googlen und vorlesen.
Ich kam mir SO dumm vor.😭🤣
Aber es half sie wieder in der Realität zu ankern und sie kam langsam zu sich.
Auf jeden Fall um es nochmal besser verständlich zu machen mit der Disso hab ich da immer so eine Metapher.
Also erstmal, normalerweise wenn du eine Situation erlebst nimmt das Gehirn verschiedene Reize (sehen, riechen, schmecken, taktiles Fühlen, hören) war und die werden verbunden.
Nur so kann es die Situation gut abspeichern und zuordnen.
Wenn dir ein Trauma passiert wird das alles zerrissen.
Das Gehirn kann die Situation nicht verarbeiten und nicht ins Archiv ablegen.
Es bleibt also unverarbeitet aktuell.
Dabei werden random Sachen verknüpft aber es fehlen Puzzleteile um es wegpacken zu können.
Deswegen entstehen dann eben auch diese Trigger, zb ein bestimmter Geruch, Geräusch, jemand der wie jemand aussieht der dich traumatisiert hat oder oder oder.
Du nimmst das wahr und zack durchlebst du diese Trauma Situation wieder.
Das ist extrem anstrengend, weshalb man danach auch übelst geschlaucht ist.
Wenn du Pech hast hast du nicht nur diese Trigger sondern dein Nervensystem hängt dauerhaft in dem Alarmmodus fest was langfristig auch sehr erschöpft, die sogenannte PTBS.
Alles was wir erleben wird auch im Körper abgespeichert weshalb man dabei oft auch Psychosomatische Symptome bekommt.
Ich schweife ab, das war jetzt nur grob wie das mit Trauma eben funktioniert damit wir zu meiner Metapher kommen können.🙊
Du kannst dir das Gehirn quasi wie einen Stromkasten vorstellen.
Bei einem Trauma fliegt die komplette Sicherung raus, Schutzmodus für die überforderte Psyche - du dissoziierst.
Nachträglich gibts dann dauerhafte Disso Zustände, das ist wie wenn in diesem Sicherungskasten immer irgendeine Sicherung draußen ist oder auch mal mehrere.
Diese einzelnen Sicherungen sind für alles was du wahrnimmst, schmecken, hören, sehen, fühlen...
Du erlebst nicht wirklich Situationen und sie können schlecht abgespeichert werden weshalb man sich dann oft auch nicht oder schlecht dran erinnert.
Ich sag immer ich fühl mich als ob ich an nem Schaufenster stehe, ich seh es aber es kommt nicht an mich ran, ist iwie nicht wirklich greifbar.
Ich weiß zb ich müsste mich jetzt freuen oder so aber iwie komm ich da nicht dran.
Bei einem dissoziativem Anfall ist es wiederum so das alle diese Sicherungen rausspringen und du garnichts mitbekommst.
Das ist wenn das System dann komplett überfordert ist.
Allerdings passieren Shutdowns und Dissos nicht nur bei Trauma sondern können auch sein wenn man als Autist/ ADHSler / AuDHDler einfach völlig überfordert / reizüberflutet ist.
Wir nehmen viel mehr Reize auf einmal wahr wodurch wir an dieser schieren Reizflut heutzutage oft einfach völlig überfordert sind.
Man kann trainieren bis zu nem gewissen Grad das man besser filtert was wichtig ist und was nicht und anderes ausschaltet, ansonsten eben auch seinen Alltag managen das du dir nicht zu viel (Reize) vornimmst und danach immer ordentlich ne Reizpause gönnst (zb nen Tag wo du nix machst) um dich zu regenerieren.
Beim Hund ist das nicht anders.
Struktur hilft sehr, heißt aber auch nicht das man um punkt so und so viel Uhr dies und das machen muss (außer bei sehr extremen Fällen was aber eher seltener der Fall ist), es langt meist wenn du einfach ne grobe Struktur hast und vorallem feste Rituale.
Das Problem ist wenn du alles ganz genau durchplanst musst du es auch immer einhalten weils den Hund sonst extrem stresst.
Hatte Martin Rütter auch mal iwo erklärt.