Home Blog Das kann nicht die Lösung sein - Türkei möchte Straßenhunde nach 30 Tagen einschläfern

Das kann nicht die Lösung sein - Türkei möchte Straßenhunde nach 30 Tagen einschläfern

Die türkische Regierung hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der das Eimschläfern von Straßenhunden ermöglichen soll. Diese Entscheidung, initiiert durch Präsident Recep Tayyip Erdoğan, hat eine hitzige Debatte ausgelöst. Ziel des Gesetzentwurfs ist es, Straßenhunde, die innerhalb eines Monats in Tierheimen nicht vermittelt werden können, einzuschläfern.

Drei junge Straßenhunde
© edvan kun

Der Hintergrund der Diskussion

Straßenhunde sind in der Türkei ein alltägliches Bild. Sie durchstreifen die Städte, ruhen sich in belebten Fußgängerzonen aus und sind Teil des Lebens. Laut dem türkischen Landwirtschaftsministerium gibt es landesweit etwa vier Millionen Straßenhunde, von denen nur ein Viertel gechippt und registriert ist. Um die Population unter Kontrolle zu halten, müssten 70 Prozent der Hunde sterilisiert werden. Doch aktuell werden jährlich nur rund 260.000 Hunde sterilisiert, was bei weitem nicht ausreicht.

Die Regierung rechtfertigt die geplante Euthanasie unter anderem mit dem gestiegenen Tollwutrisiko. Außerdem sollen in den letzten Jahren einige Menschen durch Hundeangriffe gestorben und verletzt worden sein. Vielzählige Autounfälle werden ebenfalls den Tieren zugeschrieben.

Die öffentliche Meinung und Kritik

In der türkischen Bevölkerung stößt der Plan auf wenig Unterstützung. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Metropoll ergab, dass weniger als drei Prozent der Befragten die Euthanasie von Straßenhunden befürworten. Stattdessen sprechen sich mehr als drei Viertel dafür aus, die Tiere in Tierheimen unterzubringen. Doch die Realität zeigt, dass dies kaum umsetzbar ist. In Istanbul, wo schätzungsweise 290.000 Straßenhunde leben, gibt es nur 16.000 Plätze in Tierheimen. Viele Städte verfügen über gar keine entsprechenden Einrichtungen, obwohl das Tierschutzgesetz von 2021 dies vorschreibt.

Tierschutzorganisationen und Aktivisten, wie Senem Demirel Acar von HAYTAP, kritisieren den Gesetzentwurf scharf. Sie werfen der Regierung vor, mit der geplanten Euthanasie von wichtigeren Problemen abzulenken und fordern stattdessen umfassende Sterilisationskampagnen. Acar betont, dass nur aggressive Hunde in Tierheimen untergebracht werden sollten und dass die Regierung mehr gegen Züchter:innen und das Aussetzen von Haustieren unternehmen müsste.

Die Vorsitzende der größten Oppositionspartei CHP, Özgür Özel, sieht in dem Umgang mit Straßenhunden einen Klassenkonflikt. Wohlhabendere Menschen fordern eher Tierschutzmaßnahmen, während ärmere Familien häufiger von Hundeangriffen betroffen sind. Özel plädiert für einen Tierschutzfonds, aus dem Sterilisierungskampagnen und Tierheime finanziert werden sollen.

Fazit

Die geplante Gesetzesänderung zur Euthanasie von Straßenhunden in der Türkei bleibt ein hoch umstrittenes Thema. Während die Regierung auf Sicherheits- und Gesundheitsrisiken verweist, fordern Tierschützende humane Alternativen wie umfassende Sterilisationsprogramme. Die öffentliche Meinung ist überwiegend gegen das Einschläfern und fordert mehr Kapazitäten und Unterstützung für Tierheime. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Debatte weiterentwickelt und welche Maßnahmen letztlich ergriffen werden.

Quelle: F. Böge, Türkei will das Einschläfern von Straßenhunden erlauben, Frankfurter Allgemeine, 30.05.24

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