Home Forum Versicherungen & Recht Angeleinter Hund beißt nicht angeleinten Hund, der nicht gehorchte
Nicole
Nicole
2022-05-18T14:49:25.216Z
Einleitungs-Beitrag
60

Angeleinter Hund beißt nicht angeleinten Hund, der nicht gehorchte

Wer ist hier verantwortlich? Beispiel: Großer Hund, sagen wir mal ein Rhodesian Ridgeback, ist an der Leine als das Duo mit einer älteren Damen mit einem sehr kleinen Hund, sagen wir mal West Highland Terrier, konfrontiert wird. Der kleine Hund ist nicht angeleint, aber bellt und knurrt nicht. Der große Hund steht ganz entspannt neben seinem Frauchen. Das Frauchen bittet die ältere Dame ihren Hund zurück zu rufen, aber er gehorcht nicht. Das Frauchen des RR wiederholt ihre Bitte, aber die ältere Dame unternimmt keine weiteren Anstrengungen ihren Hund zu sich zu holen. Der kleine Hund kommt steifbeinig immer näher an den großen Hund heran, der langsam etwas unruhig wird. Ab hier ist die Geschichte hypothetisch…in Realität ist nicht passiert außer dass die ältere Dame wenig erfreut war, dass ich ihrem Hund mehrfach sehr laut „Verschwinde“ zugerufen habe um ihn zu vertreiben. Aber was wäre wenn der kleine Hund dem großen Hund so nah gekommen wäre, dass er ihn gebissen hätte weil er sich an der Leine bedroht gefühlt hätte? Er war bereits hinter seinem Frauchen und der kleine Hund kam dennoch immer näher. Würde der große Hund am Ende die Schuld bekommen auch wenn er an der Leine war?
Nicole
Nicole
2022-05-18T17:57:35.763Z
Hallo Nicole, ich "hänge" hier mal Ausschnitte aus dem Buch Der Hund und sein Richter geschrieben von der Richterin Barbara Dyrchs an. Vielleicht hilft dir das etwas weiter
Danke Dir für den Buchtipp. Das bestelle ich mir gleich mal.
Andreas
Andreas
2022-05-18T18:32:57.253Z
Gott sei Dank ist es in der Praxis dann doch etwas differenzierter. Ich gehe mal von dem LHundG NRW (andere bundesweit unterschiedliche Gesetze oder Verordnungen haben hier fast gleichlautende Passagen) aus, hier Paragraf 3, wo definiert wird, was ein „gefährlicher Hund“ ist (nur Auszug, es gibt eine Reihe weiterer Definitionen in dem Paragrafen): „5. Hunde, die einen anderen Hund durch Biss verletzt haben, ohne selbst angegriffen worden zu sein, oder die einen anderen Hund trotz dessen erkennbarer artüblicher Unterwerfungsgestik gebissen haben,“ Hier steht also interessanterweise durchaus eine Differenzierung, wer der „Agressor“ bei einer Auseinandersetzung zwischen Hunden ist. Und wenn diese Rechtsnorm schon - vernünftigerweise und lebensnah - differenziert, wird das ein Gericht in Zivilfragen (Kostentragung, Schadensersatz …) ebenfalls tun. Es ist aber ebenfalls zutreffend, dass bei einem Beißvorfall unter Hunden verschuldensunabhängig auch der „Geschädigte“ einen Eigenanteil zu tragen hat, weil bereits die Hundehaltung an sich ein latentes Gefahrenpotential beinhaltet. Ja, und dann ist bei Rechtsstreitigkeiten noch das kleine Problem mit der Beweislast. Derjenige, der einen Anspruch stellt, muss diesen auch beweisen. Also immer beim Gassi gehen einen Dritten, möglichst nicht verwandt oder verschwägert, dabeihaben 😉 Oder eine bodycam… Handyvideo geht auch, wird auch idR gerichtlich zugelassen werden, nur wer filmt, wenn man seinen Hund in einer Auseinandersetzung helfen und managen will?
mio
mio
2022-05-18T19:30:07.056Z
Es gibt in der Rechtssprechung den Ausnahmefall des artgerechten Abwehrverhaltens: "Das Urteil des Verwaltungsgerichts Osnabrück vom 22.02.2013 (6 A 136/11): In dem diesem Urteil zugrundeliegenden Fall ging es um einen für gefährlich erklärten Hund, der einen anderen, erheblich kleineren Hund infolge seines Bisses so schwer verletzte, dass dieser starb. Das VG Osnabrück hat hierbei eine Gefährlichkeit dieses Hundes verneint und den Ausnahmefall des artgerechten Abwehrverhaltens angenommen. Als Begründung führt das Gericht an, dass der größere Hund an dem fahrenden Rad der Hundehalterin zweifach angeleint, infolgedessen in seiner Bewegungsfreiheit maßgeblich eingeschränkt war und sich des Angriffs des später verstorbenen Hundes nicht anders erwehren konnte als durch einen Biss. Denn der später verstorbene Hund sei auf ihn zugelaufen und habe ihn in die Hinterläufe gebissen.  Aufgrund seiner eingeschränkten Bewegungsfreiheit habe sich der größere Hund diesem Angriff auch nicht anderweitig entziehen können. Das Verwaltungsgericht Osnabrück hat hierbei auch das Verhalten des später verstorbenen Hundes in die Gefährlichkeitsprognose mit einbezogen." Das passt zwar nicht ganz zum Beispiel der TE hier, ich fand es aber trotzdem interessant und wollte es mit euch teilen. (Quelle: raschlosser.com)
Nicole
Nicole
2022-05-18T19:38:26.260Z
Es gibt in der Rechtssprechung den Ausnahmefall des artgerechten Abwehrverhaltens: "Das Urteil des Verwaltungsgerichts Osnabrück vom 22.02.2013 (6 A 136/11): In dem diesem Urteil zugrundeliegenden Fall ging es um einen für gefährlich erklärten Hund, der einen anderen, erheblich kleineren Hund infolge seines Bisses so schwer verletzte, dass dieser starb. Das VG Osnabrück hat hierbei eine Gefährlichkeit dieses Hundes verneint und den Ausnahmefall des artgerechten Abwehrverhaltens angenommen. Als Begründung führt das Gericht an, dass der größere Hund an dem fahrenden Rad der Hundehalterin zweifach angeleint, infolgedessen in seiner Bewegungsfreiheit maßgeblich eingeschränkt war und sich des Angriffs des später verstorbenen Hundes nicht anders erwehren konnte als durch einen Biss. Denn der später verstorbene Hund sei auf ihn zugelaufen und habe ihn in die Hinterläufe gebissen.  Aufgrund seiner eingeschränkten Bewegungsfreiheit habe sich der größere Hund diesem Angriff auch nicht anderweitig entziehen können. Das Verwaltungsgericht Osnabrück hat hierbei auch das Verhalten des später verstorbenen Hundes in die Gefährlichkeitsprognose mit einbezogen." Das passt zwar nicht ganz zum Beispiel der TE hier, ich fand es aber trotzdem interessant und wollte es mit euch teilen. (Quelle: raschlosser.com)
Danke für das Teilen dieses Urteils. Es ist beruhigend zu wissen dass Gerichte so differenzierte Urteile treffen können!
Mamu
Mamu
2022-05-18T20:25:45.200Z
Tausche mal den Hund gegen ein dreijähriges Kind…
Das steht doch hier nicht zur Debatte.
Christian
Christian
2022-05-18T20:26:43.942Z
Das steht doch hier nicht zur Debatte.
Eben doch !!!
Mamu
Mamu
2022-05-18T20:26:45.177Z
Leider falsch …
Meine Versicherung ist anderer Meinung!
Christian
Christian
2022-05-18T20:55:07.796Z
Ich möchte das Ganze jetzt mal aus meiner Sicht erklären. Hier werden zum Teil Landeshundesgesetze oder Verordnungen herangezogen, die gar nicht relevant sind. Es geht um zivilrechtliche Schadenshaftung, also Schadensersatz oder Schmerzensgeld. Die Hundehaltung unterliegt der Gefährdungshaftung. Wenn ein Hund einen Menschen tötet, verletzt oder Sachen beschädigt, ist der Halter grundsätzlich haftbar, selbst dann, wenn ihn keine Schuld trifft. Anzuwenden sind hier BGB Paragrafen 833 ff. In einem folgenden Paragrafen gibt es eine Ausnahme, wenn sich der Hund sozusagen in einer Notwehrsituatin befindet. Nachzulesen bei Wikipedia, Gefährdungshaftung Hund.
Ich möchte das Ganze jetzt mal aus meiner Sicht erklären.
Hier werden zum Teil Landeshundesgesetze oder Verordnungen herangezogen, die gar nicht relevant sind.
Es geht um zivilrechtliche Schadenshaftung, also Schadensersatz oder Schmerzensgeld.
Die Hundehaltung unterliegt der Gefährdungshaftung.
Wenn ein Hund einen Menschen tötet, verletzt oder Sachen beschädigt, ist der Halter grundsätzlich haftbar, selbst dann, wenn ihn keine Schuld trifft.
Anzuwenden sind hier BGB Paragrafen 833 ff.
In einem folgenden Paragrafen gibt es eine Ausnahme, wenn sich der Hund sozusagen in einer Notwehrsituatin befindet.
Nachzulesen bei Wikipedia, Gefährdungshaftung Hund.
Andreas
Andreas
2022-05-18T21:27:39.199Z
Ich möchte das Ganze jetzt mal aus meiner Sicht erklären. Hier werden zum Teil Landeshundesgesetze oder Verordnungen herangezogen, die gar nicht relevant sind. Es geht um zivilrechtliche Schadenshaftung, also Schadensersatz oder Schmerzensgeld. Die Hundehaltung unterliegt der Gefährdungshaftung. Wenn ein Hund einen Menschen tötet, verletzt oder Sachen beschädigt, ist der Halter grundsätzlich haftbar, selbst dann, wenn ihn keine Schuld trifft. Anzuwenden sind hier BGB Paragrafen 833 ff. In einem folgenden Paragrafen gibt es eine Ausnahme, wenn sich der Hund sozusagen in einer Notwehrsituatin befindet. Nachzulesen bei Wikipedia, Gefährdungshaftung Hund.
Es heißt im Studium und bei Diplomarbeiten nicht umsonst „Wikipedia ist keine Quelle“ Selbst der BGH sieht das differenzierter und stellt neben der an sich richtigen verschuldensunabhängigen Gefährdungshaftung je nach Sachverhalt die Paragrafen 254 und 840. Ein bisschen zu lesen, aber schönes Beispiel, wie verschiedene Rechtsgüter in einem konkreten Fall zur Anwendung kommen: http://www.steinbeckundpartner.de/anspruchsminderung-bei-mitwirkender-tiergefahr-bgh-vom-31-05-2016/ Es ist demnach- bei unstrittiger Sachlage - durchaus von Bedeutung, wer Auslöser einer Beisserei und wer von seinem Halter gesichert/beaufsichtigt ist usw.
Mamu
Mamu
2022-05-18T21:28:21.872Z
Eben doch !!!
Hier geht es nicht um "Hund beißt Mensch " sondern "Hund beißt Hund ".