Also ehrlich jetzt … …meine Menschen hatten beschlossen, ans Meer zu fahren. Am Freitag ging’s los. Acht Stunden später standen wir auf einem Stellplatz und ich war überzeugt, wir wären angekommen. Offenbar war das nur ein Vorspiel. Am nächsten Morgen fuhren wir nämlich schon wieder los. Irgendetwas namens Obelink war wichtiger als ich. Dort holten sie ein neues Vorzelt. Warum man dafür zuerst so weit fahren muss, habe ich bis heute nicht verstanden. Irgendwann kamen wir endlich in Sint Maartenszee an. Kaum standen wir auf dem Campingplatz, bekam ich sogar ein Willkommensgeschenk. Einen Ball fand ich grossartig, der Kauartikel war ebenfalls eine gute Idee und bei den Kackibeuteln bin ich mir bis heute nicht sicher, wer sich darüber eigentlich freuen soll. Danach begann das Schauspiel mit dem neuen Vorzelt. Ich setzte mich in sicherer Entfernung hin und beobachtete das Ganze. Am Anfang sah alles noch ziemlich organisiert aus. Nach einer Weile liefen meine Menschen mit irgendwelchen Schläuchen herum, pumpten Luft hinein, liessen sie wieder heraus, schauten sich fragend an und verschwanden zwischendurch komplett unter dem Zelt. Ehrlich gesagt war ich kurz davor, Hilfe zu holen. Irgendwann stand das Ding dann tatsächlich. Ich hatte zwar keinen Anteil daran, aber irgendjemand musste schliesslich die Bauaufsicht übernehmen. Am nächsten Morgen öffnete sich die Tür, und schon auf dem Weg durch die Dünen wusste ich, dass dieser Ort anders war. Ich kam mit meiner Nase überhaupt nicht hinterher. Jeder Meter erzählte eine neue Geschichte. Hier war ein Kaninchen unterwegs gewesen, dort ein Vogel und irgendwo musste etwas leben, das ich unbedingt noch finden wollte. Meine Menschen behaupteten ständig, wir müssten weiter. Ich fand, wir waren bereits genau dort, wo wir sein sollten. Nach gefühlt hundert wichtigen Untersuchungen hörte ich plötzlich ein Rauschen. Noch ein paar Schritte, und dann lag sie vor mir. Die Nordsee. Ich blieb kurz stehen und schaute einfach nur. Dann dachte ich: Das kann unmöglich alles Wasser sein. Im nächsten Moment kam mir die erste Welle entgegen. Einfach so. Ohne Vorwarnung. Also sprang ich. Die Welle auch. Dann kam die nächste. Also sprang ich wieder. Und noch eine. Irgendwann hatte ich beschlossen, dass dieses Meer offensichtlich nur für mich gebaut worden war. Es schickte mir Welle um Welle entgegen, und ich erledigte sie alle. Zumindest fühlte es sich so an. Meine Menschen behaupten, ich hätte keine einzige erwischt. Ich bin da anderer Meinung. Die Möwen machten die Sache auch nicht einfacher. Die liefen seelenruhig am Strand herum, warteten, bis ich fast bei ihnen war, und flogen dann genau im richtigen Moment los. Das wiederholte sich den ganzen Morgen. Zufall? Ganz bestimmt nicht. Die haben einen Dienstplan. Ich bin sicher, irgendwo sitzt eine Obermöwe und teilt ein, wer heute für das Ärgern von Hunden zuständig ist. Überhaupt passierte am Strand viel zu viel gleichzeitig. Überall roch es nach etwas anderem. Mal lag ein Stück Holz herum, das untersucht werden musste, dann wieder Muscheln, Tang oder Dinge, die das Meer angespült hatte. Ich wusste manchmal gar nicht, ob ich zuerst schnüffeln, rennen, springen oder den Möwen hinterher sollte. Also machte ich einfach alles gleichzeitig. Meine Menschen meinten nach einer Stunde, ich müsste langsam müde sein. Ehrlich gesagt hatte ich gerade erst verstanden, wie das Meer funktioniert. Sie stellten mir sogar einen Napf mit frischem Wasser hin. Mitten am Strand. Ich schaute den Napf an, dann die Wellen und danach wieder den Napf. Ernsthaft? Vor mir tobte die Nordsee, überall passierte etwas und sie dachten ans Trinken? Dafür war später noch Zeit. Und tatsächlich. Kaum waren wir wieder auf dem Campingplatz, leerte ich zwei Wassernäpfe fast in einem Zug. Meine Menschen schauten mich an, als wäre das merkwürdig. Dabei ist das völlig logisch. Am Strand hat man Wichtigeres zu tun. Es gibt allerdings einen Teil des Tages, den ich bis heute nicht akzeptiere. Sobald wir vom Strand zurückkommen, laufen wir immer in dieselbe Richtung. Ich erkenne den Weg inzwischen sofort und versuche automatisch, langsamer zu werden. Leider funktioniert das nicht. Am Ende stehe ich jedes Mal vor dieser Hundedusche. Meine Menschen behaupten, der ganze Sand müsse wieder aus meinem Fell. Aber warum denn? Ich habe über eine Stunde gearbeitet, um ihn möglichst gleichmässig zu verteilen. Das war keine Unordnung, das war Präzisionsarbeit. Trotzdem wird alles wieder abgespült. Ich protestiere jedes Mal. Bisher leider ohne Erfolg. Warum gehen wir eigentlich nur morgens und abends an den Strand? Das Meer ist doch den ganzen Tag dort. Die Wellen machen schliesslich auch keine Mittagspause. Und die Möwen nutzen jede Minute, in der ich nicht da bin. Irgendjemand muss doch kontrollieren, was die treiben. Ich habe meinen Menschen deshalb schon mehrfach gezeigt, wo der Weg durch die Dünen beginnt. Sie lächeln dann immer und sagen: «Später, Nuka.» Ich glaube, sie haben noch nicht verstanden, dass die Nordsee ohne mich völlig unbewacht ist.🐾🐾🐾


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