Das Beispiel Leinenaggression ist ein total gutes Beispiel. Wieviel Prozent der hier anwesenden Mitglieder können wohl, wenn sie einen pöbelnden Hund sehen, nur anhand dessen Körpersprache zutreffend beurteilen, warum dieser Hund gerade pöbelt?
Nun werden hier seltenst Videos des Problemverhaltens eingestellt.
Wir haben also nur eine geschriebe Beschreibung. Nun dreht der Hund höchst aggressiv anmutend am Rad. Es kommen Empfehlungen, das Pöbeln mit einem Schreck abzubrechen. Ein anderer rät, an Social Walks teilzunehmen. Ein weiterer hat gute Erfahrungen mit einem Aufmerksamkeitssignal gemacht, ein vom Rat zum Abbruch des Verhaltens total geschocktes Mitglied hebt den Stress des Hundes hervor und empfiehlt unbedingt, den Abstand zu vergrößern und Bögen zu laufen.
Ein konsultierter Hundetrainer sieht den Frust des Hundes und bringt ihn in Kontakt mit einem gut sozialisierten, ihm bekannten Hund. Und siehe da, der Pöbler ist sehr sozial und freut sich riesig über den Kontakt. Es kommt zu einem lauten, heftig anmutenden Spiel, die Hunde zeigen verrückte Spielgesichter, knurren und fallen übereinander her.
Der Trainer rät ihm, dem Hund mehr Kontakt zu Artgenossen zu ermöglichen und dann daran zu arbeiten, dass sein Hund Frust besser aushalten kann und schlägt ihm vor, regelmäßig an Gruppenspaziegängen teilzunehmen, in denen genau das geübt und das Bedürfnis nach freiem Kontakt zu Artgenossen befriedigt wird.
Der Hundehalter hat unbewusst innerlich große Angst vor der innerartlichen Interaktion von Hunden. Er kann die Körpersprache nicht lesen, findet sowieso wildes, lautes Verhalten total unangemessen, sein Hund soll doch brav sein und sich so verhalten, wie er es sich vorstellt. Er soll in Hundebegegnungen nicht aufgeregt sein, am besten auch keinen Kontakt haben, den er als Mensch ja einfach nicht einschätzen kann. Und das, was der Trainer Spiel nennt, kann ja gar keins sein, fremde Hunde spielen ja nicht, hat er oft genug gelesen.
Also erinnert er sich an den Tipp aus dem Forum, sein Hund habe Stress und müsse mehr Abstand zu Hunden bekommen. Am besten erst gar keinen Sichtungen mehr, weil er ja dabei Stress hat und Stress ist ja nie gut, das hat er oft gelesen. Das bestätigt seine Wahrnehmung aus seinem unsicheren, emotional nicht ganz stabilen, mit Hunden noch ziemlich unerfahrenen Charakter heraus.
Also ist der Trainer einfach scheiße, er empfiehlt ja genau das Gegenteil von dem, was der Halter sich vorgestellt und gewünscht hat, und nun will er ihm auch noch ein Abo für geführte Gruppenspaziegänge anbieten, also ist der doch auch noch geldgeil!
Ende vom Lied: Mensch macht, was er für richtig hält und der Hund lernt vielleicht, nicht mehr zu bellen, wird aber für den Rest seines Lebens um etwas für ihn sehr wichtiges beraubt.
So kann's laufen 😏
Menschen sind einfach tausendfach komplizierter als Hunde.
Das ist ein richtig gutes Beispiel.
Ich interpretiere mal für mich:
Dafür wie schnell Missverständnisse entstehen können wenn man den Hund nicht richtig liest,
dafür wie auch gut gemeinte Ratschläge beeinflussen können und dafür das es nie schaden kann einen Trainer in Anspruch zu nehmen.
Schön das du dir so viel Mühe gemacht hast es noch mal deutlich zu machen 🤗