Hallo, wir selbst haben eine Hündin aus dem Tierschutz die ebenfalls sehr ängstlich und unsicher reagierte. Trotz hundeerfahrung musste ich lernen mich komplett neu aufzustellen und mich selbst zu hinterfragen. Es ist mit solchen Hunden sehr wichtig wie du selbst auf deinen Hund reagierst. Damit meine ich z.b. das wenn dein Hund auf etwas neues reagiert wie verhälst du dich dabei? Wie löst du dieses Problem?
Roxy z.b. hat u.a. alles und jeden angegriffen der in unsere Nähe kam. Zu anfangs habe ich auf sie eingeredet, sie gestreichelt... und das Problem damit nur noch schlimmer gemacht.
Wir haben verdammt viel geübt, vor allem wie meine Körperhaltung ist, ihre Körpersprache, viel Bindungsarbeit, klare Regeln und Routinen aufgebaut....Es ist ein wirkliches Miteinander geworden. Frühzeitiges reagieren gepaart mit Verständnis und Umsicht ohne den Hund in seiner Angst zu bestärken war unser Durchbruch. Es lohnt sich in jedem Fall sich selbst mal zu hinterfragen und dran zu bleiben. Das bringt auch viele Freiheiten. Roxy genießt den täglichen Freilauf und wenn ihr etwas komisch vor kommt so sucht sie meine Nähe und fragt ganz ruhig ab ob das in Ordnung ist. Mit meinem allles guuut entspannt sich Roxy auch wieder. LG 👋
Achso, bei Besuch haben wir die Lösung gefunden das Roxy von sich aus in ein anderes Zimmer geht wo sie es sich ganz entspannt gemütlich macht.
Vielen Dank für diesen tollen und ehrlichen Beitrag – da sprichst du mir absolut aus der Seele!
Es ist wirklich so: Tierschutzhunde verändern einen von Grund auf. Ich habe in meinem Leben auch so einiges umgestellt, weil es im Alltag mit Nero einfach anders ablaufen muss. Ich habe mich da ein Stück weit an ihn angepasst, bin aber gleichzeitig sehr konsequent.
Ich bestätige ihn zum Beispiel absolut nicht, wenn er Angst hat. Wenn wir draußen unterwegs sind und er plötzlich auf etwas Neues stößt – wie einen herumfliegenden Sack – und am liebsten sofort flüchten will, dann versuche ich, ihn positiv weiterzuleiten. Ich rede ruhig auf ihn ein, sage ihm, dass alles gut ist und zeige ihm, dass nichts passiert ist (der Sack ist ja weg). Ich breche dann nicht einfach ab und gehe panisch nach Hause. Genau da sehe ich bei uns auch den Riesenunterschied: Wenn mein Partner mit ihm geht, läuft das ganz anders, und Nero geht mit mir spürbar lieber und sicherer mit.
Wenn wir andere Hunde sehen und ich merke, dass er schon angespannt ist oder starr hinschaut, lasse ich dieses Fixieren gar nicht erst zu. Ich versuche ihn abzulenken und blockiere seinen Weg und seine Sicht dezent mit meinem Bein (kein Kick, einfach als Weg- und Sichtbarriere), damit er den Blick wieder zu mir wendet. Das klappt in den meisten Fällen ziemlich gut – außer der andere Hund fängt an zu bellen, dann ist das Chaos natürlich perfekt! Aber ansonsten hilft dieses frühe Abbremsen und Vorhersehen extrem.
Es ist einfach so wertvoll zu lesen, wie ähnlich wir da ticken und dass wir am Schluss alle im selben Boot sitzen. Vielen Dank für diesen schönen Austausch!