Was heißt denn „mit der Natur gehen“? Selbst jagen und Müll fressen lassen? Vermutlich nicht? BARF oder auch TroFu ist ja auch auch nicht „Natur“. Vorallem auch wenn mit Rind für einen Chihuahua. Würde der ja „in der Natur“ auch nicht essen.
Also konkret, ich versteh warum sich pflanzliche Ernährung für Hunde erstmal „unnatürlich“ anfühlt. Aber: wo genau zieht man die Grenze? Rind für den Chihuahua ist natürlich aber Soja nicht? Warum ist genau da die Grenze oder ist sie woanders?
Oder: ist „natürlich“ vielleicht nicht immer der ideale Maßstab weil es eben bei einem domestizierten Haustier schwer festzulegen und zu argumentieren ist?
Stattdessen halte ich bedarfsgerecht, verträglich, schmackhaft für Hunde für sinnvolle Maßstäbe um festzulegen ob eine Ernährung passend ist oder nicht. Und das ist im Zweifel individuell.
Exakt.
Das sind aus meiner Sicht genau die richtigen und wichtigen Fragen, die man sich oder anderen in dem Zusammenhang stellen sollte, die evtl romantisierte und vermenschlichte Vorstellungen von Natur haben.
1.
Es beginnt damit dass man überlegen muss ob der Moderne Haushund mit seiner Lebensweise überhaupt noch tatsächlich als natürliches Tier zu bezeichnen ist. Die meisten davon sollen bitte lieber NICHT jagen gehe, leben NICHT im Rudel und sind auch NICHT 24/7/365 draußen.
Chillen auf dem Sofa gehen ein bisschen Gassi machen eventuell etwas Sport und warten ansonsten , dass sie Napf gefüllt wird.
Das hat massive Auswirkungen auf den Energiebedarf und stellt damit andere Ansprüche an die Nahrung.
2.
Bei "Natürlichkeit" muss man sich zusätzlich die Frage stellen, von welchem Tier genau man redet .
Das was wilde Hunde in der Natur so fressen möchten Die meisten Halter Ihrem Liebling wahrscheinlich nicht geben. Abfälle, Aas, Fremdkot etc.
Oder wäre "natürlich" das, was Hunde seit ihrer Domestizierung so bekommen haben? Da war nicht unbedingt viel Fleisch dabei. Das hat Mensch lieber selbst gegessen.
3.
Der letzte und wichtigste Punkt ist dass man kritisch hinterfragen sollte bzw einfach VERSTEHEN MUSS, dass natürliche Ernährung nicht gleichzusetzen ist mit gesunder oder gar optimaler Ernährung. Die Natur ist hart aber fair und dabei sehr sehr effizient.
Das ein einzelnes Individuum möglichst alt wird ist überhaupt nicht Ziel der Natur. Im Gegenteil.
Wenn ein zb hundeähnlicher Beutegreifer 5-6 Jahre alt ist, dann hat er sich wahrscheinlich zweimal gepaart und fortgepflanzt, dabei ca 10 Welpen in die Welt gesetzt. Wenn davon nur drei überleben ist der Fortbestand der Art mehr als gesichert.
Der ist absolut überflüssig und eher lästig als Konkurrent um Lebensraum und Nahrung für die nächste Generation. Hat seinen Job getan und dürfte jetzt dann doch bitte gerne auch mal wegsterben. Aus Sicht der Natur.
In der Evolution ist ein zügiger Generationswechsel ein absoluter Vorteil. Deshalb sind Insekten seit Jahrmillionen so erfolgreich. Während zb Elefanten und Meeresschildkröten sich schwer tun, da sie sich als langlebige Arten nicht schnell genug anpassen konnten.
Okay, der letzte Teil ist etwas überspitzt dargestellt und es gibt noch andere Faktoren, aber ist durchaus ein beachtenswerter Punkt.