@Katrin:
Ich glaube, du beantwortest noch immer eine andere Frage als die, die ich stelle. 😉
Ich rede nicht davon, dass ein BC in einer Wohnung gestresst ist, weil sein Halter ihn dreimal um den Park führt. Und ich rede auch nicht davon, dass ein schlechter Züchter einen wesensschwachen Hund produziert.
Mein Punkt ist viel grundsätzlicher; nämlich wann ein Verhalten selbst zum Zuchtproblem wird.
Also wenn man eine ursprünglich sinnvolle Eigenschaft, wie Arbeitsmotivation, Reaktivität, Menschenbezogenheit, Jagdverhalten, Erregbarkeit etc., durch Selektion so weit verstärkt, dass die Ausprägung für den Hund selbst zur Belastung wird.
Wenn das so ist, dann ist „der Halter muss den Hund eben richtig auslasten“ für mich keine Antwort auf die züchterische Frage.
Denn dann diskutieren wir nicht mehr darüber, ob der Halter dem Hund gerecht wird, sondern darüber, ob der Hund überhaupt noch in einem Ausmaß genetisch auf Leistung oder ein bestimmtes Verhalten selektiert werden sollte, das ein normales Leben außerhalb dieses ursprünglichen Arbeitskontextes so schwierig macht (und auch innerhalb des Kontextes Leid nicht ausgeschlossen ist).
Und deshalb trifft dein Satz „nicht der Hund oder der Züchter ist das Problem, sondern der Halter“ meinen Punkt nicht.
Der Halter kann einen ungeeigneten Hund für sein Leben auswählen. Aber der Züchter entscheidet, welche Eigenschaften in diesem Hund maximiert werden - und das teilweise bis ins Absurde
Wenn wir körperliche Merkmale bis ins Extreme züchten und der Hund darunter leidet, nennen wir das Qualzucht.
Warum sollte bei Verhalten grundsätzlich eine andere Logik gelten?
Wenn ein Merkmal züchterisch erzeugt oder immer weiter verstärkt wird und seine extreme Ausprägung für den Hund selbst zur Belastung wird, dann ist für mich genau diese züchterische Entscheidung das Problem und nicht erst der unfähige Halter danach.
Das ist mein Punkt. Nicht nur „falsche Haltung macht Hunde krank“ - bei sichtbaren QZ Merkmalen scheint das offensichtlich einfacher zu verstehen zu sein als bei augenscheinlich unsichtbaren wie dem Verhalten.