Ich habe auch nochmal unterschiedliche Gedankengänge dazu gehabt.
Eigentlich erleben wir hier doch eine umgekehrte Instrumentalisierung oder? Wäre es ein Schäferhund gewesen, hätten viele die Tat sofort als Beweis für die Gefährlichkeit dieser Rasse genutzt, weil der Schäferhund ohnehin schon die Statistik der Beißvorfälle anführt. Man hätte den Tod des Besitzers quasi als Argument gegen die Rasse ausgeschlachtet.
Weil es aber ein Listenhund wie Sam ist, passiert das Gegenteil. Die Community geht in eine Abwehrhaltung. Aus Angst vor noch mehr Repressionen und dem Klischee vom bösen Listenhund wird die Tat bis zur Unkenntlichkeit relativiert ( ‚Spielsituation‘).
Anstatt den Einzelfall objektiv als das zu sehen, was er ist, eine tödliche Katastrophe durch einen Hund, der nicht kontrollierbar war, wird die Debatte zur Ideologieschlacht. Die einen wollen die Rasse schützen und verharmlosen deshalb das Töten eines Menschen, während sie bei anderen Rassen vermutlich als erste nach Verboten geschrien hätten. Zumindest ist das mein Gefühl. Denn wenn es Artikel über Beißvorfälle mit Schäferhunden gibt, kommen immer Kommentare wie ‚wann kommt endlich der Schäferhund auf die Liste‘. Ist es aber schon bereits ein Listenhund, geht es eher in die Richtung ‚kein Hund wird böse geboren‘ ‚das Problem liegt am anderen Ende der Leine‘.
Kürzlich bin ich auf einen Artikel gestoßen, in dem ein Kind von einem Hund gebissen wurde, den es als Viszla beschrieb. Das Kind fuhr mit dem Fahrrad vorbei, als der Hund es mehrmals ins Bein biss. Die Kommentare zu dem Vorfall waren überwiegend skeptisch und behaupteten, dass Viszlas nicht zu solch aggressivem Verhalten neigen, während Ridgebacks eher dazu neigen.
Ein anderer kürzlich Fall, bei dem ein Labrador ein Kind ins Gesicht gebissen hat, löste eine ähnliche Reaktion aus. Die Kommentare zu diesem Vorfall waren ebenfalls voreingenommen und behaupteten, dass Labradore keine Kinder beißen und dass sie als absolute Familienhunde gelten. In diesem Fall wurde dem Kind die Schuld für den Vorfall gegeben, obwohl die genauen Umstände unbekannt sind.
Diese Beispiele deuten darauf hin, dass viele Menschen bestimmten Hunderassen von vornherein ein Beißvorfall zuschreiben. Folglich werden einige Rassen sofort als schuldig angesehen, während andere automatisch als unschuldig angesehen werden.