Wir hatten genau das gleiche Problem wie ihr und alle haben uns geraten, dem Hund zu zeigen „Wer hier der Boss ist“. Ich kann euch nur eines raten: Tut das auf keinen Fall, das macht alles nur noch schlimmer.
Uns hat damals zum Glück unser Züchter den Kopf gewaschen und da bin ich so froh drum. Ich lasse euch nun die gleichen Denkanstöße da, wie er uns damals:
Wollt ihr wirklich „der Boss“ sein oder der verlässliche Partner eures Hundes?
Würdet ihr einen Chef mögen, der ständig nur schimpft, euch alles wegnimmt, euch keine klaren Anweisungen gibt? Euch stundenlang keine Aufgabe gibt mit dem Motto „Das musst du halt auch mal lernen, dass wir anderen alle wissen, was zu tun ist und du keinen Schimmer hast“.
Ist es wirklich fair von einem Drittklässler zu verlangen, dass er Abitur schreibt? Wenn das 1+1 noch nicht funktioniert, braucht man auch gar nicht erst mit dem 1x1 anfangen und den Hund zusammenstauchen, dass er das auch nicht hinbekommt.
Wie soll euer Hund denn locker und gelöst sein, wenn er in euren Augen alles falsch macht?
Ganz ehrlich? Ihr verbietet eurem Hund doch alles, was Spaß macht, kein Wunder ist der Kleine total frustriert.
Ich rate euch: Nehmt den Druck raus. Geht auf freie Flächen, wo der Kleine mal ordentlich flitzen kann (ohne Leine oder mit Schleppleine, wenn er gar nicht hört), spielt mit ihm (wenn er zu wild wird beim Rangeln und Zergeln, dann macht halt Such- und Apportierspiele oder wechselt das wilde Spiel mit ruhigem Spiel ab und beendet die Spieleinheit nach dem ruhigen Spiel).
Wenn er noch keine 5 Minuten stoisch herumliegen kann, dann probiert es doch erstmal 30 Sekunden und lobt das ganz doll, wenn das funktioniert.
Zeigt ihm ein Leckerli in der Handfläche und sobald er sich es nehmen will, macht ihr die Hand zu, wartet bis er sich zurücknimmt und dann kriegt er es sofort.
Vor allem: Beobachtet euren Hund. Warum habt ihr euch diesen Hund ausgesucht? Was kann er gut? Was liebt ihr an ihm? Warum tut er das, was er tut? (Nein, Hunde tun nichts, um den Menschen zu ärgern oder „Grenzen auszutesten“).
Euer Hund spürt das, ob ihr ihn liebt und ihr seid gerade auf der Autobahn mit 200 km/h dabei, euch eure Bindung zum Hund komplett kaputt zu machen.
Ein Hund wird euch nur folgen, wenn ihr eine Bindung habt und die entsteht vorwiegend natürlich durch positive Interaktionen. Klar gehören da auch Regeln dazu, aber nur Regeln, die Sinn machen und der Hund auch befolgen kann.
Wenn eure Beziehung besser wird, wird er euch auch nicht mehr ausflippen.
Bis dahin solltet ihr daheim sofort den Raum verlassen, wenn er das tut (Jegliche Interaktion - auch Strafe - verstärkt das Verhalten nur). Geht erst wieder rein, wenn er sich beruhigt hat.
Und draußen macht ihr bitte erstmal nur kleine Runden mit ganz vielen Dingen, die eurem Hund Spaß machen. Lobt ihn, spielt mit ihm, gebt ihm Sachen zum Kauen, zum Kaputtmachen, zum Zerreissen. Gebt ihm Aufgaben und entdeckt die Welt zusammen. Ihr wollt doch Spaß haben mit ihm, oder nicht?
Und wenn er mit 22 Wochen noch nicht perfekt hört? So what! Ihr sollt in der Welpenzeit Grundlagen lernen, d.h. der Hund sollte mal gehört haben, was ein Rückruf ist und dass es immer ganz toll ist, wenn man zum Menschen zurückkommt. Der soll nicht sofort Astronaut, Arzt oder Anwalt werden. 😅 Dafür habt ihr noch 13 weitere Jahre Zeit, also gebt die euch und dem Hund bitte auch.