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Josi
Einleitungs-Beitrag
Anzahl der Antworten 104
zuletzt 29. Jan.

Hilfe, Hund hat Angst draußen.

Hi also meine frage ist.. meine Hündin ist Hein halbes jahr alt kommt aus dem Tierschutz und hat generell immer angst, sie will auf biegen und brechen nicht raus obwohl sir beide wissen das sie muss ich versuch es mit allein leckerlies, gut zureden, ihr zeit geben aber es passt nichts sie ist nun ein monat bei mir hat warscheinlich geschirr und Leine als was negativ verknüpft.. was kann ich also tun das ich sie raus bekomme ich kann nicht deuten das sie friert oder angst im Dunkeln hat hab aber trotzdem immer eine Taschenlampe dabei.. leckerleies nimmt sie draußen nicht da ist ihre Rute die meiste Zeit eingeklemmt.. Danke schonmal für eure Hilfe💕
 
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Carolina
17. Jan. 13:14
Oh je! Armes Fellnäschen. Am besten Alles mit Ihr gaaanz langsam angehen lassen‼️Sie hat möglicherweise schon viel Unschönes erlebt und ist dadurch völlig verängstigt!? Geben Sie Ihr Zeit sich zu orientieren. Sie muss erst einmal richtig ankommen in ihrer neuen Familie. Muten Sie ihr nicht zu viel zu. Erst ganz kleine Runden und diese mit der Zeit dann langsam verlängern . Zuhause viel Liebe geben und Ihr das Gefühl vermitteln; Bei mir bist du sicher‼️Selber ruhig bleiben!!! Das wird sich mit der Zeit legen , wenn Sie sich sicherer fühlt. Am besten Abends immer mit im Schlafzimmer schlafen lassen.Am besten mit im Bett! Sie muss erst Vertrauen zu Ihnen finden. Bleiben Sie selber ruhig um Ihr Liebe und Stärke und Sicherheit zu vermitteln.Dann wird Sie sich bald öffnen und wohler fühlen ‼️Sie ist einfach noch sehr verunsichert,was auf sie zukommt ! Offenbar hat Sie bisher nichts Gutes erfahren. Das bedarf Geduld und viiiel Liebe ❣️
 
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Heidrun
18. Jan. 14:36
👍🏼👍🏼👍🏼 Das halte ich für eine durchaus mögliche Option. Ich kann mich an eine neue Angsthündin in der Welpengruppe erinnern. Alle Welpen tobten wie die Wilden durch die Gegend, nur ganz außen am Zaun saß eine Hündin, die deutliche Zeichen von Angst zeigte: * Rute maximal eingezogen * Gekrümmte Haltung * Blick von der Gruppe abgewandt * Zitternd 😩 Ich dachte nur: „Wie kann man so rücksichtslos sein und die Kleine in so eine energiegeladene Gruppe stecken?“🙄 Doch dann war da diese tollpatschige, energiegeladene Border-Bombe namens Sebbi. Er ging ganz vorsichtig auf sie zu und bedrängte sie nicht. Er legte sich vor sie ins „Platz“ und fiepte leise. Das wiederholte er so oft, bis er ihre Aufmerksamkeit hatte.😳 Dann versuchte er, sie zum Spielen zu animieren – den Hintern oben und vorne ganz flach in der Spielaufforderung. Zuerst war ich der Meinung, dass er sie zu sehr bedrängt. Also rief ich: „Lass sie in Ruhe, du Vogel! Hier sind genug andere Hunde!“ und wollte ihn zu mir rufen. Er wollte aber unbedingt mit ihr spielen und versuchte es immer wieder.🙄 Gegen Ende der Stunde hatte er es tatsächlich geschafft: Sie rannte neben und hinter ihm her. Ich war wahnsinnig überrascht und stolz auf meinen „wilden Vogel“. 😇😊
Das war ja eine richtig tolle Aktion welche Dein Kleiner mit dem Angst Hündchen geschafft hatte 👍👍❤️🐶
 
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Kerstin
29. Jan. 21:13
Hallo Josi, weil ich auch mit dem Thema konfrontiert war, habe ich mich da ein bisschen eingearbeitet und meine Erkenntnisse zusammengeschrieben. Vielleicht kannst du da ja was für dich rausziehen: Mein zehn Punkte Plan mit 14 Punkten 😀 für einen Hund mit Ängsten: 1) Gute Bindung aufbauen, viel gemeinsam Spaß haben und Zeit verbringen, eine Beschäftigung suchen, die er richtig klasse findet, tricksen (nur mit Freude und positiv) ist zB. toll, weil ihr eine gemeinsame Zeit habt und euch gut lesen lernt. Darüber hinaus förderst du das Selbstbewusstsein des Hundes. Auch Kontaktliegen stärkt die Bindung (vorausgesetzt der Hund mag das). Beziehung ist wichtiger als eine Therapiemethode. Übe Tricks (dazu zähle ich auch alltägliche Kommandos wie „Sitz“) immer erst in reizarmer Umgebung drinnen bis sie hundertprozentig sitzen, erst dann verlagere sie langsam nach „draußen“. Wenn er spielt oder zum Spiel auffordert, immer annehmen und sich darüber freuen, denn Hunde spielen nur, wenn sie keine Angst haben und entspannt sind. 2) Sicherheit vermitteln, also sicheres Auftreten deinerseits, versuche immer herauszubekommen, wieviel du dem Hund zumuten kannst, dass nicht der Fall eintritt, dass du gehst, dann aber unsicher wirst, um schlussendlich doch umzudrehen. Gegen das Umdrehen spricht gar nichts, aber der Hund muss wissen, dass du das richtig eingeschätzt hast und nicht selbst unsicher bist, du musst der sichere Anker sein. Auch Bögen laufen kann sehr sinnvoll sein, wenn Gradlinigkeit eine Überforderung darstellen würde. Hilfreich bzgl. deiner Verlässlichkeit für den Hund ist, wenn du bei Kreuzungen oder uneinsehbaren Kurven den Hund warten lässt (SL-gesichert) vorgehst und ostentativ die Lage checkst und wenn die Luft rein ist, den Hund freigibst (ist auch gleichzeitig eine gut Impulskontrollübung) Ein probates Mittel ist auch Beobachtung. Also in aushaltbarer Distanz zusammen mit dem Hund sitzen und beobachten, sonst nichts. Nach und nach die Distanz verringern. Dabei kann man auch das aufgebaute Aufmerksamkeitssignal setzen, wenn der Angstreiz auftritt. Also Motorrad beschleunigt auf der fernen Landstraße, Hund schaut, du gibst das Aufmerksamkeitssignal, der Hund schaut dich an und wird belohnt. 3) Lasse dir nicht einreden, dass du mit dem Hund nicht auch mal innehalten darfst und dich nicht zu ihm runter setzen darfst und ihn streicheln. Dann natürlich nicht bemitleiden, sondern ruhig und aufmunternd sprechen und auch mit ruhigem Streicheln unterstützen (also kein nervöses „Wuschelstreicheln“) und evtl. das trainierte Entspannungswort setzten und allgemein Sicherheit und Souveränität ausstrahlen. Die muss allerdings „ehrlich“ sein, dein Hund bemerkt jedes Schauspiel sofort. Angst ist eine Emotion und Emotionen kann man nicht bestätigen, falls du das als Konsequenz befürchtest. Man kann Angst nicht belohnen. Und wenn es trotzdem nicht geht, scheue dich auch nicht -wenn es das Gewicht zulässt- den Hund durch die Situation zu tragen, die er noch nicht selbst bewältigen kann. Zerre ihn niemals durch Situationen, die ihn überfordern (auch wenn es noch immer viele Gestrige gibt, die das raten). Habituation (Gewöhnung) funktioniert nur, wenn noch nichts gelöscht werden muss. Manchen Hunden hilft auch in schwierigen Situationen mit konsequentem Schwung zu gehen oder gar ein Stückchen zu joggen. Einige fühlen sich an kurzer Leine nahe bei dir sicherer, andere brauchen das Gefühl der Selbstwirksamkeit, also zu wissen, dass sie was machen könnten im Falle eines Falles. Diese Hunde in einem Angstmoment tatsächlich erstmal lassen (gesichert!) und danach langsam und ruhig wieder zu Kontaktaufnahme mit dir einladen. Wichtig ist, in der richtigen Situation sozial zu verstärken/loben, nämlich wenn er in die Exploration geht, wenn er eigeninitiativ wird und nicht in dem Moment, in dem er wieder zurückkommt. 4) Unbedingt die Körpersprache studieren und eine Stressampel aufbauen, zB. grün = normales Verhalten, gelb = nimmt keine Leckerli mehr, rot= Schwanz eingezogen (die „Ampel“ ist individuell für jeden Hund). Das lässt sich natürlich noch verfeinern, dunkelrot = nicht ansprechbar, runder Rücken = dunkelgelb, usw. Wichtig ist, niemals ins Rote zu kommen, da ist es für den Hund auch physiologisch unmöglich etwas zu lernen, aber trotzdem auch nicht vor allen Reizen abschirmen, sondern immer wieder aussetzen bis zur Gelbphase, die aber auch nicht dauerhaft sein sollte, denn Stress baut sich kumulativ auf. Stress reduziert die Belastungsgrenze, wenn die Dosis zu hoch ist. Bewältigbarer Stress hat grundsätzlich positive Auswirkungen Das Anpassungssystem wird entweder gefördert oder überfordert. 5) Immer schrittweise versuchen sich dem Problem zu nähern (sukzessive Approximation)(gestuftes Expositionsverfahren), dabei die eigene Ungeduld unbedingt im Zaum halten, denn wenn man es überreizt, kann es passieren, dass man bei weniger als null wieder neu beginnen muss. Und wenn wir schon dabei sind, rechne damit, dass es keine lineare Entwicklung sein wird und es oft Rückschläge geben wird (auch heftige). 6) Da sind wir beim Thema Zeit, ein Bindungsaufbau (viele verwechseln Bindung mit Vertrautheit) dauert 8-12 Monate, die Entwicklung bei Angst nicht selten 2Jahre und mehr. Du benötigst in jedem Fall einen langen Atem. 7) Nach Stressphasen lange genug Zeit geben fürs Akklimatisieren, Stress braucht bis zu einer Woche um sich abzubauen. Übe ein Entspannungssignal ein. Manchen Hunden hilft auch ein Thundershirt. Auch Entspannungsmassagen können sinnvoll sein. Wichtig, im Haus einen stressfreien „sicheren“ Rückzugsort schaffen. Am besten ohne Reizlage, also nicht im frequentiertem Flur, nicht vor der Haustür oder Terrassentür. Und hier gilt, kein Kind und Kegel hat ihn da zu stören. 8) Versuche immer möglichst genau herauszubekommen, was ängstig. Wenn es zB. die Mülltonne ist, gehe zur Mülltonne und streichle und lobe sie (ja, ich weiß, das ist hart 😀) 9) Versuche Hundefreunde zu finden, gehe viel mit denen zusammen spazieren. Apropos Spaziergang, gehe möglichst zunächst immer den gleichen Weg zur gleichen Zeit, bis er jeden Grashalm kennt, gerne auch zB. zweimal die gleiche Runde hintereinander, für solche Hunde ist es wichtig zu wissen was kommt und verlässliche Strukturen zu haben. 10) Mache dich schlau zu dem Thema (machst du ja schon) Das beste Angstbuch (ich habe alle gelesen) ist „Leben will gelernt sein“ von Birgit Laser und Wibke Hagemann 11) Angsthunde immer absichern, Schleppleine, Sicherheitsgeschirr und Tracker sind das Minimum. Eine zweite Leine und Bauchgurt kann bei schwierigen Fällen/Konstellationen auch nötig sein. Besonders aufmerksam sein bei Ortswechseln, also zB. beim Verlassen der Haustür oder beim Rauslassen aus dem Auto, „gerne“ passiert auch was beim Output-Aufnehmen (natürlich trotzdem eintüten 😀) . Wenn der Hund defensiv aggressiv ist, Maulkorb besorgen und den nicht einfach überstülpen, sondern mit gutem Maulkorbtraining langsam gewöhnen. Auch bei der Wahl des Maulkorbs gibt es sehr viel zu beachten (schlau machen, oder kompetent beraten lassen). Gut gemacht ist der Maulkorb wie eine Brille für den Hund. 12) Ideal wäre ein souveräner Ersthund. Leider sind nur sehr wenige Hunde wirklich souverän, bei unsicheren Ersthunden kann es aus passieren, dass wechelseitig nur die unerwünschten Verhaltensweisen übernommen werden. Wenn er Angst vor Hunden oder Menschen hat, schirme ihn vor ihnen ab, wenn sie respektlos und aufdringlich oder gar aggressiv sind. Also zB. einen anstürmenden Hund durch Blocken erstmal ausbremsen. Positive Kontakte immer fördern, können nicht oft genug stattfinden. Den Menschen sagen, sie sollen ihn nicht anstarren und sich nicht überbeugen, je nach Schweregrad der Angst auch nicht ansprechen. Angsthunde reagieren oft positiv auf eine „Quitschestimme“ beim Loben/Bestätigen (so blöd wie das ist 😀). Und Angsthunde -wie auch andere- mögen es, wenn du bei Besuch die Kontrolle hast, also zB. die Gäste durch die Wohnung führst und zB. Plätze zuweist. 13) Mache dir klar, dass Angst das schwerste Thema in der Hundewelt überhaupt ist. Versuche damit klarzukommen, dass er nie ein proaktiver Hund werden wird, er evtl. nie in der Lage ist, öffentliche Verkehrsmittel mitfahren zu können, nicht mit ins Restaurant kann und anderes vllt. mit ihm auch ausgeschlossen ist. Wenn du das nicht kannst, werdet ihr nicht zusammenpassen. 14) Last but not least, gründlich medizinisch durchchecken lassen, nicht, dass der Hund Schmerzen leidet (Schmerzen fördern die Angst stark)(Hunde sind Meister im Verbergen von Schmerzen)
Sehr gute Tipps
Ausführlich geschrieben
Schön dass du dir die Zeit dafür genommen hast
 
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Mara
29. Jan. 23:10
Hallo, bei uns war es auch anfangs schwierig raus zu gehen (überhaupt das Körbchen zu verlassen) und bei uns hat es anfangs nur geklappt, indem ich meine Hündin die erste Zeit raus getragen habe und durch schwierige Situationen (über die Straße zB) durch getragen habe. Deine Hündin scheint größer zu sein, falls tragen nicht funktioniert ist doppelt sichern und einfach mitnehmen/ziehen eine Option - Achtung, meine Hündin hat sich dabei manchmal "ausgezogen", unbedingt doppelt sichern. Dann gab es anfangs eine bestimmte Stelle (Parkplatz) an der sie sich lösen konnte, dort sind wir auf jeder Runde vorbei. In schwierigen Situationen/Orten (Menschen, Brücken!, anderer Boden etc.) draußen habe ich mich mit ihr hingestellt oder hingesetzt und sie beobachten lassen, wenn möglich einfache Übungen wie Sitz machen lassen und sie viel belohnt, sobald es ging einen tollen Snack gegeben (Käse!, also irgendetwas ganz tolles) und ihr die Situation schön gefüttert. Sie hat nicht direkt aber nach einiger Zeit den Käse angerührt, wenn es gar nicht ging zu fressen, war das ein Indiz dafür, dass es gerade zu stressig ist und wir besser am nächsten Tag weiter machen. Bei uns war auch das raus aus dem Körbchen, durch die Tür gehen ansich ein Problem, weil wir Holzboden haben, meine Hündin hat Angst vor verschiedenen Untergründen. Das habe ich gelöst, indem ich aus Handtüchern und Decken eine Brücke bis zur Tür gelegt habe. Etwas, was noch sehr gut geklappt hat, war, wenn andere Hunde dabei waren, meine Hündin otientiert sich sehr stark an anderen Hunden. Bei mir hat alles nach einiger Zeit durch Intuition und Geduld ganz gut geklappt, ihr werdet da sicher auch euren Weg finden! "Einfach mitnehmen" mit der Leine hat bei mir erst später fuktioniert, ich musste meine Hündin anfangs schon zwingen indem ich sie getragen habe. Meine Hündin ist in neuen Umgebungen manchmal immernoch unsicher aber mittlerweile schaffen wir jede Situation, wenn auch manchmal mit etwas mehr Zeit. Ich wünsche ganz viel Glück, Einfühlungsvermögen und Geduld und ein paar nette, souveräne Hundefreunde, die euch etwas vormachen 🤗