Natürlich ist es nicht wertvoll, lauter wild zusammen gewürfelte Hunde auf ein eingezäuntes Gelände zu sperren und zu schauen, was passiert. Ich rede von Hundebegegnungen, in denen es vielleicht mal lauter wird und Hundebesitzer da so ein Ding draus machen, dass der Hund danach vor allen anderen Hunden "beschützt" wird und somit völlig verlernt oder gar nicht erst lernen kann, mit Hunden umzugehen.
Selbstverständlich gibt es schlimme Begegnungen und auch Hundeschulen,die von innerartlichem Verhalten wenig bis keine Ahnung haben und dann solche Treffs, wie das von dem du berichtest, veranstalten, aber meiner Erfahrung nach sind es in der alltäglichen Hundebegegnung eher die Menschen, die es schlimm finden, falsch einordnen und damit das innerartlich soziale Leben für ihren Hund beenden.
Natürlich sollte man nicht jede etwas lautere Hundebegegnung dramatisieren. Hunde dürfen kommunizieren, Grenzen setzen und auch mal deutlich werden. Aber genauso falsch finde ich die Aussage, dass es meist nur die Menschen sind, die etwas falsch einordnen.
Es gibt durchaus Hunde, die durch schlechte Erfahrungen nachhaltig geprägt wurden. Nicht jeder Hund verarbeitet unangenehme Begegnungen einfach und macht danach weiter wie bisher. Manche werden unsicherer, manche entwickeln Angst und manche gehen später selbst nach vorne. Das ist kein menschliches Missverständnis, sondern kann eine reale Folge negativer Erfahrungen sein.
Genau deshalb ist für mich der entscheidende Punkt, den eigenen Hund lesen zu können. Unsere Hündin zeigt sehr klar und früh, wenn ihr ein anderer Hund zu aufdringlich wird oder sie keinen Kontakt möchte. Dafür muss es gar nicht erst laut werden. Sie kommuniziert das über ihre Körpersprache lange bevor es zu einem Knurren oder anderen deutlichen Signalen kommt. Wer seinen Hund wirklich kennt, erkennt diese Signale und respektiert sie.
Nicht jeder Hund möchte mit jedem fremden Hund Kontakt haben, und das ist völlig in Ordnung. Sozialverhalten bedeutet nicht, alles über sich ergehen zu lassen oder jeden Kontakt ertragen zu müssen. Es bedeutet auch, Grenzen setzen zu dürfen und dass diese respektiert werden.
Deshalb sollte man immer den einzelnen Hund betrachten. Ja, es gibt Menschen, die ihren Hund überbehüten. Es gibt aber genauso Hunde, die gute Gründe haben, warum ihre Halter Begegnungen sorgfältig managen. Das als bloße Fehlinterpretation der Menschen abzutun, wird der Realität vieler Hunde nicht gerecht. Am Ende sollte nicht der Mensch für seinen Hund entscheiden, dass er jeden Kontakt aushalten muss, sondern der Hund sollte durch sein Verhalten zeigen dürfen, was für ihn in Ordnung ist und was nicht. Unsere Aufgabe ist es, diese Signale wahrzunehmen und rechtzeitig darauf zu reagieren.