Home / Forum / Verhalten & Psychologie / Der Fall "Sam" - Angriff oder missglückter Rettungsversuch?

Verfasser-Bild
Celine
Einleitungs-Beitrag
Anzahl der Antworten 53
heute 15:15

Der Fall "Sam" - Angriff oder missglückter Rettungsversuch?

Der aktuelle Fall um den Hund "Sam" wirft bei mir viele Fragen auf. Je mehr ich lese, desto unsicherer werde ich bezüglich des tatsächlichen Tathergangs. In den Medien (die nicht einmal die korrekte Rasse benennen können) ist die Rede davon, dass der Halter an einem Biss ins Gesicht verstarb. Dem steht die Theorie gegenüber, der Hund habe lediglich versucht, sein Herrchen (nach einem medizinischen Notfall) zu "wecken". Wie lässt sich die Schwere der Verletzungen mit einem bloßen Weckversuch vereinbaren? Ab wann schlägt Fürsorge in (unbeabsichtigte) schwere Verletzung um? Auf dem Bild erkennt man schon etwas rosa am weißen Brustzeichen, was für Kontakt mit Blut steht. Die Dobihündin, die bei mir zum Schluss war, lag 2 Tage neben dem toten Besitzer in der Wohnung. Der Besitzer hatte aber keine Spuren von seinem Hund. Das heißt natürlich nicht, dass es bei allen Hunden so sein muss, das ist mir schon klar. Wären aber solche Fälle nicht häufiger/ bekannter? Und vor allem, wenn es zu einem Kampf kam, warum hat niemand was gesehen oder gehört? Der Fall Chico damals, der nachweislich misshandelt wurde und die 2 Menschen getötet hat, hat meiner Meinung nach nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen. Was ist hier anders? Ich bin mir bei dem Thema so unsicher, dass ich mir gar kein Urteil erlauben kann oder will. Dennoch freue ich mich über eure Ansichten und vielleicht auch die ein oder andere fachliche Einschätzung oder auch persönliche Erfahrung😊 https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/osnabrueck_emsland/hund-toetet-halter-rechtsmedizin-bestaetigt-bisse-als-ursache,lohne-122.html
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Sina
17. Jan. 19:01
Eigentlich finde ich das gar nicht so widersprüchlich. Immerhin hätten die Bisse von einem anderen Tier oder fremden Hund stammen können. Ohne DNA Nachweis den eigenen Hund zu beschuldigen wäre vorschnell und unseriös. Jetzt gibt es leider den Beweis und damit ist es aufgeklärt.
Der DNA Nachweis steht glaube ich noch aus? Der wird in 2 Wochen erwartet.
Dass es ein anderer Hund gewesen sein soll, halte ich aber eher für unwahrscheinlich.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Lisa-Eileen
17. Jan. 19:02
Also um mal meine Erfahrung einzuwerfen...
Wenn man jetzt tatsächlich davon ausgehen würde das der Halter einen medizinischen Notfall hatte und der Hund versucht hat ihm zu helfen aber mit der Situation warscheinlich völlig überfordert war weil er ja nicht dazu ausgebildet ist und kein Plan hat was er wie tun soll, vielleicht auch keine Beißhemmung gelernt hat usw und es für ihn eben ne Ausnahmesituation war kann das sehr wohl so gewesen sein.
Jeder Hund reagiert anders auf sowas, Rocket zb ist sehr zurückhaltend und dezent.
Anfälle hatte er mir bevor er gelernt hatte wie er damit umgehen soll angekündigt indem er sich auf ein paar Meter iwo hinsetzte und mich wie ein Creep anstarrte, muss man auch erstmal verstehen lernen.😅
Während unserer Assistenzhunde Ausbildung war ich ja auch in der Lerngruppe für Anzeigeverhalten und hab da auch von anderen Assistenzhundenehmern mitbekommen wie es da so läuft und natürlich wurd auch von der Ausbilderin erklärt wie Hunde auf Sachen reagieren können.
Manche Hunde werden in so einer Situation echt rabiat.
Es gab einen Hund der hat seiner Halterin anfangs in die Finger geknabbert, wenn das nix brachte und sie aus dem Anfall nicht rauskam wurde es halt stärker und war kein knipsen und knabbern mehr.
Deswegen hat man in solchen Situationen ja dann eben auch Hilfspersonen (zb Partner, Eltern, Kinder, Pfleger) dabei die den Hund anleiten wenn man es selbst nicht kann.
In der Ausbildung lernen die ja das sie etwas tun können und wie sie sich verhalten sollen und dann ists kein Problem mehr.
Aber wenn man halt nen "normalen" Haustierhund hat der vielleicht noch dazu nicht unbedingt souverän ist oder so und er in der Situation überfordert ist und verzweifelt versucht seinem Menschen zu helfen kann das dann schon passieren.
Vielleicht hat der Hund sein Gesicht geleckt, merkt dann ok das langt nicht und hat geknibst, geknabbert und dann eben gebissen oder so weil er verzweifelt nicht weiterkam.
Wie gesagt, jeder Hund reagiert anders auf Anfälle oä, manche kläffen, manche zeigen Meideverhalten, Hütis starren einen gern an, manche lecken, manche knibsen oder beißen und manche kratzen mit den Pfoten.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Julia 🐾Nero
17. Jan. 19:05
Stimmt, Instagram war da noch nicht so präsent aber zumindest Facebook. Empfand ich damals tatsächlich anders aber persönliches Empfinden ist ja nicht die Realität.
Bei Chico ist einfach extrem viel schief gelaufen.
Er wurde ja schon mit 1 oder 2 Jahren als gefährlich eingestuft (auch ein Gutachten wurde geschrieben) und es gab immer Meldungen beim Veterinäramt, das nicht gehandelt hat.
Unter anderem deswegen wurde auch die Rasse Liste eingeführt. Es ging darum das Veterinäramt in die Pflicht zu nehmen und unter Druck zu setzen, solchen Meldungen und Gutachten nachzugehen.
Natürlich verbunden mit einer Diskriminierung ganzer Rassen, das kann man nicht abstreiten.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Sina
17. Jan. 19:06
Das nicht aber ist es nicht eher besorgniserregend, dass sehr viele Hundehalter auf Facebook, Instagram und co. diese Tat romantisieren oder gar Vertuschung in Raum werfen? Wenn mal so viel Energie in den Fall Chico geflossen wäre, wäre er vielleicht nicht eingeschläfert worden.
Bei Chico war der Aufschrei doch noch viel grösser. Ich erinnere mich, dass es da Demos gab, versucht wurde ihn nachts aus dem Zwinger zu holen etc..
Gezweifelt dass er gebissen hat, hat da niemand. Aber er wurde nicht artgerecht gehalten und wohl auch misshandelt, weshalb man keine "Schuld" bei ihm sah.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Sina
17. Jan. 19:14
Achso, was vielleicht noch erwähnenswert ist, warum Social Media so frei dreht:

In den ersten Berichten ging man von einem medizinischen Notfall aus, so wurde es in den Medien berichtet. Erst später, nach der Obduktion, kamen die Bissverletzungen ins Spiel.
Das kam vielen komisch vor, zumal die Bisse im Gesicht waren, und deshalb gleich hätten auffallen müssen.
Verständlich, trotzdem ist das narürlich umgekehrt auch kein Beweis, dass der Hund unschuldig sein muss.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Julia 🐾Nero
17. Jan. 19:15
Der DNA Nachweis steht glaube ich noch aus? Der wird in 2 Wochen erwartet. Dass es ein anderer Hund gewesen sein soll, halte ich aber eher für unwahrscheinlich.
Da hast du Recht.
Die Google KI Zusammenfassung gibt das falsch an.
(da haben wir ja gerade den anderen Thread zum Thema Zuverlässigkeit bei KI).
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Katja
17. Jan. 19:20
Also nach dem Obduktionsbericht sind die Bissverletzungen wohl todesursächlich:

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/osnabrueck_emsland/hund-toetet-halter-rechtsmedizin-bestaetigt-bisse-als-ursache,lohne-122.html

Und sie stammen lt. Bericht eindeutig von dem Sam. Irgendwo hatte ich noch gelesen, dass der DNA-Test daraufhin abgesagt wurde… find ich aber grad nicht mehr.

Der Hund wird wohl jetzt als gefährlich eingestuft und muss in den Wesenstest… je nach Ausgang kann er dann durchaus an entsprechend kompetente Halter vermittelt werden.

Ich bin noch zwiegespalten, wie ich das finden soll, immerhin ist ein Mensch gestorben…🤔
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Katja
17. Jan. 19:29
Interessant fand ich in dem Zusammenhang das Interview mit Vanessa Bokr von den Hellhounds:

https://www.petbook.de/hunde/hundeerziehung/american-bully-toetet-halter

Ist jetzt nicht direkt auf diesen Fall bezogen (war da auch noch zu früh), aber spricht das generelle Problem der fehlenden hundegerechten Auslastung und daraus resultierender Verhaltensprobleme sowie schlechter Zucht an, was ja inzwischen viele Hundetrainer als deutlich zunehmend wahrnehmen.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Julia 🐾Nero
17. Jan. 19:31
Also nach dem Obduktionsbericht sind die Bissverletzungen wohl todesursächlich: https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/osnabrueck_emsland/hund-toetet-halter-rechtsmedizin-bestaetigt-bisse-als-ursache,lohne-122.html Und sie stammen lt. Bericht eindeutig von dem Sam. Irgendwo hatte ich noch gelesen, dass der DNA-Test daraufhin abgesagt wurde… find ich aber grad nicht mehr. Der Hund wird wohl jetzt als gefährlich eingestuft und muss in den Wesenstest… je nach Ausgang kann er dann durchaus an entsprechend kompetente Halter vermittelt werden. Ich bin noch zwiegespalten, wie ich das finden soll, immerhin ist ein Mensch gestorben…🤔
Gibt aber immer wieder Fälle, in denen Hunde, die Menschen getötet haben nicht eingeschläfert werden.

Die Teufelshunde haben ja auch einen Rottweiler aufgenommen, der eine Frau getötet hat und weitervermittelt. Da gibt es auch eine Reportage und der Journalist besucht den Hund im Verein.

Hier ein Link https://youtu.be/_pJICSfIGIM?si=4TaSMJDZFA7I6TPi
Ab etwa Minute 5 geht es um die Hündin Kim.

Beim letzten Vorfall, in dem ein Schäferhund in Deutschland eine Frau getötet hat, wurde der Hund auch nicht eingeschläfert. Weil die Frau auf das Grundstück und in den verschlossenen Zwinger eingebrochen ist.
 
Beitrag-Verfasser-Bild
Katja
17. Jan. 19:35
Hah, gefunden (auf FB, beim NDR): kein DNA-Test, das rechtsmedizinische Gutachten ist eindeutig.