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Claudi
Einleitungs-Beitrag
Anzahl der Antworten 27
zuletzt 23. Feb.

Alleine Bleiben

Hey zusammen, ich brauche dringend Rat, weil ich mit meinem Hund an meine Grenzen komme. Ich habe einen fast sieben Jahre alten Mischling, den ich mit etwa sieben Wochen gerettet habe. Seit Beginn habe ich ein großes Problem mit dem Alleinbleiben. Wir sind es sehr ruhig angegangen. Nach vier Wochen gemeinsamen Lebens haben wir das Alleinbleiben in winzigen Schritten aufgebaut wirklich im Sekundenbereich. Zuerst haben wir die Grundkommandos gefestigt: Sitz, Platz, Bleib. Danach haben wir geübt, dass er auf seiner Decke bleibt. Das klappt gut. Auch Impulskontrolle funktioniert super. Beim Alleinbleiben sind wir so vorgegangen, dass ich die Tür kurz öffne und schließe, bis er es länger aushält. Später haben wir Schlüsselreize eingebaut wie Jacke anziehen, Schlüssel nehmen, mich hinsetzen und nichts tun, bis er sich beruhigt. Er konnte inzwischen sogar länger alleine bleiben. Dann hatte ich einen Unfall und musste ins Krankenhaus. Er war zu diesem Zeitpunkt drei Jahre alt und ab da ging gar nichts mehr. Danach ist sein Hundekumpel verstorben und schließlich auch eine wichtige Person in der Familie. Seitdem klammert er extrem, fängt an zu zittern, sabbert und schreit wie ein kleines Kind. Die Nachbarn haben sich bereits beschwert. Ich hatte inzwischen fünf verschiedene Hundetrainer. Der letzte hat mich zum Tierarzt geschickt, der uns Tabletten gegen den Stress gegeben hat aber die haben keine Wirkung gezeigt und geholfen hat mir dort auch niemand weiter. Eine Hundeverhaltenstherapie hatten wir ebenfalls. Dort wurde mir gesagt, die Auslöser seien die Verluste und er würde Panikattacken bekommen. Es gehe schon über normale Trennungsangst hinaus. Man riet mir, einen Hundesitter zu organisieren oder jemanden, der ihn für ein paar Stunden nimmt. Das Problem ist: Es gibt niemanden, der meinen „Feldwebel“ betreuen möchte, und Sitter gibt es in meiner Nähe nicht. Deshalb hoffe ich jetzt auf eure guten Tipps und Ratschläge Durch die schwierige Situation habe ich momentan auch keine Arbeit und suche eine passende Stelle, wo ich ihn mitnehmen könnte. LG
 
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Claudi
20. Feb. 17:21
Hallo Claudi, ich habe auch das Problem dass mein Hund das ganze Haus zusammenschreit und meinen 2. Hund damit angesteckt hat. Auch so sind beide auf mich bezogen, somit käme auch niemand in Frage der sich um sie kümmern könnte, nicht mal mein Mann. Vor einer Woche habe ich dieses Teil Relaxopad (Fressnapf) gesehen. Damit kann man gut üben, dass die Hunde zur Ruhe kommen. Das Teil ist nicht gerade billig und man muss es wirklich richtig üben, damit es Sinn macht. Ich mache das jetzt seit 4 Tagen Mittags 1/2 Stunde und sie kommt zur Ruhe. Nächste Woche probiere ich dann das alleine bleiben mit diesem Teil.
Da werde ich mal nachschauen und meine Trainer nachfragen, wie man das am besten einsetzt. Danke!
 
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Claudi
20. Feb. 17:24
Du hast wahrscheinlich bereits viele Hundetrainer_innen kontaktiert. Aber hast du es auch schon mit Hundeschule Rütter probiert? Ich weiß, da streiten sich die Geister Aber ich halte viel von seinen Trainingsmethoden. Und man sieht es ja an den Erfolgen der Leute, die auch ernsthaft mit ihren Hunden arbeiten.
Ja, die Überlegung war schon da, bin auch noch am Überlegen.
 
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Claudi
20. Feb. 17:54
Wenn ich den Raum verlasse, ist noch alles super, solange er mich hört. Er schaut aber immer zur Tür und lauscht, also fährt er nicht runter.

Er liegt viel auf dem Sofa, aber am anderen Ende. Er schläft aber auch ganz gerne in seinem Hundebett, und gekuschelt wird nur, wenn ich es erlaube. Damit haben wir auch das Klammern im Haus gut unter Kontrolle bekommen. Ich kann mich auch umsetzen, er schaut dann nur, was ich mache, und legt dann wieder den Kopf ab.
 
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𝐒𝐡𝐞𝐥𝐥𝐲 &
20. Feb. 23:50
das klingt wirklich nach einer sehr belastenden Situation für dich genauso wie für deinen Hund. Man merkt, wie viel Mühe und Zeit du von Anfang an investiert hast. Dass es nach deinem Krankenhausaufenthalt und den weiteren Verlusten komplett gekippt ist, passt leider sehr zu dem, was man bei traumatisch erlebter Trennung oder Verlustangst sieht.
Wenn er zittert, sabbert und schreit, sprechen wir tatsächlich eher von massiver Panik als von „nicht gelerntem Alleinbleiben“. In so einem Zustand ist Training kaum möglich, weil er physiologisch im Ausnahmezustand ist. Da geht es nicht um Ungehorsam oder fehlende Impulskontrolle, sondern um echte Angst.

Wichtig wäre aus meiner Sicht:
Kein weiteres „Üben“ über die Stressgrenze hinaus. Jede Panikerfahrung festigt das Problem neurologisch.Falls Medikamente bisher wirkungslos waren: Es gibt unterschiedliche Wirkstoffe und Dosierungen manchmal braucht es eine Anpassung oder Kombination (das sollte idealerweise ein verhaltenstherapeutisch arbeitender Tierarzt begleiten).
Parallel dazu ein wirklich kleinschrittiger Neuaufbau, aber nur in einem Bereich, in dem er noch entspannt bleibt (z. B. Tür nur anfassen, ohne sie zu öffnen, etc.).
Langfristig ist Management im Moment genauso wichtig wie Training. Wenn er tatsächlich Panikattacken hat, ist ein vorübergehendes „Nicht-alleine-lassen“ keine Kapitulation, sondern Schutz für sein Nervensystem.
Vielleicht wäre auch zu prüfen:
Kann er alleine bleiben, wenn eine zweite Bezugsperson im Haus ist?
Reagiert er genauso, wenn du nur in einem anderen Raum bist?
Hilft ihm ein klar abgegrenzter, kleiner Bereich mehr als die ganze Wohnung?
Dass du aktuell nach einer Stelle suchst, wo er mitkommen kann, ist absolut nachvollziehbar und in eurer Situation vermutlich die stressärmste Übergangslösung.
Du stehst damit nicht allein solche massiven Rückschritte nach Verlusten gibt es leider. Es ist kein Zeichen von Versagen, sondern ein Hinweis darauf, wie stark ihn diese Ereignisse getroffen haben.

Ich wünsche dir viel Kraft und dass ihr einen Weg findet, der euch beiden wieder Sicherheit gibt.
 
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The In
21. Feb. 08:21
Wenn ich den Raum verlasse, ist noch alles super, solange er mich hört. Er schaut aber immer zur Tür und lauscht, also fährt er nicht runter. Er liegt viel auf dem Sofa, aber am anderen Ende. Er schläft aber auch ganz gerne in seinem Hundebett, und gekuschelt wird nur, wenn ich es erlaube. Damit haben wir auch das Klammern im Haus gut unter Kontrolle bekommen. Ich kann mich auch umsetzen, er schaut dann nur, was ich mache, und legt dann wieder den Kopf ab.
Ok, aber wenn er lauscht und schaut, ohne ganz hochzufahren, ist das ein Anfang.
Also einmal durchatmen und lächeln, DAS kann er 😊
Ich will nicht behaupten dass wir hier die gleiche Situation hatten, aber ich hab auch so anfangen (müssen), dass er erstmal in einem anderen Raum alleine bleibt, während er mich noch in der Wohnung hört. Und dass regelmäßig und auch längere Zeit. Am Anfang bin ich natürlich ständig rein und hab pseudo wichtige Sachen gemacht wie einen Socken von a nach b tragen. Wichtig war hier, kein Lob, keine Ansprache, nichtmal angucken. Wir üben hier nichts, du bist hier, ich geh raus, alles ist völlig normal. Manchmal hab ich absichtlich laute Sachen wie Hausarbeit gemacht, manchmal leise Sachen wie Lesen. Manchmal hab ich mir Mühe gegeben, dass er nichts hört. Ziel war erstmal nur lernen "alleine" ist nicht schlimm, in diesem Raum (bei uns das Schlafzimmer) ist nicht schlimm.
Vielleicht ist das für euch ja auch erstmal ein allererster Schritt. Und erst wenn das wirklich klappt, und er runterfährt und auch mal Phasenweise schläft (er muss nicht komplett durchpennen) dann kannst du überlegen Schlüsselreize wie das Geräusch der Haustür, des Jacke anziehens etc auszutesten.
Mir hat hier geholfen, ihn per Videokamera beobachten zu können, um sehen zu können, wie geht's ihm damit, aber ohne, dass ich ihn "angucke" weil das für ihn ja wieder Kommunikation ist.
Ich hab dafür auch kein Geld ausgegeben, es gibt die Alfred App (voll mit Werbung aber man gewöhnt sich dran), wenn du noch ein zweites altes Smartphone hast. Und, du kannst sogar dadurch mit ihm sprechen. Ich weiß, einige Hunde verunsichert das total, aber ich war selber überrascht, meinem hilft das total, ausprobieren schadet nicht.
Ich drücke euch die Daumen 🍀
 
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Sonja mit
23. Feb. 07:21
Ich hatte Erfolg mit dem F.R.I.D.A Kurs. Allerdings habe ich statt einem halben Jahr eher 1,5 Jahre gebraucht. Meiner war aber auch ein schwieriger Fall 😉
Darf ich fragen, was der F.r.i.d.a Kurs kostet? Lieben Dank
 
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Birgit
23. Feb. 08:17
Darf ich fragen, was der F.r.i.d.a Kurs kostet? Lieben Dank
Das war nicht billig. Soweit ich mich erinnern kann, zwischen 300-400 Euro.
Wenn man es nicht in dem halben Jahr erfolgreich schafft, kann man wesentlich günstiger eine Verlängerung buchen.
Man wird stark begleitet und angeleitet.