Hallo an alle, auch ich möchte gerne hier schreiben, vielleicht ging es dem ein oder anderen Hundehalter so ähnlich oder es hat jemand ein paar Tipps für uns...
Es geht um unsere fast sechsjährige Emma die mein Mann aus der Türkei vermittelt bekam, ein Mix aus Golden Retriever und Akbash. Sie kam mit ca 1 Jahr zu uns, wurde auf der Straße geboren, mit ca sechs Monaten aufgegriffen und der Koffer, den sie mitbrachte, war voller Baustellen. Trotz Trainer schaffen wir es irgendwie kaum, sie abzuarbeiten. Emma lebt mit meiner 19 jährigen Tochter, meinem Mann und mir im Haus mit Garten.
Zu ca. 60% klappt der Alltag, aber die restlichen 40%....
Sie ist eine sehr ängstliche Hündin die aber auch sehr viele positiven Seiten hat. Sie ist oft freundlich und verschmust, teilweise gut auf viele Kommandos reagierend, sie kann mal ein paar Stunden alleine zu Hause bleiben ohne zu jaulen und fährt gerne im Auto mit. Am Anfang gab es auch keine großen Probleme. Doch je älter sie wurde, desto problematischer wurde ihr Verhalten. Mittlerweile wissen wir auch, dass kein Goldie in ihr steckt, sondern ein Hovawart. Also Hofwächter und Herdenschutzhund in einem. Seit drei Jahren trägt sie draußen immer Maulkorb, da sie, wahrscheinlich nach dem Motto “Angriff ist die beste Verteidigung”, oft nach vorne geht. Derzeit ist jedoch unsere schlimmste Baustelle, dass sie, wenn sie zu etwas aufgefordert wird, was sie gerade jetzt nicht möchte bzw. sich in dem Moment bedrängt fühlt, wenn überhaupt kurz knurrt und uns mit direkter körperlicher Aggression angreift. Ich will ihr z.B. Leine, Geschirr und Maulkorb anziehen, um Gassi zu gehen oder sie soll aufstehen, weil sie im Weg liegt. Sie beachtet uns in solchen Momenten überhaupt nicht, sei denn einer kommt ihr zu nahe. Über sie steigen, sollen wir nicht mehr, an ihr vorbei kommen wir aber auch nicht. In solchen Momenten darf ich auch nicht ihre Hausleine nutzen, Leckerlis nimmt sie dann ebenfalls nicht an, obwohl sie sonst sehr Futtermotiviert ist. Ich trainiere fast täglich mit ihr und viele Probleme wurden schon deutlich besser. In der Vergangenheit hatte ich schon immer mit Hunden zu tun, besaß auch schon zwei eigene, aber noch nie ein HSH.
Mit zwei Hundetrainern haben wir versucht zu arbeiten, Managementmaßnahmen wie Maulkorb und klare räumliche Trennung einzuführen. Auch wurde Emma tierärztlich untersucht, sie ist kerngesund. Trainer bezeichnen sie, bedingt durch ihre Rasse Akbash/Hovawart, als hochexplosive Mischung, außerdem würde “sie uns maßregeln, wenn sie wollte, hätte sie schon längst richtig zugebissen". Nicht gerade eine beruhigende Äußerung.
Trotz aller Bemühungen in diesen letzten Jahren sind wir alle, jedoch hauptsächlich ich, zunehmend belastet. Ich passe auf, wie ich wohin gehe bzw. an ihr vorbeikomme. Wegen mehreren, gesundheitlichen Einschränkungen bin ich mittlerweile Frührentnerin. Durch die tägliche Anspannung mit Emma ist oft mein Zustand deutlich verschlechtert. Mein Mann und ich hatten schon unzählige blaue Flecken von ihr, es floss auch schon Blut, zwar nie so, dass wir ärztlich versorgt werden mussten, aber ich lebe ständig in Angst, habe kaum noch Kraft, bin ratlos und ein Stück weit überfordert. Mein 72 jähriger Vater ist ihr z.B. vor einigen Monaten aus Versehen auf den Schwanz getreten. Sie kennt ihn gut, freut sich immer sehr, wenn er zu uns kommt und trotzdem hat sie ihn, ohne Knurren, ohne Vorwarnung, direkt angegriffen. Zwar gab es auch da “nur Kratzer und blaue Flecken“, aber so sehr wie sie uns auf der einen Seite ans Herz gewachsen ist, kann es auf der anderen Seite so nicht mehr weitergehen. Manchmal kommt es mir so vor als ob wir mit einer tickenden Zeitbombe zusammen leben. Zum Glück stand ich bei dem Vorfall gerade daneben und konnte sie festhalten. Der Gedanke, die beiden wären kurz alleine gewesen oder mein Vater wäre gefallen…
Bei Besuch trägt sie nun immer Maulkorb, kommt unser dreijähriger Enkel, wird sie oben ins Schlafzimmer gesperrt. Am liebsten würde ich ihr 24/7 den Maulkorb anziehen, denn nur dann fühlen wir uns sicher, aber das ist doch keine Lösung. Auch nicht in ihrem Interesse. Vielleicht hat jemand einen Ratschlag für uns was wir falsch oder eben besser machen können oder sind wir einfach nur nicht die richtigen Halter für Emma?
Entschuldigt bitte, dass der Text so lang wurde, aber um unser Problem zu verstehen, musste ich etwas ausholen.