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Tobias
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zuletzt 12. Apr.

Hilfsmittel / Erziehungsmethoden ... Was mich gerade richtig nervt... Oder warum ist man so bequem?

Moin. Weil ich es immer wieder in dem ein oder anderen Chat lese möchte ich einmal das Thema generell aufwerfen. Es werden hier in den Chats bei Problemen dann gerne einmal Tips in den Raum gestellt und Methoden vorgeschlagen die ich fraglich finde. Es ist für mich ein NoGo bei unklarer Sachlage vorzuschlagen den Hund auf den Rücken zu drehen, Schnauzengriff, Wasserflasche oder eine Rasselkette oder ähnliches anzuwenden. Wir als Menschen sind schnell dabei eine vermeintlich einfache Lösung für ein vermeintlich einfaches Problem zu suchen. In den meisten Fällen "Mal ordentlich drauf kloppen". Das fängt bei solchen Vorschlägen an und geht weiter über Erziehungshilfen wie Anti-Bell Halsbänder oder Kopfhalfter und Erziehungsgeschirre, von mittlerweile verbotenen Hilfsmitteln gar nicht zu sprechen.... Bitte nicht falsch verstehen. In der Richtigen Situation und richtig angewendet ist eine Wasserflasche oder eine Rapperswil oder auch ein Kopfhalfter sicherlich eine wertvolle Hilfe. Aber es sind halt Hilfen für bestimmte Situationen und keine allgemeinen allgemein wirksamen Strategien die man bedenkenlos dauerhaft einsetzen kann und soll. Wenn ich an die Dame denke die ich im Feld mit ihrem Hund auf dem Fahrrad angetroffen habe und der Hund trug ein Kopfhalfter dreht sich mir jetzt noch der Magen um. (Und nein sie ist nicht Schrittgeschwindigkeit gefahren.) Ich habe manchmal das Gefühl dass das Verständnis für den Hund und sein Verhalten zu kurz kommt.... Stattdessen konzentriert man sich zu sehr auf irgendwelche Methodiken, was letztendlich aber selten hilft oder Probleme nur verlagert oder gar neue schafft. Noch jemand "frustriert" oder sieht es anders? (Sorry für den langen Text)
 
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Dogorama-Mitglied
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27. Mai 08:14
Ich bin ganz bei dir.

Es ist so oft so traurig wie heute Menschen mit ihren Vierbeiner umgehen, sie sprechen von Liebe und vernachlässigen sträflich den Sinn und Zweck einer Erziehung.

Sie sind bereits nach kürzester Zeit genervt, dass er nicht stubenrein ist, sie sind genervt dass der Junghund seine wilden Minuten hat, sie sind vom pubertierenden Hund genervt.
Es werden 5 Monate alte Hunde als bissig und aggressiv beschrieben.

Und dann die Beschreibungen der Tips, sehr oft sehr traurig.

Die Wasserflasche, der Schnauzengriff, das auf den rückenwerfen ist genauso schlimm wie die Tips der Hund darf knurren, er darf abschnappen, weil du willst doch einen Freund. 🙈😢😢

Ich sehe jeden Tag so viele unglückliche, gestresste Hunde.
Da wird der 90kg Besitzer vom 35 kg Labrador 1 Stunde durch den Wald gezogen, da wird der Junghund von einer 3 Kinderfamilie keine Sekunde in Ruhe gelassen, da wird der kleine Hunde Zwerg wie ein Kind behandelt.

Und wenn ich dann den Hunden ihre Augen anschau, die Lefzen, ihre Körperhaltung ... Sie würden wenn sie könnten manches Menschenrudel verlassen ...
 
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Dogorama-Mitglied
27. Mai 08:14
Ich bin ganz bei dir.

Es ist so oft so traurig wie heute Menschen mit ihren Vierbeiner umgehen, sie sprechen von Liebe und vernachlässigen sträflich den Sinn und Zweck einer Erziehung.

Sie sind bereits nach kürzester Zeit genervt, dass er nicht stubenrein ist, sie sind genervt dass der Junghund seine wilden Minuten hat, sie sind vom pubertierenden Hund genervt.
Es werden 5 Monate alte Hunde als bissig und aggressiv beschrieben.

Und dann die Beschreibungen der Tips, sehr oft sehr traurig.

Die Wasserflasche, der Schnauzengriff, das auf den rückenwerfen ist genauso schlimm wie die Tips der Hund darf knurren, er darf abschnappen, weil du willst doch einen Freund. 🙈😢😢

Ich sehe jeden Tag so viele unglückliche, gestresste Hunde.
Da wird der 90kg Besitzer vom 35 kg Labrador 1 Stunde durch den Wald gezogen, da wird der Junghund von einer 3 Kinderfamilie keine Sekunde in Ruhe gelassen, da wird der kleine Hunde Zwerg wie ein Kind behandelt.

Und wenn ich dann den Hunden ihre Augen anschau, die Lefzen, ihre Körperhaltung ... Sie würden wenn sie könnten manches Menschenrudel verlassen ...
 
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Jess
27. Mai 08:29
Meine Ellie ist 5 Monate alt. Wir dürfen uns von Fußhupenbesitzer (nicht böse gemeint) mit Flexileine immer Tips anhören wie oben beschrieben( mit Gewalt in die Schranken weisen)weil Ellie manches mal noch an der Leine zieht. Weil ich habe ja schließlich einen Schäferhund,den man rechtzeitig in die Schranken weisen muss. Er wird ja sonst gefährlich wenn man ihn nicht von Anfang an dominiert. Aber das die Fußhupe wärenddessen nonstop kläfft und die Zähne fletscht ist ok denn der tut ja nix🙄 ohne Worte manche Menschen.
 
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Tobias
27. Mai 09:05
Meine Ellie ist 5 Monate alt. Wir dürfen uns von Fußhupenbesitzer (nicht böse gemeint) mit Flexileine immer Tips anhören wie oben beschrieben( mit Gewalt in die Schranken weisen)weil Ellie manches mal noch an der Leine zieht. Weil ich habe ja schließlich einen Schäferhund,den man rechtzeitig in die Schranken weisen muss. Er wird ja sonst gefährlich wenn man ihn nicht von Anfang an dominiert. Aber das die Fußhupe wärenddessen nonstop kläfft und die Zähne fletscht ist ok denn der tut ja nix🙄 ohne Worte manche Menschen.
Die "bösen Schäferhunde" halt. Das ist auch noch so ein Bild.... Dabei sind das oft Sensibelchen... Und dann wird mit Härte gearbeitet und der Hund stumpft ab. Aber dann passt er ja wieder ins Bild.
 
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Lydia
27. Mai 09:14
Meiner Meinung nach entstehen diese Probleme, weil nicht wirklich differenziert wird. Da werden oft bei kleineren Problemen völlig überzogene Methoden (Alphawurf etc.) vorgeschlagen. Andererseits aber auch Methoden wo z.B. bei einem übergriffigem, völlig distanzlosen Hund geraten wird "ihm den Po zu pudern". Ihn ja nicht körpersprachlich zu korrigieren bzw. um ihn aus dem Tunnel zu holen kurz anzustupsen. Das ist für manche schon Gewalt.
Beide Methoden sind nicht artgerecht.

Markus Satke schreibt auf seiner Website:
"Mit dem sogenannten Alphawurf, Starkzwangmethoden oder einer Spirale der Gewalt hat man in der Hundeerziehung noch nie etwas erreicht. Genauso wenig mit Ausbildungsmethoden, die auf reine positive Verstärkung aufgebaut sind. In beiden Fällen werden Hunde in Reizsituationen nicht das erwünschte Verhalten zeigen.

Soziale Beziehungen sowie Vertrauen werden nicht über Leckerli, Klicker, Target, Spielsachen oder reines Ignorieren eines unerwünschten Verhaltens aufgebaut. Das hat nichts mit dem natürlichen Verhalten unserer Hunde zu tun und ist eine reine Erfindung des Menschen oder einiger Hundeschulen.

Beziehungen werden über klare soziale Strukturen aufgebaut, wie Grenzen setzen, soziale Zuneigung und souveränes, anleitendes Verhalten. Dies gibt dem Tier Sicherheit und das Gefühl von Geborgenheit."

Und genauso ist es!
 
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Katrin
27. Mai 09:15
In der Erziehung haben solche Dinge einfach nichts zu suchen. Erst recht nicht bei Welpen und Junghunden. Wenn Halter zu solchen Sachen greifen weil sie sonst nicht weiterwissen ist das eindeutig ein Zeichen dafür das diese Personen einfach keine Ahnung haben. Nie nie niemals sollte man solche Methoden und Hilfsmittel anpreisen ohne fachmännische Kenntnisse über die Handhabung und ohne das Hunde Mensch Team zu kennen.
 
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Dogorama-Mitglied
27. Mai 09:15
Die "bösen Schäferhunde" halt. Das ist auch noch so ein Bild.... Dabei sind das oft Sensibelchen... Und dann wird mit Härte gearbeitet und der Hund stumpft ab. Aber dann passt er ja wieder ins Bild.
Ich bin auch ganz bei Dir.
Und leider bemerke ich immer wieder, das viele Hundehalter versuchen die Symtome mit aller Konsequenz in den Griff zu bekommen. Leider wird dann die Ursache ganz außer acht gelassen. Und dann sind sie frustriert weil sich nichts ändert.
 
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Dogorama-Mitglied
27. Mai 09:46
Ich bin auch ganz bei Dir. Und leider bemerke ich immer wieder, das viele Hundehalter versuchen die Symtome mit aller Konsequenz in den Griff zu bekommen. Leider wird dann die Ursache ganz außer acht gelassen. Und dann sind sie frustriert weil sich nichts ändert.
Es ist aber in der für mich sichtbaren Mehrheit, dass hilflose Menschen gar nicht erziehen.
Ich hatte in den letzten 30 Jahren viele Problemhunde übernommen, eigentlich nette Hunde die aber nie Grenzen gezeigt bekamen, die in bestimmten Situationen null Respekt haben.
Auf der anderen Seite bist du mit einem sehr selbstbewussten Hund immer am Rande dessen was Menschen mit sehr unerzogenen Hunde als Gewalt ansehen.
Denn wenn ein Rüde auf dem Spaziergang in einer Situation eskaliert dann muss genau da eingegriffen werden und zwar der Energie des Hundes entsprechend.
Wenn's erledigt und der Hund ist wieder bei mir durchschnaufen, loben und positiv weiter.
Tja und ratzfatz hast den Ruf anderer Hundebesitzer als Tierquäler aufgestempelt. Von den Hundebesitzer, die ihre Hunde nie von der Leine lassen können, die andere Hunde und Menschen angreifen, die Zuhause im 5 er Rudel sich streiten bis aufs Blut. Die gestresst durch die Gegend rennen um ja niemanden zu begegnen.

Und da fehlt ganz vielen Menschen einfach die Verhältnismäßigkeit.
 
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Dogorama-Mitglied
27. Mai 10:09
Danke für dieses Thema 👍
Ich bin davon mehr als nur genervt.
Die einzigsten Hilfsmittel die wir damals hatten und ausprobiert haben, war ein Klicker und ne Hundepfeife.
Bei einigen der hier genannten Erziehungshilfen hatte ich vorher noch nie gehört zb Kopfhalfter. Ein Halfter kenne ich von Pferden aber nicht vom Hund.
Manchmal frage ich mich, wie habe ich nur meinen Dicken ohne diesen ganzen Mist groß und für mein Verständnis erzogen bekommen.
Damals gab's zb. auch noch nicht diese extrem schlaue App.
In all den Jahren, seit wir zusammen durch die Welt gehen, habe ich noch nicht einmal meinen Hund dominiert, zusammengeschriehen, hart oder böse angefasst oder eins von den scheusslichen Erziehungsdingern angewandt.
Natürlich ist er von der Größe und der Kraft nicht mit zb. Schäferhund, Rottweiler usw. zu vergleichen.
Aber wers nicht glaubt, ein roter Cocker ist alles andere als einfach und auch ich habe am Anfang heulend im Wald gestanden, aber ich wäre "niemals" auf die Idee gekommen, so etwas zu benutzen!
 
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Marisol
27. Mai 10:33
Es ist wirklich traurig was manche als Erziehung für ihren Hund ansehen. Solche Tipps können auch nach hinten losgehen, mal abgesehen davon, dass ich nichts davon halte.

Was ich aber momentan auch beobachte und total schrecklich finde sind Gesuche a la „Suche erfahrenen Hund damit mein stürmischer Hund mal in die Schranken gewiesen wird“. Das ist doch einfach Quatsch und zeugt von absoluter Unwissenheit der Halter.

Ich denke mit vielen leichtfertigen gegebenen Tipps sind nicht nur manche Hunde einfach gebrochen sondern jegliche vorher bestandene Beziehung/Vertrauen ist komplett hin. Man muss sich einfach die ganze Situation anschauen um Urteilen zu können und um ordentliche Tipps zu geben. Es liegt ja auch sehr oft an der Kommunikation und Körpersprache des Halters wenn etwas nicht so läuft wie es soll.

Ich würde mir aber ehrlicherweise auch nie Tipps holen in einem Forum wenn ich echte Probleme hätte. Wenn ich Beispielsweise meine Hündin mit einer Wasserspritze Maßregeln würde, würde sie mich nie wieder anschauen und direkt ihre Koffer packen. Dahin wäre jegliches Vertrauen und Arbeit die man miteinander hatte. -> Mein Freund hat sie mal ausversehen Nass gemacht als er den Gartenschlauch eingerollt hat. Sie hat ihn zwei Tage mit nem großen Bogen gemieden
 
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Melanie
27. Mai 10:44
Sehr negativ fallen mir zwei Dinge auf. Zum einen, dass teilweise "Erziehungstipps" gegeben werden, nur anhand einer sehr schwammigen Beschreibung eines völlig überforderten Halters. Meist sind das nur Aufzählungen, was der Hund falsch macht. Anhand dieser Beschreibungen ist es mMn nicht möglich sinnvolle Ratschläge zu geben, außer "such dir einen passenden Trainer, der die Ursache raus filtert und gezielt unterstützen kann".
Die andere Seite sind auffällig häufig Menschen, die sich aus welchen Gründen auch immer irgendeinen Hund ins Haus holen, der so gar nicht zu den Lebensumständen passt. Vorheriges informieren könnte so viele Probleme verhindern... ich verurteile keine Anfänger, wenn sie aus Unwissenheit z.b. an der völlig falschen Stelle loben. Was ich allerdings durchaus verurteile, ist sich aus vermeintlichem Prestigedenken heraus einen Rassehund zu holen, und dabei nur nach der Optik zu wählen.