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Dogorama-Mitglied
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heute 15:46

"Wege zur Freundschaft" (Ulli Reichmann)

Hallo ihr Lieben :) Ich habe kürzlich o.g. Buch verschlungen und gleich begeistert mit dem dort aufgeführten Training begonnen. Für alle, die es nicht kennen: Es geht darum gemeinsam mit seinem Hund die Welt zu entdecken und Spuren zu suchen etc.. Quasi ein Leitfaden, wie man dem Hund zeigt nicht mehr alleine jagen zu gehen, sondern voller Freude zu kooperieren. Ich bin nun unendlich begeistert, weil erste (auch unerwartete) Erfolge schon in wenigen Tagen sichtbar wurden und wollte nun mal fragen, ob noch jemand inspiriert von diesen Methoden mit seinem Hund die Welt erkundet? Würde mich über einen Erfahrungsaustausch unheimlich freuen! Liebe Grüße
 
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Katja
17. Apr. 19:12
Ja, ich dachte, dass er dann vielleicht alles vergisst und hinterher geht. Aber in der Zeit hier habe ich gemerkt, dass er trotzdem noch ansprechbar für mich ist. Neben dem Weg war es also gottseidank genauso. Er hätte ja auch leicht die Spuren oder Rehe verfolgen können. Dann hätte ich alleine da gestanden 😄 bisschen Risiko war schon... Er durfte aber immer schnüffeln, nur halt auf dem Weg.
Das finde ich so schön: man muss eben das Vertrauen haben und den Hund auch mal was machen lassen, um ihn wirklich zu verstehen! Das gehört einfach dazu…

Nur so weiß ich inzwischen , wann es doch vielleicht besser ist, denn doch mal die Leine dranzumachen: letztens war Polli auch auf Fährte, mal rechts vom Weg, mal links und dann auch über ne Wiese. Eigentlich kein Problem, aber ich hab gemerkt, wie sie sich sukzessive hochspult und hab dann doch lieber angeleint. Um die nächste Kurve hüpften dann direkt etliche Rehe direkt vor unserer Nase weg. Pollis Geduld war echt am Ende und sie war echt winselnd auf den Hinterbeinen!😳

Eigentlich kriegen wir sowas hin, aber hier war einfach der Grundlevel schon zu hoch. Gut, dass ich auf mein Bauchgefühl gehört hab… es war mir einfach schon auf der Wiese zu viel Energie im Spiel!
Aber sowas lernt man eben nur zu lesen, wenn man den Hund auch mal machen lässt und schaut, was passiert…😀
 
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Katja
17. Apr. 19:15
Könnte man meinen 😬 Hier sieht man den Rest des Körpers. Empfand ich als schönes Beispiel dafür, das der Blick auf ein einzelnes Körperteil allein verwirren kann ☺️ Du hast gut gesehen, dass sie sich nicht kurz oder besonders klein macht, wie man es bei Angst häufig sieht.
Jo, so hatte ich mir das in etwa vorgestellt!

Ich denke inzwischen aber schon, dass der Schwanz unten eher anzeigt „kenn ich nicht, könnte potentiell unheimlich sein!“.

Schön finde ich dann immer, wie der Schwanz sukzessive hoch geht, wenn die feststellen „ok, das könnte interessant werden und es besteht keine Gefahr“.
An der Stelle kann man dann natürlich auch viel Einfluss nehmen…🤗
 
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Kirsten
18. Apr. 06:13
Jo, so hatte ich mir das in etwa vorgestellt! Ich denke inzwischen aber schon, dass der Schwanz unten eher anzeigt „kenn ich nicht, könnte potentiell unheimlich sein!“. Schön finde ich dann immer, wie der Schwanz sukzessive hoch geht, wenn die feststellen „ok, das könnte interessant werden und es besteht keine Gefahr“. An der Stelle kann man dann natürlich auch viel Einfluss nehmen…🤗
Sie hat zuvor noch nie einen Nutria gesehen. Das sie das Tierchen nicht 100% einschätzen kann, mag ich gar nicht ausschließen.
Aber interessant war es von Anfang an, da braucht es bei Mira keine Überwindung.

Wir waren aber insgesamt zu nah und zu lange da.
Man sieht es auf dem Video, sie bibbert vor Erregung.
Da ist sie meist bereit jederzeit zuzugreifen, sobald sich die passende Gelegenheit bietet und voll auf Distanzverringerung eingeschossen.

Als der Nutria weg war, konnte sie die Stelle untersuchen, und war dabei so ins Schnüffeln vertieft, dass sie den Nutria, der noch recht nah im Wasser schwamm nicht mitbekommen hat.

Auf dem Spaziergang ist mir schon aufgefallen, dass sie Tendenzen zeigte, einzelne Spaziergänger anders zu betrachten.
(=> Da ist ein Mensch. Der hat vielleicht einen Hund dabei => Anspannung). Die Autofahrt zurück lief nicht mehr ganz glatt. Am nächsten Tag sprang sie auch wieder schneller auf Reize an als sonst, Lunte war kürzer. Aber alles gut machbar ☺️). Für mich ein wertvolles Feedback.
 
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Sylvia
19. Apr. 20:27
Das war eigentlich eben ganz spontan. Er hat das ja von kleinauf gelernt , dass er auf dem Weg bleiben muss. Also es gibt da keinerlei Korrekturen meinerseits. Heute sind die Rehe vor uns hergelaufen und dann rechts abgebogen. Er hat die paar m hinterhergeschnüffelt und ich hab das Video drauf gehalten. Ich wollte wissen, wie er sich verhält. Ich mag beim Spaziergang keine Kommandos geben. Für mich ist es wichtig, dass wir einfach so miteinander unterwegs sind und gegenseitig aufeinander acht geben. Das hat er getan, indem er direkt wieder zu mir gekommen ist und wir weitergehen konnten.
Ich habe beim heutigen Spaziergang darüber nachgedacht, daß du gar keine „Kommandos“ gibst. Ich muss mit meinen Hütern dagegen Kontakt halten, ansonsten machen die ihr Ding und handeln beim Bewegungsreiz selbständig. Ich trainiere gerade wie das Frauchen, das Anzeigen von Wild, daß sie auf mich warten bis wir gemeinsam eine Spur verfolgen können. Ich denke, daß Hütehunde schon gerne mit ihrem Menschen zusammen arbeiten, aber eine gewisse Anleitung benötigen. Die hütende Bordercollie-Fraktion wird vom Herdenbesitzer auch angeleitet ob rechts oder links rum, warten, fixieren und viele andere Arbeitseinheiten ( oft durch Pfeifkommandos). Was bei der einen Hunderasse funktioniert, klappt beim anderen Hundetyp vielleicht nicht.
 
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Michi
19. Apr. 20:57
Ich habe beim heutigen Spaziergang darüber nachgedacht, daß du gar keine „Kommandos“ gibst. Ich muss mit meinen Hütern dagegen Kontakt halten, ansonsten machen die ihr Ding und handeln beim Bewegungsreiz selbständig. Ich trainiere gerade wie das Frauchen, das Anzeigen von Wild, daß sie auf mich warten bis wir gemeinsam eine Spur verfolgen können. Ich denke, daß Hütehunde schon gerne mit ihrem Menschen zusammen arbeiten, aber eine gewisse Anleitung benötigen. Die hütende Bordercollie-Fraktion wird vom Herdenbesitzer auch angeleitet ob rechts oder links rum, warten, fixieren und viele andere Arbeitseinheiten ( oft durch Pfeifkommandos). Was bei der einen Hunderasse funktioniert, klappt beim anderen Hundetyp vielleicht nicht.
Deswegen habe ich mich ja bewusst und wohlüberlegt für einen Shar Pei entschieden.
Ich habe ihn erzogen und sicherlich bin ich auch noch dabei, damit wir gemeinsam gut durchs Leben kommen.
Kommandos möchte ich nicht geben, das widerstrebt mir.
Aber natürlich bleibt es nicht aus, dass ich auch mal korrigiere oder erinnere, natürlich nicht.
Aber das Bestreben ist ein Verständnis füreinander, das keiner großen Worte bedarf.
Wie bei jedem meiner Hunde vorher auch.
Ansprache hat er natürlich trotzdem , ich spreche lieb mit ihm, aber ich möchte ihm nicht sagen, was er tun soll bzw eben nicht soll.
Diese Rasse ist überhaupt nicht empfänglich für Arbeit oder Sport mit Menschen zusammen und fordert das erst recht nicht ein.
Deine Hunde sind ganz andere Typen und es ist doch schön, wenn ihr einen Weg gefunden habt, der euch Spaß macht.
 
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Kirsten
19. Apr. 21:58
Ich lasse mal nen kleinen Textabschnitt zu den Hütis da, der mir gut gefallen hat. Vielleicht könnt ihr damit was anfangen 😊

„Ich habe dann aber festgestellt, dass Hütehunde ein richtig bezaubernd verschmitztes Lächeln ins Gesicht gekommen, wenn man ihnen anstelle einsilbiger Kommandos Bitten um Hilfe bei der Arbeit serviert. Das gefällt ihnen dermaßen gut, dass sie meiner Meinung nach die gestellten Aufgaben noch besser und erfreuter ausführen, denn Helfen ist etwas, dass ihrer Persönlichkeit noch viel mehr entspricht als Dienen.“

„Hütenhunde mögen und brauchen menschliche Initiative, um Jobs erledigen zu können - und erledigte Jobs machen zufrieden. Ein solcher Job kann zum Beispiel das gemeinsame Kontrollieren eines Waldweges sein, bei dem der Hund jedwedes interessante Detail anzeigt und dafür Lob und Anerkennung bekommt.“

Vielleicht passt das ja ganz gut zu dem, was ihr beide meint im Bezug auf Hütis🐾
 
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Sylvia
heute 04:38
Ich lasse mal nen kleinen Textabschnitt zu den Hütis da, der mir gut gefallen hat. Vielleicht könnt ihr damit was anfangen 😊 „Ich habe dann aber festgestellt, dass Hütehunde ein richtig bezaubernd verschmitztes Lächeln ins Gesicht gekommen, wenn man ihnen anstelle einsilbiger Kommandos Bitten um Hilfe bei der Arbeit serviert. Das gefällt ihnen dermaßen gut, dass sie meiner Meinung nach die gestellten Aufgaben noch besser und erfreuter ausführen, denn Helfen ist etwas, dass ihrer Persönlichkeit noch viel mehr entspricht als Dienen.“ „Hütenhunde mögen und brauchen menschliche Initiative, um Jobs erledigen zu können - und erledigte Jobs machen zufrieden. Ein solcher Job kann zum Beispiel das gemeinsame Kontrollieren eines Waldweges sein, bei dem der Hund jedwedes interessante Detail anzeigt und dafür Lob und Anerkennung bekommt.“ Vielleicht passt das ja ganz gut zu dem, was ihr beide meint im Bezug auf Hütis🐾
Genau so ist es😀
 
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Petra
heute 07:13
Wollte mal nachfragen wie es denn Euch mit Jagdhunden ergeht, die selbstständig Entscheidungen treffen? Also bei meiner Ridgebackdame bin ich da schon vorsichtig mit Fährten gemeinsam Nach zu gehen. Die Ansätze mach sie selbst, lässt sich aber sehr gut abrufen. An der Leine beobachten wir schon gemeinsam Rehe und sie bleibt ganz ruhig dabei und kommt mit, wenn ich weitergehen will. Ohne Leine is noch schwierig und ich denke das bleibt auch so? Sie hat guten Rückruf und Jagd definitiv auf Sicht. Ich hab das Buch auch gelesen, aber ich denke nicht, dass es ganz richtig für uns passt.
 
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Kirsten
heute 07:47
Wollte mal nachfragen wie es denn Euch mit Jagdhunden ergeht, die selbstständig Entscheidungen treffen? Also bei meiner Ridgebackdame bin ich da schon vorsichtig mit Fährten gemeinsam Nach zu gehen. Die Ansätze mach sie selbst, lässt sich aber sehr gut abrufen. An der Leine beobachten wir schon gemeinsam Rehe und sie bleibt ganz ruhig dabei und kommt mit, wenn ich weitergehen will. Ohne Leine is noch schwierig und ich denke das bleibt auch so? Sie hat guten Rückruf und Jagd definitiv auf Sicht. Ich hab das Buch auch gelesen, aber ich denke nicht, dass es ganz richtig für uns passt.
Ich hatte da anfangs auch Zweifel.
Ich hatte mir vorgenommen, die Idee dahinter wirklich zu verstehen und zu probieren es bestmöglich umzusetzen, zumindest für einen Monat. Die Mira jagt sowohl auf Sicht und auf Fährte und noch „jagiger“ hätte sie ohnehin nicht werden können 😅 Ich bin hängen geblieben, sie fühlte sich von Anfang an wohl und nachdem sich viele meiner Zweifel in Luft auflösten, tue ich das auch (:
(Auch wenn bei uns sicher genau wie bei den meisten hier auch, andere Einflüsse in den Umgang mithineinspielen.)

Frische Fährten zum Tier HIN finde ich gerade am Anfang unheimlich herausfordernd. Der Geruch hin zum Tier wird stärker, die Situation aufregender. Fährten vom Tier weg helfen meiner Hündin sehr. Die Hunde wissen in der Regel ganz genau, welche Richtung zum Tier hinführt und ich war beim ersten Mal ziemlich überrascht wie einfach es ist, sich auf die andere Richtung zu einigen.

Statt Mira abzurufen, zeige ich ihr (wenn möglich) die Gegenspur, der sie dann mit Eifer nachgeht und uns sicher vom Tier wegführt. Nicht als Kommando, sondern eben so, wie ich einen guten Freund, eben auch auf Dinge aufmerksam machen würde, von denen ich ganz sicher weiß, dass es ihn interessiert.

Schwierig wird es hier, wenn ich in Stress gerate, und deswegen statt einer gemeinsamen Lösung nur noch bemüht bin, die Situation bzw. Mira unter Kontrolle zu bekommen (wir haben da aber mit der rückgerichteten Aggression in Begegnungen früher auch nicht die beste Historie 😬, was diese Emotionslage angeht). An der Leine fällt es natürlich leichter entspannt zu bleiben, es kann ja nicht viel passieren. Bei Mira sehe ich den Unterschied aber eher in meiner Stimmung und dem eigenen Verhalten, als in der Leine.
Kippe ich in Stress, scheine die Situation nicht mehr gut händeln zu können, neigt meine Hündin zur Verselbstständigung.

Sobald ich krampfhaft versuche Mira zu bremsen oder stoppen, steigt sie aus. Lässt sich bei ihr hervorragend über ihre sehr ausdrucksstarke Körpersprache erkennen.
 
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Sylvia
heute 08:58
Ich konnte heute mal 2 Sequenzen filmen, wie wir das üben. Ob das was mit Ulli zu tun hat, weiß ich nicht, aber so können wir gemeinsam was erarbeiten und Spaß haben. Das Anzeigen von Wild und mit mir gemeinsam die Spur verfolgen. Muss halt viel loben und anerkennen. Ich habe statt Schleppleine eine Flexi. Ich hasse Leinen wo Fuchskacke dran klebt und ich nichts anderes mehr anfassen kann. Handschuhe ständig an und ausziehen ist für mich auch keine Option