Ich sehe das Problem vor allem bei den Hilfesuchenden, die sich hier im Forum melden.
Man kann ja eigentlich davon ausgehen, dass ein Mensch, der schon einige Jahre auf dieser Erde wandelt, durchaus mitbekommen hat, dass es Hundetrainer gibt und was die so generell treiben.
Wenn jemand hier um Rat fragt, gehe ich meistens davon aus, dass er eben gerade keinen seriösen oder vertrauenswürdigen Trainer an der Hand hat. Vielleicht sucht er auch einfach nur jemanden mit dem gleichen Problem.
Wenn dann einfach nur der „Trainer-Joker“ gezogen wird, ist das in diesem Moment eher frustrierend als hilfreich.
Im Optimalfall antwortet jemand, der das gleiche Problem hatte und eine echte Lösung anbieten kann. Richtig top wäre es natürlich, wenn derjenige die Lösung zusammen mit einem Trainer gefunden hat und dieser Trainer dann auch noch in der Nähe des Fragestellers aktiv ist. Das wäre echter Mehrwert.
Aber was macht eurer Meinung nach einen „guten Trainer“ eigentlich aus und woran erkennt man ihn? Das ist doch die spannende Frage.
Auch finanziell ist das ein riesiges Thema. Die Stundensätze gehen bei ca. 40 € los und wandern ganz schnell Richtung 100 € und weiter. Da macht man sich automatisch Gedanken, vor allem wenn man an schwarze Schafe gerät.
Ich hatte zum Beispiel den Fall, dass 70 € direkt zu Beginn bar auf die Hand gelegt und peinlichst genau nachgezählt werden mussten. Da fragt man sich doch: Wie soll ich eine Vertrauensbasis zu jemandem aufbauen, der scheinbar selbst niemandem vertraut und dir noch vor dem ersten relevanten Ansatz sämtliche buchbaren Pakete aufdrücken will?
Und wir reden hier nicht von irgendeinem Hinterhof-Trainer, sondern wie gesagt von einer renommierten Hundeschule, deren Gründerin mehrfach erfolgreich Bücher publiziert hat. Da erwartet man eigentlich Expertise, bekommt aber erst mal eine Verkaufsveranstaltung.
Man muss sich einfach eines klar machen: Es ist nun mal Fakt, dass Hundeschulen oder Trainer in erster Linie aus kommerziellen Gründen ihre Dienste anbieten. Das gilt für die guten wie für die schlechten gleichermaßen. Am Ende des Tages ist es ein Business. Wenn das Geschäftliche aber so massiv im Vordergrund steht, dass der Hund und der verzweifelte Halter nur noch als Kunde für die nächsten 10er-Karten gesehen werden, bleibt die individuelle Hilfe auf der Strecke. Man zahlt dann für einen großen Namen und ein Marketing-Konzept, aber nicht zwangsläufig für eine Lösung, die im Alltag mit dem eigenen Tier auch wirklich funktioniert.
Würdet ihr im Falle eines Falles überhaupt noch von selbst auf die Idee kommen, einen Trainer in Anspruch zu nehmen?
Ich kann deine Gedanken nachvollziehen. Das Problem ist aber auch, dass viele Menschen nunmal glauben, ein toller Internetauftritt, ein nobles Trainer Auto, ein voll ausgestatteter Platz mit großem, teuren Banner und ein voller Parkplatz müssten eine tolle Hundeschule auszeichnen. Wenn du überhaupt kein Interesse an Marketing, Social Media und "Status" hast, sondern einfach nur deinen Job liebst und deshalb sogar auch geringere Preise hast, wirst du als Trainer schnell als unprofessionell abgestempelt.
Ich erlebe es auch immer wieder, dass Leute eine professionelle (vom Veterinäramt abgenommene und gewerbliche) Hundebetreuung ablehnen, mit der Begründung, sie wollten jemanden, der es wegen des Hundes und nicht wegen des Geldes tut. Kann ich einerseits auch nachvollziehen, andererseits muss man sich schon fragen, ob da nicht vielleicht doch mehr Leidenschaft als finanzielles Interesse dahinter steht, wenn man überlegt, wieviel Geld nach Abzug von Steuern, Versicherungen, Weiterbildungen, um die Lizenz nicht zu verlieren usw. noch über bleibt und ob man sich dafür vorstellen kann, Hygienepläne abzuarbeiten, ständige Dokumentationen zu gewährleisten, mal ganz abgesehen davon, wieviel Arbeit Hunde bei z. B. schlechtem Wetter usw. machen.
Ich habe auch oft das Gefühl, die Erwartungen an Hundetraining sind viel zu hoch. Ein Trainer kommt, man übt drei Wochen etwas und schon ist die Welt in Ordnung. Dass das Wochen, oft sogar Monate harte Arbeit an sich selbst bedeutet, verstehen viele Menschen noch gar nicht richtig. Wenn ich eine Verhaltenstherapie mache, dann mache ich die, und nicht der Therapeut. Macht mein Hund eine, muss ich die mit ihm durchziehen, nicht der Trainer. Und ich muss zuhören können und bereit sein, mir auch unschöne Wahrheiten anzuhören.
Das Problemverhalten von Hunden hat oft mit dem Verhalten und auch der Persönlichkeit des Halters zu tun, was ein unendliches Feingefühl im Kennenlernen voraussetzt. Da sind Konflikte vorprogrammiert, und das ist auch für Trainer manchmal belastend, die am Ende auch immer nur Menschen sind und sicher diesen Beruf nicht gewählt haben, weil sie schnell und unkompliziert reich werden wollten.
Und dass manche Trainer Vorkasse abrechnen liegt sicher daran, dass sie manchmal höchst dringend bestellt und dann nicht herein gelassen werden. Anschließendes Ghosting eingeschlossen 🫣