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Svenja
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heute 22:47

Stress bei Hunden durch Vermenschlichung?

Ich wage mich nun doch in die Höhle die Löwen und erstelle einen Thread. Ich hoffe, es gelingt, sich nicht persönlich angegriffen oder gekränkt zu fühlen und die eigene Meinung zu vertreten, ohne die mögliche Gegenseite abzuwerten. Was meiner Meinung nach dabei helfen kann, ist sich immer zu fragen, warum mich Kommentare so emotional machen. - Hat es etwas mit mir selber zu tun? - habe ich Erfahrungen mit dem Schreibenden und kann es sein, dass ich ihn deshalb in der neuen Situation vorverurteile? - Warum kann ich die Meinung des anderen nicht akzeptieren? Geht es wirklich um die Sache an sich oder um mich als Person? Das Thema Stress bei Hunden wird hier immer wieder thematisiert, was ich grundsätzlich echt gut finde. Mir fällt dabei aber oft auf, dass der größte Stressfaktor, nämlich Stress durch Überforderung, die aus Vermenschlichung resultiert, völlig übersehen wird. Hunde funktionieren anders als Menschen. Ist das jedem wirklich bewusst? - Was sind für euch die größten Stressauslöser? - Zeigen eure Hunde Verhaltensauffälligkeiten wie Reaktivitat oder Ängste, Aggressionen? Was ist für euch die Ursache? -Hören sie draußen im Freilauf auf euch? Oder laufen sie nie frei? Warum nicht? Ich fand dazu einen Artikel, der meine Sicht und Erfahrung dazu ganz gut wiedergibt. Ich möchte hier niemanden vorführen, anprangern oder angreifen. Niemand muss sich hier zu Wort melden, wenn er nicht offen für diese Reflektion ist. Zitat aus: https://www.odt.co.nz/star-news/star-lifestyle/pampered-pets-may-become-anxious-behaviourist-says Rena“ (nicht ihr richtiger Name) schläft auf Seidenkissen zwischen den Köpfen ihrer Besitzer, trinkt aus deren Wassergläsern und zerstört Haushaltsgegenstände wie Topfpflanzen und Kissen, wenn sie zu lange allein gelassen wird. Oft sitzt sie mit der Familie am Esstisch; wenn sie sich auf die Couch legt, rücken alle zusammen, um ihr mehr Platz zu geben. Ihr veganes, getreidebasiertes Futter (plus Leckerlis) kostet fast so viel wie der wöchentliche Supermarkteinkauf, ihre Tierarztkosten haben sich bereits auf Tausende von Dollar belaufen (Hüftprobleme) und ihre Besuche beim Hundefriseur sind teurer als ein Haarschnitt für einen Menschen. Sie besitzt eine ganze Garderobe. Die vierjährige schwarze Cockapoo-Hündin (eine Mischung aus Cocker Spaniel und Zwergpudel) ist zweifellos ein verwöhnter Hund. Aber sie ist damit keineswegs allein. Die Bevorzugung von Haustieren ist ein weltweites Phänomen, das sich während der Pandemie noch verstärkte, da Lockdowns einsame Menschen dazu veranlassten, sich Hunde als Begleiter anzuschaffen. Verschärft wurde dies durch den Trend, Designerhunde mit kindlichen Merkmalen (große Augen, kurze Nasen, runde Gesichter) zu züchten, die die Herzen der Menschen erobern sollen. Hinzu kommt ein zunehmendes Misstrauen gegenüber der Menschheit, wodurch Hunde als Freunde umso erstrebenswerter erscheinen. Hunde sind loyal, sie verurteilen uns nicht, und Studien belegen, dass sie die körperliche und seelische Gesundheit und das Wohlbefinden ihrer Besitzer verbessern. Daraus folgt dann sicherlich, dass sie im Gegenzug verwöhnt werden sollten. Das sieht die Hundeverhaltensforscherin und Autorin Selina McIntyre aus Matamata anders. Sie arbeitet seit fast 20 Jahren mit Hunden und ihren Besitzern und hat dabei alle Facetten der Mensch-Hund-Beziehung miterlebt. McIntyre liebt Hunde und hatte im Laufe ihres Lebens schon viele, darunter ihre beiden Border Terrier Trev und Lily („echte Charaktere, die zu kleinen Rabauken werden können, wenn sie nicht genug Auslauf bekommen“). Sie stimmt voll und ganz zu, dass Hunde zur Familie gehören und Menschen eine emotionale Bindung zu ihnen haben. Aber damit enden die Gemeinsamkeiten auch schon. „Hunde sind Tiere. Sie gehören einer anderen Spezies an. Egal, wie niedlich sie auch aussehen mögen, sie bleiben Hunde. Wenn wir sie nicht als Hunde behandeln, tun wir ihnen Unrecht“, sagt sie. „Wenn wir annehmen, dass sie denken und handeln wie wir, sehen wir sie nur aus unserer eigenen Perspektive. Zu glauben, man mache seinen Hund glücklich, indem man ihm alle möglichen Leckerlis kauft und ihn im Bett schlafen lässt, bedeutet, ihn wie einen Menschen zu behandeln, was er definitiv nicht ist.“ Sie sagt, wenn Besitzer über die Bedürfnisse ihrer Hunde sprechen („Schau dir diese Augen an, wie könnte man ihm widerstehen?“), spiegeln sie damit oft ihre eigenen Bedürfnisse wider. Sie könnten einsam oder ängstlich sein oder Zuneigung und Schutz suchen. Manche sind vielleicht allein zu Hause, oder ein Partner arbeitet lange, sodass eine größere Abhängigkeit von einem vierbeinigen Begleiter entsteht. Wenn der Hund ihnen ständig von der Seite weicht, sagen sie vielleicht Dinge wie: „Sie ist sehr anhänglich“ oder „Er klebt förmlich an ihr“. Sie sagt jedoch, dass man Hunden niemals menschliche Formen, Verhaltensweisen und Emotionen zuschreiben oder ihnen die gleichen Rechte und Privilegien wie Menschen gewähren sollte. „Wenn einem Hund aufs Wort jeder Wunsch erfüllt wird, steigt sein sozialer Status über den seiner menschlichen Besitzer. Ein Hund, der mit den Menschen am Tisch isst, in ihrem Bett schläft oder sich auf der Sofalehne über dem Kopf seines Besitzers positioniert, fühlt sich privilegiert und gleicht eher dem König oder der Königin des Hauses. Physische Bevorzugung kann mit sozialer Bevorzugung einhergehen. Der Hund glaubt dann, er sei das wichtigste Lebewesen im Haus.“ Hoher Status bringt eine große Verantwortung mit sich. Laut McIntyre kann das bei Hunden zu übermäßiger Ängstlichkeit führen. „Verwöhnte Hunde schlafen möglicherweise mit einem Ohr gespitzt, um auf Bedrohungen zu achten. Sie fühlen sich ihren Besitzern jederzeit verantwortlich. Sie können große Trennungsangst entwickeln, wenn ihr Mensch den Raum oder das Haus verlässt. Diese Angst kann zu unaufhörlichem Bellen, Winseln, Zerstörung von Gegenständen oder Hin- und Herlaufen am Zaun führen, während sie auf die Rückkehr ihrer Besitzer warten.“ Hunde brauchen Zuneigung, keine Bewunderung, sagt sie. „Hunde müssen wissen, dass ihr Platz im Haus sicher ist, aber sie dürfen nicht das Gefühl haben, für ihre Besitzer verantwortlich sein zu müssen. Man kann ein Tier nicht immer nur aus menschlicher Sicht betrachten. Ein Hund ist eine andere Spezies. Es sind Tiere, um die wir uns kümmern, keine Babys, die wir erziehen.“ Selina McIntyres Tipps für die Bedürfnisse eines Hundes - Zweimal täglich Spaziergänge (auch mit kleinen Hunden) außerhalb Ihres Grundstücks - Sicherheit (das Gefühl, nicht für jede Bewegung seiner Besitzer verantwortlich zu sein) - Verständnis und Wertschätzung der Hundewelt, einschließlich der Art und Weise, wie Hunde in verschiedenen Situationen kommunizieren und sich verhalten - Sozialisierung (entscheidend in den ersten 16 Wochen), um „neue“ Situationen und eine Reihe unterschiedlicher Menschen und Umgebungen kennenzulernen. - Geistige Anregung, unter anderem durch Spiel - Zuneigung, nicht Bewunderung - Grenzen (was ist angemessenes und unangemessenes Verhalten?) - Die Freiheit, hundespezifische Verhaltensweisen wie Futtersuche und Erkundung auszuleben. - Zeit und Geduld, um neue Verhaltensweisen zu erlernen, insbesondere bei älteren Hunden - Wie ein Hund geschätzt zu werden.
 
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Dogorama-Mitglied
28. Feb. 13:11
Magst du deinen vorletzten Satz genauer erklären? Mit allem anderen gehe ich mit.
Dass man sein vernachlässigendes Verhalten mit 'Ich vermenschliche nicht' rechtfertigt.
Und dabei die erwähnten Nuancen auf der Strecke bleiben.
 
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Kirsten
28. Feb. 13:26
Natürlich ist ein Hund nicht dankbar-auch nicht wenn er"gerettet" wurde- er ist ein Opportunist und passt sich den Gegebenheiten an. Bei entsprechender Sicherheit, Führung und Zuwendung wird er sich voraussichtlich auch sozial verhalten und das erforderliche Vertrauen aufbauen. Als Rudeltier passt sich der Hund den Gegebenheiten an und ja wenn er vielleicht zuvor kein Zuhause hatte findet er es möglicherweise ganz gut. Aber auch wohl behütete Sofa Wölfe können sich vertrauensvoll und Sozial verhalten wenn sie ihren Platz und ihre Aufgabe kennen. Es gibt Hunde die schließen sich sehr eng an ihren Halter an und welche die nicht ganz so eng sind. Verlustängste ist auch wieder so eine menschliche Interpretation. Gerade zu Beginn kann es natürlich sein dass der Hund verunsichert ist wenn sein Halter nicht verfügbar ist und hier gilt es das erforderliche Vertrauen aufzubauen.
Empfindest du den Begriff Trennungsstress als passender, oder wie würdest du es bezeichnen?
 
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Carola
28. Feb. 13:34
Empfindest du den Begriff Trennungsstress als passender, oder wie würdest du es bezeichnen?
Ja ich glaube das ist die bessere Bezeichnung.
Wenn ein Hund in einer neuen Umgebung ist kann es natürlich sein dass er erstmal unter Stress gerät wenn sein Halter gerade nicht verfügbar ist. Und natürlich muss man seinen Hund auch langsam daran gewöhnen und nicht mit sechs Stunden Abwesenheit anfangen.
 
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Kirsten
28. Feb. 13:41
Ja ich glaube das ist die bessere Bezeichnung. Wenn ein Hund in einer neuen Umgebung ist kann es natürlich sein dass er erstmal unter Stress gerät wenn sein Halter gerade nicht verfügbar ist. Und natürlich muss man seinen Hund auch langsam daran gewöhnen und nicht mit sechs Stunden Abwesenheit anfangen.
Verstehe. Welche Probleme ergeben sich für dich aus dem anderen Begriff?
 
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Carola
28. Feb. 13:45
Verstehe. Welche Probleme ergeben sich für dich aus dem anderen Begriff?
Nun grundsätzlich keine aber es geht wieder um menschliche Interpretation! Man sollte seinen Hund unvoreingenommen und ohne menschliche Interpretation beobachten und entsprechend mit ihm umgehen. Heißt für mich: den Hund nicht nur lieben sondern auch respektieren und zwar als Hund!
 
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Dogorama-Mitglied
28. Feb. 13:51
Zum Thema Dankbarkeit möchte ich mich auch noch einmischen:

Ich habe meine eine Hündin in 4 Jahren bisher tatsächlich ein einziges Mal so richtig froh und dankbar erlebt; als sie abends wieder zu mir kam nachdem einen Tag auf sie aufgepasst wurde.
Seit dem weiß ich was Leute damit meinen.

Problematisch wird es wenn es vorrausgesetzt oder sogar versprochen wird, gerade im Tierschutz ein echtes Unding.

So viele Themen sind einfach nicht pauschal 'falsch' oder 'richtig'.
Ich glaube die eigenen Erfahrungen bzw. fehlenden Erfahrungen führen bei so gut wie jedem wenn man nicht aufpasst dazu, dass sich das eigene Bild einfährt.

Meistens sind es aber Spektren, auf denen wir uns bewegen.
 
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Kirsten
28. Feb. 14:15
Nun grundsätzlich keine aber es geht wieder um menschliche Interpretation! Man sollte seinen Hund unvoreingenommen und ohne menschliche Interpretation beobachten und entsprechend mit ihm umgehen. Heißt für mich: den Hund nicht nur lieben sondern auch respektieren und zwar als Hund!
Würdest du denn sagen, das Vermenschlichung ausschließt, dass der Hund als Hund respektiert wird?

Ich versuche dich gerade nicht zu ärgern und hoffe, es kommt nicht so an 😅 Darum geht es mir nicht. Ich bin neugierig.
 
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Kerstin
28. Feb. 16:33
Vielen Dank!! Wenn ich Status nicht als Rang verstehe, sondern als das, zu dem ich gemacht werde, über das, was mir jeden Tag an Privilegien zuteil wird (Liebe, Rumgetragen werden, betüddeln usw.), dann passt das super gut und genau so war es auch gemeint. Danke, dass du das so viel besser formuliert hast, als ich. Ich selber habe mich damals nämlich auch sehr schwer getan, Distanz zu wahren und mir auch ein aggressives Nervenbündel heran gezogen, das erst wirklich Hund wurde, als jemand, den ich sehr bewundert habe für seinen Umgang mit Hunden, mit mir Klartext gesprochen hat und eine Veränderung meines Verhaltens tolle Konsequenzen hatte.
So geht es mir auch gerade ...ich bin auch son Kandidat der sich ständig Sorgen um den Hund macht er ist ständig präsent und auch mehr oder weniger Mittelpunkt...und glaube das ist mein Problem denn wenn ihm was nicht passt dann ist er mir gegenüber total aggressiv...er beißt richtig doll so kleiner Zwerg wird echt zur kleinen Bestie ...mein Mann kümmert sich kaum um ihn und den hat er noch nie attackiert den knurrt er nicht mal an ...ich weis das aberich habe leider echt probleme das zu ändern....
 
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Svenja
28. Feb. 17:04
So geht es mir auch gerade ...ich bin auch son Kandidat der sich ständig Sorgen um den Hund macht er ist ständig präsent und auch mehr oder weniger Mittelpunkt...und glaube das ist mein Problem denn wenn ihm was nicht passt dann ist er mir gegenüber total aggressiv...er beißt richtig doll so kleiner Zwerg wird echt zur kleinen Bestie ...mein Mann kümmert sich kaum um ihn und den hat er noch nie attackiert den knurrt er nicht mal an ...ich weis das aberich habe leider echt probleme das zu ändern....
Das klingt, als hättet ihr vielleicht auch Probleme in der Kommunikation?
 
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Carola
28. Feb. 17:21
Würdest du denn sagen, das Vermenschlichung ausschließt, dass der Hund als Hund respektiert wird? Ich versuche dich gerade nicht zu ärgern und hoffe, es kommt nicht so an 😅 Darum geht es mir nicht. Ich bin neugierig.
Du ärgerst mich nicht! Und ich habe sogar Verständnis für gewisse menschliche Zuschreibungen gegenüber den Hunden.
Solange es den Hunden nicht schadet finde ich es auch nicht schlimm aber:
Hier wird oftmals sehr viel Wert auf Sprache gelegt und gerade die Sprache impliziert ja auch eine gewisse Haltung und darum denke ich dass manche Begriffe es aus menschlicher Sicht einfach nicht treffen.
Für mich hat das auch etwas mit Respekt zu tun. Ich bin in einer naturwissenschaftlich orientierten Familie mit vielen Tieren groß geworden-Hunde waren auch dabei- und ich habe gelernt, wie wichtig das neutrale und wertfreie Beobachten von Handlungen ist um sie richtig zu deuten. Das habe ich von klein auf so gelernt und ich bin auch ehrlich gesagt dankbar dafür.
Aus meiner Sicht ist gerade die wertfreie und nicht interpretierte Beobachtung so wichtig und ist auch für mich Respekt nämlich Respekt vor dem anders sein.
Und ja genau dieses beobachten ist so wichtig und zwar nicht nur die Handlung an sich sondern auch der Weg dorthin und der Weg wieder raus.
Dieses wertfreie beobachten ermöglicht es ja auch dem Hund Orientierung zu geben die notwendige Führung und auch die so wichtige Freiheit.